Dieser Tage hat sich der Sommer wieder in Richtung optimaler Bedingungen für Fußball gemäßigt. Die Rekordhitze – bis zu 41 Grad in Wien – ist aus vielen Köpfen ausgedampft und kommt in diesem Jahr wohl nicht wieder. Im Sommer 2027 ist allerdings wieder mit hohen Temperaturen zu rechnen.
In Korea fordert die Fußballergewerkschaft jetzt konkrete Maßnahmen. Mehr als die Hälfte der Profis hat in einer Umfrage bestätigt, bei hohen Temperaturen körperliche Probleme verspürt zu haben. Das birgt die Frage: Wie gut ist Österreichs Profifußball auf kommende Hitzewellen vorbereitet?
Eine Broschüre des Klimaschutzministeriums aus dem Jahr 2020 riet schon ab 30 Grad Celsius zur Vorsicht bei Sport im Freien. Große Hitze belaste das Herz-Kreislauf-System, führe zu Flüssigkeitsverlust und Krämpfen. Ende Juni 2026 empfahl das Sportministerium, Trainingseinheiten nach Möglichkeit auf kühlere Tageszeiten zu verlegen und Wettkämpfe nach Möglichkeit ganz zu verschieben.
Temperatur-Obergrenze?
Im höherklassigen heimischen Fußball verhallten Appelle aus der Politik. Der dicht besetzte Spielplan hätte Verschiebungen auch nicht besonders attraktiv gemacht. Eine Obergrenze, ab der nicht mehr gespielt werden darf, gibt es jedenfalls nicht, erklärt die Bundesliga gegenüber 90minuten. Bei Extremwetterlagen könne auf behördliche Weisung oder auf Antrag eines Vereins reagiert werden. In zweiterem Fall müssten Gegner, Liga und TV-Partner einer Neuansetzung zustimmen.
Im Zusammenhang mit der Hitzewelle Anfang August gab es keinen Antrag auf Spielverschiebung.
"Im Zusammenhang mit der Hitzewelle Anfang August gab es allerdings keinen entsprechenden Antrag oder konkrete Rückmeldungen", heißt es weiter. Monitoring und Belastungssteuerung sei ohnehin Aufgabe der Vereine. Während der Spiele sollen Trinkpausen dabei helfen.
TV-Vertrag gibt Rahmen vor
Gespielt wird in der Bundesliga großteils am frühen Abend oder späten Nachmittag. Dass künftig mehr Spiele auf spätere Uhrzeiten verlegt werden, um Hitze im Hochsommer zu entkommen, ist nicht vorgesehen. In Spanien werden beispielsweise mehrere Partien um 21:30 Uhr angepfiffen.
"Die Bundesliga verfügt als eines von wenigen Ländern in Europa über eine eigene Sommer-Anstoßzeit, die sich bewährt hat. In der aktuellen Saison findet bis inklusive der 5. Runde kein Spiel vor 17 Uhr statt. Dies gilt seit dieser Saison. Die neuen Anspielzeiten wurden in den vergangenen zwei Jahren intensiv evaluiert und im Herbst 2025 für die kommenden Saisonen beschlossen. Eine weitere Verschiebung in spätere Abendstunden ist nicht vorgesehen."
Rund um das Spiel
Anders als bei vielen Amateur-Sportveranstaltungen setzen sich für Bundesligaspiele tausende Menschen in Bewegung. Berücksichtigt werden sollte daher auch die Gesundheit der Anhängerschaft, die ihr Abo längst bezahlt haben und ohne offizielle Absage entweder auf Kosten oder für die Spieldauer im Stadion sitzen bleiben. Verbunden mit Alkoholkonsum und matchbedingter Ekstase ist bei hohen Temperaturen daher auch das Zuschauen mit Risiko verbunden.
Es gibt in fast allen Stadien Möglichkeiten, um sich zumindest temporär der direkten Sonneneinstrahlung zu entziehen.
"Für Stadionbesucher gelten bei hohen Temperaturen die üblichen Empfehlungen für Aktivitäten im Freien. Ausreichend trinken, Sonnenschutz verwenden und nach Möglichkeit Schatten aufsuchen”, meint die Bundesliga. Sie verweist auf die aktuellen Infrastruktur-Richtlinien, die überdachte Zuschauerbereiche vorschreiben. “So gibt es in fast allen Stadien Möglichkeiten, sich zumindest temporär der direkten Sonneneinstrahlung zu entziehen.”
Zudem steht bei allen Spielen ein Erste-Hilfe-Posten und ein eigener Arzt nur für Zuschauer zur Verfügung.
Nachhaltigkeit mit Fragezeichen
Schon im Rahmen der Lizenzanträge verpflichten sich österreichische Bundesligisten zu ökologischer Nachhaltigkeit - oder zumindest zu einem Strategiepapier in diese Richtung. Eine Konkretisierung der lose gehaltenen Vorgaben plant die Liga nicht. Sie seien bewusst breit gehalten, um Klubs Freiheiten beim Setzen von Maßnahmen zu lassen.
Ob man es dabei belassen kann, werden die nächsten Jahre zeigen. In Teilen Österreichs haben Hitzewellen zu Wasserknappheit geführt. Von einigen Behörden wurde daher das Befüllen von Pools untersagt. Das Sperren von Wasserleitungen wurde vereinzelt in den Raum gestellt, so auch im Umland von Hartberg. Der Regionalligist SV Horn bezog für die Bewässerung seiner Plätze nur noch Wasser aus dem vereinseigenen Brunnen, um das öffentliche Netz nicht zusätzlich zu belasten.
Hier wird es in Zukunft bessere Lösungen brauchen. In Paris hat PSG kürzlich das erste Ligaspiel ins Stadion des Gegners verlegt, weil der eigene Rasen aufgrund von Trockenheit zu stark beschädigt war. Wenn sogar der Champions-League-Sieger an Grenzen stößt, wird man sich auch in Österreich Gedanken machen müssen.
Daniel Sauer