WAC: Zukunftsfragen nach Achterbahnfahrten
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WAC: Zukunftsfragen nach Achterbahnfahrten

Im Mai bejubelte der WAC den ersten Cuptitel der Vereinsgeschichte. Wenige Monate später verpasste der Klub die Ligaphase des Europacups knapp. Der Fußball gibt den Wölfen kalt/warm. Wie gehen sie damit um und wie schaut es mit dem Stadion aus?

Wer Fan des Wolfsberger AC ist, benötigt ein stabiles Gemüt: Zuerst gelang der Cupsieg und die Möglichkeit, das Double zu holen. Im Sommer folgte das Ausscheiden in der Verlängerung in der Europa-League-Quali sowie das Out im Elfern um die Ligaphase der Conference League. Als der Klub fast ganz oben in der Tabelle stand, ging der Erfolgstrainer zum Ligakonkurrenten.

Es folgten Millionen aus dem Verkauf von Chibuike Nwaiwu und ein knappes Ausscheiden aus dem Cup - und die nächsten Wochen werden nicht weniger aufregend.

Abseits des Tagesgeschäfts gibt es allerdings eine Reihe an Aufgaben. Die Wölfe sind durch die Probleme bei Zweitligist Austria Klagenfurt noch klarere Nummer eins im Lande. Die Nummer drei im Lande ist man mit den eigenen Amateuren selbst. Der dritten Liga steht eine Reform ins Haus, mit ungewissen Folgen.

Gerade die Ausbildung in der hauseigenen Akademie ist essenziell, um eigene Talente zu entwickeln und sie zu verkaufen. Ansonsten ist man darauf angewiesen, dass zugekaufte Spieler leistungstechnisch explodieren und Geld in die Kassen spülen. Dieses braucht der Klub auch, ist die Infrastruktur doch längst nicht mehr zeitgemäß.

Notwendiges Geld

Name

Saison

Verein

Ablöse in Mio. €

1

Chibuike Nwaiwu

2025/26

Trabzonspor

5,5

2

Mohamed Bamba

2023/24

FC Lorient

5

3

Shon Weissman

2020/21

Real Valladolid

4

4

Augustine Boakyse

2024/25

AS St.-Étienne

3

5

Luka Lochoshvili

2022/23

Cremonese

1,6

6

Tai Braibo

2023/24

Philadelphia

1,4

7

Nikolas Veratschnig

2024/25

Mainz 05

0,8

8

Dever Orgil

2018/19

Ankaragücü

0,8

9

Michael Sollbauer

2019/20

FC Barnsley

0,6

10

Marcel Ritzmaier

2019/20

FC Barnsley

0,5

Diese Liste der Top-10-Abgänge der Wolfsberger illustriert zwei Dinge hervorragend: Die Millionenverkäufe sind noch nicht so lange her. Und mit Nikolas Veratschnig ist nur ein Spieler aus dem eigenen Nachwuchs um eine nennenswerte Ablösesumme veräußert worden. Adis Jasic etwa entschied sich für einen ablösefreien Wechsel in die UAE Pro League zu Al-Ain.

Walter Kogler verantwortet als Leiter die Nachwuchsakademie der Lavanttaler. Er erklärt gegenüber 90minuten: "Die Akademiespieler bekommen ihre Chance, sich in der Kampfmannschaft zu beweisen, und der eine oder andere hat schon eine tolle Karriere hingelegt."

Den Niederschlag in Transfererfolge gab es abseits von Veratschnig noch nicht. Mit Erik Kojzek steht aber vermutlich einer an, neben dem Stürmer gibt es mit Abwehrspieler Tobias Gruber noch ein weiteres Talent, das aufzeigt. Bis dahin ist man auf die internationalen Rohdiamanten angewiesen. 

Teil der Strategie

Präsident Dietmar Riegler sieht diese Transfers als "Teil unserer strategischen Ausrichtung. Wir wollen nicht nur fertige Spieler holen, sondern gezielt Profile mit Entwicklungspotenzial." Das ist mit österreichischen Talenten offensichtlich schwierig. 

Chibuike Nwaiwu brachte sich und den WAC zum Lachen
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Chibuike Nwaiwu brachte sich und den WAC zum Lachen

Der Markt ist international sehr umkämpft und "in Österreich gibt es ein dichtes Scouting-Netz und viele vergleichbare Optionen, das wirkt oft preisdrückend. Außerdem streben einheimische Talente oft sehr früh einen Wechsel in eine größere Liga an, obwohl sie in ihrer Entwicklung noch nicht so weit sind." 

Spieler wie Bamba oder Nwaiwu bringen laut ihm zudem andere körperliche Voraussetzungen, andere Ausbildungswege und oft eine andere Mentalität mit: "Wenn sie sich wie erhofft entwickeln, heben sie unser sportliches Niveau - und gleichzeitig entstehen Werte für den Verein."

