Derzeit wird mehr über die Durchführung des VAR diskutiert als über Schiedsrichter-Entscheidungen. Zunächst einmal aber konnte man sich bei der Weltmeisterschaft davon überzeugen, dass fragwürdige Schiedsrichter-Entscheidungen nicht nur hierzulande stattfinden.
Dennoch: Es gibt Aussetzer bei TV-Bildern wie bei Sturm Graz gegen den LASK oder schwarze Bildschirme im VAR-Kammerl. Ein Schiedsrichter meint gegenüber 90minuten, so gut wie jede Runde gebe es Probleme rund um die technische Umsetzung vor Ort.
Diese Themen müssen von der Qualität der Schiedsrichterleistungen getrennt gesehen werden. Die Spielleiter liefern eine gute Performance ab, wenn der VAR aber nichts sieht, kann auch logischerweise kein Fehler behoben werden.
Aber VAR-Qualität hängt dabei eng mit der TV-Produktion zusammen möchte man meinen. Schließlich gab es doch bei vielen Spielen in den vergangenen Saisonen mehr Kameras. Und mehr bewegte Bilder aus verschiedenen Blickwinkeln sollten doch eigentlich für mehr Fairness sorgen. Der Konjunktiv ist bewusst gewählt.
Weniger Bilder, weniger Fehler
Von außen betrachtet ist es so: Es gibt eine neue Produktionsfirma und der TV-Vertrag bringt insgesamt rund ein Viertel weniger Geld pro Saison. Eine süffisante Zwischenbilanz des Schiris lautet: Gut für den VAR: Wer nichts sieht, kann auch keine Fehler machen.
Seit dieser Saison sind wir direkt im Auftrag der Bundesliga tätig, zuvor war Sky unser Auftraggeber. An unseren Qualitätsstandards ändert das nichts.
Es wurden im Sommer auch Zusatzkameras versprochen, genauso wie die Umsetzung der VAR-Durchsagen. All das wird im Laufe des Herbstes installiert. Insgesamt sei die Übertragungsqualität im Vergleich zur letzten Saison schlechter geworden, weil generell weniger Kameras im Einsatz seien, sagt der Schiedsrichter. Die Aussetzer verbessern das Fußballerlebnis dabei nicht gerade.
90minuten hat versucht herauszufinden, woran diese Probleme liegen. Etwa: Inwiefern wirkt sich der finanziell geringer dotierte TV-Vertrag auf die Übertragungsqualität aus?
Ist es schlechter geworden?
Doch wer ist überhaupt für welchen Teil der Produktion verantwortlich? Sky Sport Austria bringt die Bilder zu den Zuschauern, Uppercut produziert das Basissignal vor Ort und die Bundesliga ist Auftraggeberin der Produktion. Für den VAR kommen weitere technische Dienstleister und das VAR-Zentrum am ÖFB-Campus hinzu. Die einzelnen Bereiche sind dabei über mehrere technische Schnittstellen miteinander verbunden. "Pauschal eine Verantwortung für jeden möglichen Störfall zuzuordnen, ist deshalb nicht möglich", meint die Bundesliga gegenüber 90minuten.
Das macht die Fehlersuche nicht einfacher: Ein Ausfall des TV-Bildes, ein Problem mit der Kommunikation zum VAR oder eine fehlende Kameraperspektive können unterschiedliche Ursachen haben und müssen nicht beim selben Beteiligten liegen.
Der Bezahlsender Sky betont auf Anfrage, dass man sich zu den Themen nicht äußert. Uppercut nimmt schriftlich Stellung und meint zum Ausfall am 13. September: "Ursache war eine Störung der Stromversorgung im Übertragungswagen. Das ist sehr ärgerlich, für die Fans ebenso wie für uns. Gemeinsam mit der Bundesliga haben wir den Vorfall umgehend und umfassend aufgearbeitet und Maßnahmen gesetzt, um derartige Ausfälle künftig zu verhindern."
Bleibt alles wirklich gleich?
Allgemein hält das Unternehmen fest: "Seit dieser Saison sind wir direkt im Auftrag der Bundesliga tätig, zuvor war Sky unser Auftraggeber. An unseren Qualitätsstandards ändert das nichts: Wir produzieren mit demselben technischen Anspruch und vor allem in gleich hoher Bild- und Tonqualität wie in den vergangenen Saisonen und setzen den von der Bundesliga beauftragten Produktionsumfang vollständig um."
