Nach 121 Spielen im Tor des GAK kehrt Jakob Meierhofer zurück auf die Bank. Wie in der Vorsaison wurde er in der Winterpause als Stammkeeper abgelöst, damals kam Florian Wiegele, jetzt Franz Stolz.
Ob Meierhofer noch einmal für die Grazer auf dem Platz stehen wird, ist mehr als fraglich: Sein Vertrag läuft im Juni aus, die Zusammenarbeit wird wohl spätestens zu diesem Zeitpunkt enden.
Eine Situation wie im Sommer, in der man vergeblich nach einer bundesligatauglichen Verstärkung im Tor suchen musste, will GAK-Sportdirektor Tino Wawra diesmal vermeiden. Wiegele ging zurück zu Stammverein Viktoria Pilsen, eine feste Verpflichtung war finanziell nicht zu stemmen. "Wir waren nur an Lösungen interessiert, die eine klare Verbesserung gebracht hätten. Die hat es für uns nicht gegeben. Deswegen haben wir Jakob das Vertrauen ausgesprochen", erinnert sich der Nachfolger von Didi Elsneg.
Zu viele Fehler
Zum zweiten Mal habe die interne Analyse im Winter aber ergeben, dass dem Abwehrverbund zu viele Fehler passiert sind. Mit Franz Stolz, den Wawra aus einer gemeinsamen Halbsaison beim SKN St. Pölten kennt, soll es jetzt besser laufen. Sollte sich der 24-jährige Steirer gut entwickeln, hätte man wohl seine Nummer eins für 2026/27 gefunden.
Eine vertraglich gesicherte Vereinbarung mit Stammverein Genua gibt es nicht, Wawra erklärt aber: "Wir haben offene Gespräche geführt. Ich weiß, was wir tun müssten, um ihn fix bekommen zu können, wenn er seine Sache gut macht. Das liegt im Bereich des Möglichen."
Ich weiß, was wir tun müssten, um ihn fix bekommen zu können.
Abhängig wäre ein Transfer natürlich vom Klassenerhalt des GAK, der mit vier Punkten Vorsprung auf den Abstiegsplatz ins Frühjahr startet.
Zukunftslösung
Auch ohne Stolz wären die Grazer im Sommer nicht schlecht aufgestellt. Für einen Stammplatz kommen weder Fabian Ehmann, noch Christoph Nicht in Frage. Letzterer ist vertraglich noch bis 2027 gebunden, bei Ehmann wäre dies durchs Ziehen einer Option möglich.
Interessant ist vor allem die Personalie Juri Kirchmayr. Der 20-Jährige spielt seine erste Saison im Erwachsenenfußball auf Leihbasis beim FAC und kassiert nur alle 114 Minuten ein Gegentor - das ist der aktuelle Spitzenwert der 2. Liga. Für seine Leistungen wurde er ins LAOLA1-Team der Herbstsaison nominiert >>>.
Der Vertrag des ÖFB-Nachwuchsteamspielers läuft bis 2027, eine Verlängerung könnte man ihm wohl mit einer ernsthaften Perspektive auf Kampfmannschafts-Einsätze schmackhaft machen.
"Er nimmt genau die Entwicklung, die wir uns gewünscht haben. Im Sommer müssen wir beurteilen, ob wir ihm gleich eine größere Rolle geben, oder er noch einmal bei einem anderen Verein Erfahrung sammeln soll", sagt Wawra, der Kirchmayr mehrmals im Stadion begutachtet hat. Man könne jetzt richtig sehen, wie wichtig Spielpraxis bei der Entwicklung junger Torhüter sei, ergänzt er.
Österreichische Lösung hat Priorität
Auf die Frage, warum es dem GAK sichtlich schwerer fällt, die Torwartposition zu füllen, als beispielsweise Blau-Weiß Linz, erklärt Wawra: "Natürlich hätten wir auch im Sommer die Möglichkeit einen Torwart auszuleihen. Wir versuchen, die Position mit einem Österreicher zu besetzen. Auf anderen Positionen ist es schwieriger, einen österreichischen Spieler zu finden - da brauchen wir den Spielraum."
Christoph Schößwendter, Sportdirektor der Linzer, berichtete im Sommer gegenüber 90minuten von den positiven Effekten der erfolgreichen Leihe von Radek Vitek: "Es haben sich viele Vereine aktiv bei uns gemeldet - aus der deutschen Bundesliga, aus England, aus Polen. Für uns war das ein richtiger Aha-Effekt, es haben sich viele Türen geöffnet."
Der Torwart-Bericht aus dem Sommer über GAK, Blau-Weiß Linz und Sturm Graz:
Hausaufgaben erledigt
Der GAK startet mit vier Punkten Vorsprung auf den Abstiegsplatz ins Frühjahr. Um die Meistergruppe muss man sich keine Gedanken machen, auch wenn sie rein rechnerisch noch in Reichweite wäre. Die Statistik liest sich ähnlich, wie im im Vorjahr: 15 Zähler nach 17 Runden, drei Siege, acht Niederlagen. Fürs Erste zeigt sich GAK-Sportdirektor Tino Wawra trotz allem zufrieden: "Wir haben alle Hausaufgaben erledigt."
Mark Große verstärkt das Mittelfeld, Leon Klassen die linke Außenbahn. Ein Sechser wird noch kommen, ausnahmsweise ist das aber ein Luxusproblem: Dank desm Verkaufs von Sadik Fofana in die Serie A geht ein mittlerer, sechsstelliger Betrag auf dem Konto der Grazer ein. Der 22-Jährige spielt künftig für Lecce.
Wawra sortiert den Transfer in die Größenordnung des Wechsels von Matthias Seidl zum SK Rapid ein: "Es ist wahrscheinlich einer der drei größten, die ich bisher abgewickelt habe." Es sei nicht immer ganz einfach mit den Italienern, lacht er. "Ich glaube aber, dass wir einen guten Deal für den GAK gefunden haben."
Um den letzten Neuzugang unter Dach und Fach zu bringen, bleibt noch rund eine Woche Zeit. Am 8. Februar reisen die Grazer zum Frühjahres-Auftakt nach Wolfsberg.
Daniel Sauer