Unklare Zukunft

Heimische junge Kicker von sich zu überzeugen, könnte schwieriger werden. Aktuell und noch bis 2029 ist die Akademie des WAC in der Landeshauptstadt Klagenfurt untergebracht. Das Bundesland muss aber sparen, aktuell erhält der WAC 400.000 Euro Landesförderung, die Austria 300.000. Eine Zusammenlegung unter der Ägide des Landesverbandes steht im Raum, der Platz im Sportpark Klagenfurt ist ohnehin begrenzt.

Dass die Austria grobe finanzielle Probleme hat, kommt noch dazu. "Für uns ist das kein Vorteil", spricht Kogler die Probleme beim Konkurrenten an. Überhaupt stehe man nicht in Konkurrenz zu den Violetten, denn "wir gehen unseren eigenen Weg."

Das Ausscheiden im Europacup war ohne Frage bitter – sportlich wie wirtschaftlich. International zu spielen ist für jeden Klub enorm wichtig: wegen der Einnahmen, wegen der Sichtbarkeit und vor allem wegen der Erfahrung für die Mannschaft.

Dietmar Riegler

Was die Sachlage noch erschwert: Durch die Regionalliga-Reform kommende Saison ist noch nicht klar, was es bedeutet, wenn den Jungwölfen die (starken) Gegner aus Oberösterreich wegfallen: "Für unsere Amateure, mit denen wir so hoch wie möglich spielen wollen, ist es nicht unbedingt so positiv. Für die anderen Klubs aus Kärnten ist das ein sehr interessantes Format."

Geld adieu

Sport und Wirtschaft hängen eng zusammen. Die Kasse muss klingeln, schließlich ist jene des Landes leer und die Wölfe brauchen Geld, um die Infrastruktur ins Jahr 2026 zu bringen. All das ist im Lavanttal Chefsache und eigentlich schon ein alter Hut.

Seit dem Aufstieg gab es im Stadion eine neue Haupttribüne. Die Arena versprüht dennoch das, was man liebevoll als Ostblock-Charme bezeichnet. Angekündigt wurde eine Änderung schon oft.

Riegler hätte Nwaiwu als Europacup-Teilnehmer wohl teurer verkaufen können. Dass Kojzek bereit für den nächsten Schritt ist, aber das Frühjahr vielleicht in der Qualigruppe verbringt, wird seinen Marktwert kaum steigern.

Er erklärt dazu: "Das Ausscheiden im Europacup war ohne Frage bitter – sportlich wie wirtschaftlich. International zu spielen ist für jeden Klub enorm wichtig: wegen der Einnahmen, wegen der Sichtbarkeit und vor allem wegen der Erfahrung für die Mannschaft. Entscheidend ist, welche Lehren man daraus zieht. Und ich bin überzeugt, dass wir daran gewachsen sind."

Irgendwann wird sich hier schon noch etwas tun
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Irgendwann wird sich hier schon noch etwas tun

Chance verbaut?

Und wer weiß, was heute wäre, wäre Didi Kühbauer nicht zum LASK gegangen. Vielleicht würden die Lavanttaler noch einmal der große Nutznießer sein. Allzu schwer macht's die Konkurrenz den Kärntnern nicht. Aber über diesen Abgang möchte Riegler nichts mehr sagen. Allerdings zur letztlich schief gegangenen Pacult-Bestellung.

"Wir haben in dieser Phase ein sehr klares Anforderungsprofil gehabt: Erfahrung und Führungsstärke. Pacult stand genau für diese Punkte", so Riegler, "Er kennt den österreichischen Fußball und in diesem Moment ging es weniger um langfristige Visionen, sondern um eine Weiterführung des eingeschlagenen Weges."

Langfristigkeit braucht es hingegen wie erwähnt beim Stadion. Dieses sei eines der zentralen Zukunftsthemen dieses Klubs. "Ein moderner Verein braucht eine Infrastruktur, die sportlich, wirtschaftlich und emotional mithalten kann", erklärt Riegler, der – wie schon öfters – betont: "Wir arbeiten intensiv an Lösungen, die realistisch finanzierbar sind und dem Verein langfristig Stabilität geben – sei es durch Umbau, Modernisierung oder ein neues Projekt."

Sich überheben, wie es andere Klubs schon getan haben, werde nicht passieren: "Mir ist wichtig zu betonen: Wir werden nichts überstürzen, aber wir werden dieses Thema nicht auf die lange Bank schieben. Das Stadion ist ein Schlüssel für die nächste Entwicklungsstufe." Das Erreichen dieser Stufe wurde aber schon öfters angekündigt.


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