Doch wie sieht dieser Umfang aus? Der Kurier berichtete jüngst, dass Sky in den vergangenen Jahren – damals noch für die Produktion zuständig – 13 statt fünf Kameras eingesetzt habe. Die Bilder der Basissignalproduktion werden aber vertragsgemäß im selben Umfang und in derselben Qualität zur Verfügung gestellt wie in den vergangenen Saisonen, erklärt die Bundesliga auf Anfrage. "Der Kamerastandard der Basissignalproduktion ist seit Jahren im Wesentlichen unverändert: Bei Topspielen sind zehn Kameras vorgesehen, beim Großteil der Spiele fünf Kameras", hält man fest. Weggefallen sei lediglich der "Zwischenstandard" mit sieben Kameras, der in der vergangenen Saison bei 23 Spielen im Finaldurchgang zum Einsatz gekommen ist.
"Der finanzielle Spielraum der Bundesliga und ihrer Klubs ist durch den neuen TV-Vertrag kleiner geworden“, bestätigt die Pressestelle auf Anfrage hinsichtlich der Kosten, betont aber: "Gerade im Bereich TV-Produktion und VAR wurden Bundesliga-seitig jedoch keine nennenswerten Einsparungen vorgenommen: Kosten und Umfang der Basissignalproduktion bewegen sich im Rahmen der vergangenen acht Saisonen."
Jeder einzelne Vorfall ist einer zu viel, und unser Anspruch und der aller beteiligten Partner ist es, solche Fälle gemeinsam zu verhindern und ein fehlerfreies Bild an alle Bundesligafans zu liefern.
Mehr Kameras bedeuten nicht gleich ...
Denn zusätzliche Kameras – etwa für atmosphärische Bilder, Trainer, den Kabinengang oder Chip-Bilder aus dem Tor – wurden in der Vergangenheit teilweise von Lizenznehmern auf eigene Kosten ergänzt. "Ob Sky oder andere Lizenznehmer wie der ORF in der aktuellen oder in kommenden Saisonen zusätzliche Kameras buchen, ist Gegenstand des laufenden Austauschs mit den Partnern", so die Liga.
Wichtig zu erwähnen ist, dass die reine Anzahl an Kameras noch kein Qualitätskriterium ist: Wenn zwei Zusatzkameras ausschließlich auf das Verhalten der Trainer gerichtet sind, eine Drohne das Stadion von oben zeigt – dann wird man als Zuseher weder das Spiel besser verfolgen können, noch wird der VAR strittige Elfmeterszenen besser auflösen können.
Bestätigt wird, dass Weiterentwicklungen umgesetzt wurden und werden – die angelaufenen Stadiondurchsagen, zusätzliche Kameras sowie die Einbindung von Kameras aus dem Scoutingfeed. Die neuen Systeme werden derzeit schrittweise in den zwölf Stadien umgesetzt. Dafür müssen unter anderem die Bilder auf die Videowalls und die Audiosignale sowohl ins TV-Signal als auch in die Arena übertragen werden. Der eine oder andere hätte das früher erwartet, die Liga betont, dass dies immer im Laufe der Saison vorgesehen war.
Kein Fingerzeig
Zu möglichen VAR-Problemen betont die Liga, was eingangs angeführt wurde: dass es kaum möglich sei, auf einen einzelnen Beteiligten zu zeigen. Die Kommunikationskette ist auch hier sehr lange, vom Headset bis in den ÖFB-Campus. Im Bereich VAR gab es aus Ligasicht Kommunikationsprobleme beim Spiel Rapid gegen Sturm, der Einsatz des VAR war durch die vorgesehene Backuplösung aber dennoch durchgehend möglich.
"Insgesamt können wir den Eindruck, dass es in nahezu jeder Runde zu nennenswerten Vorfällen kommt, daher nicht bestätigen“, so die Bundesliga. Unabhängig davon sei klar: "Jeder einzelne Vorfall ist einer zu viel, und unser Anspruch und der aller beteiligten Partner ist es, solche Fälle gemeinsam zu verhindern und ein fehlerfreies Bild an alle Bundesligafans zu liefern." Kommt es zu Schwierigkeiten, müsse im Einzelfall analysiert werden, worin die Ursache liegt und welche Maßnahmen daraus abzuleiten sind, um zukünftige Fehler zu verhindern.
Insgesamt setzte man gerade die Weiterentwicklungen um und erwarte sich einen "reibungslosen Ablauf und zusätzliche Verbesserungen – insbesondere im Hinblick auf Transparenz und Schnelligkeit von Entscheidungen."
Klar ist: Mit der neuen Produktionsstruktur und der laufenden technischen Umstellung gibt es in dieser Saison gut sichtbare Anlaufschwierigkeiten. Dass dies bald abgestellt werden muss, scheint logisch. Entscheidend ist nicht allein die Zahl der Kameras, sondern welche Perspektiven dem VAR tatsächlich zur Verfügung stehen – und wie zuverlässig die gesamte technische Kette funktioniert.
Georg Sohler