Dank Siegen gegen Manchester United und Coventry grinst Hull City nach zwei Premier-League-Runden gerade vom dritten Tabellenplatz. Die "Tigers" haben sich ihren Aufstieg im Playoff redlich verdient, Middlesbrough zog in der Nachspielzeit des Finales den Kürzeren.
Für großes Aufsehen sorgte allerdings eine andere Geschichte: Eigentlich wäre der FC Southampton als Endspiel-Gegner bereitgestanden. Sein Trainer, der Deutsche Tonda Eckert, war vor Jahren als Assistent von Marco Rose im Salzburger Nachwuchs tätig. Dann unter Robert Klauß in Leipzigs Akademie, später stand er Gerhard Struber und Markus Schopp in Barnsley zur Seite.
Mit 33 Jahren gilt Eckert als Trainertalent, beinahe wäre der erste große Erfolg geglückt. Weil er einen "Spion" zum Training des Gegners entsandt hatte, fiel der Verein aber um die Aufstiegschance um.
Könnte Ähnliches auch in Österreich passieren? Und was sagt Schopp über seinen ehemaligen Kollegen?
Fehler mit bitteren Konsequenzen
Southampton und Eckert wurde eine strenge Regelung zum Verhängnis, die es in England schon seit 2019 gibt.
Marcelo Bielsa ließ damals als Leeds-Boss die Trainingseinheiten von Derby County beobachten und verstieß damit gegen ein ungeschriebenes Gesetz im englischen Fußball - gegen die feine englische Art, wenn man so will.
Bielsa rechtfertigte sich damals in einer denkwürdigen Pressekonferenz und kam mit einer überschaubaren Geldstrafe von 200.000 Pfund davon. Die Liga schärfte nach, Trainingsbeobachtung ist inzwischen explizit verboten.
Es gab die offene Frage, ob ein verletzter Spieler wieder im Mannschaftstraining stand.
Zurück zum aktuellen Fall.
"Ich wusste es nicht. Ich habe es aber autorisiert, deshalb liegt die Gesamtverantwortung bei mir", erklärte Eckert Anfang August dem 'Kicker'. "Es gab die offene Frage, ob ein verletzter Spieler wieder im Mannschaftstraining stand. Middlesbrough trainiert auf einem öffentlichen Golfgelände. Während einer unserer Analysesitzungen entstand die Idee, dass jemand dorthin fahren und nachsehen könnte, ob dieser Spieler auf dem Platz war."
Für den FC Southampton war es ein potenziell kostspieliger Fehler. Der Verein wurde vom Playoff-Finale ausgeschlossen. Mit einem Sieg und dem damit verbundenen Premier-League-Aufstieg hätte man hunderte Millionen Euro einnehmen können.
Großer Graubereich in Österreich
Auch in Österreich gab es 2024 einen vergleichbaren Vorfall. Rapid-Trainer Robert Klauß warf Sturm Graz vor, Beobachter zum Trainingszentrum beim Prater geschickt zu haben. Christian Ilzer dementierte und sprach von "Paranoia".
Aber ist Spionage dieser Art in der Bundesliga überhaupt verboten?
Die kurze Antwort lautet: Nein. Eine konkrete Bestimmung gibt es hierzulande nicht, nur eine lose Vereinbarung der Klubs, auf derartige Taktiken zu verzichten. Grundsätzlich könnten Vereine also kreativ werden, um sich besonders präzise vorbereiten zu können.
In besonders gravierenden Fällen wäre der § 111a des ÖFB-Regelwerks - Verletzung des Fair-Play-Gedankens - anzuwenden. Darüber hinaus verweist die Bundesliga auf das Hausrecht und mögliche zivilrechtliche Verstöße, die im Fall der Fälle wohl auch sportliche Konsequenzen hätten.
Weitere Vorfälle gab es in den letzten zwei Jahren nicht, heißt es aus der Geschäftsstelle. Eine Verschärfung der Regeln hält die Liga daher nicht für notwendig: "Das Thema wurde 2024 angesprochen. Aufgrund des Einzelfalls wurde es aber nicht als ein strukturelles Problem mit Handlungsbedarf bewertet."
In Deutschland schützt sich der FC Bayern künftig vor unerwünschten Beobachtern:
Lob von Schopp
Tonda Eckerts ehemaliger Vorgesetzter, Markus Schopp, kann den englischen Vorschriften einiges abgewinnen: "Das Spiel ist geprägt von taktischen Überlegungen. Ich finde die englische Regel gut, dass der Gegner zwei Tage vor dem Spieltag nicht beobachtet werden darf. In diesen Tagen geht es um die Ausarbeitung des taktischen Inhaltes und somit um den Matchplan, der einer Mannschaft zum Sieg verhelfen soll."
Spotter zum Gegner entsenden würde er deshalb nicht, meint der jetzige Hartberg-Trainer. "Für mich liegt der Reiz meiner Arbeit darin, taktische Überlegungen des Gegners am Spielfeld zu erkennen und dort unter diesen Bedingungen Antworten zu finden."
In seiner ersten Saison als Cheftrainer einer Profimannschaft stand er vor einem unglaublichen Erfolg und hat eine Grenze überschritten.
Von seinem ehemaligen Assistenten spricht Schopp nur in den höchsten Tönen. Eckert sei sein engster Mitarbeiter und Vertrauter gewesen, gute Ansätze für einen späteren Cheftrainer habe er schon damals erkannt.
"Er lebt Fußball jeden Tag. Ich durfte Tonda als fantastischen Fußballexperten kennenlernen. In seiner ersten Saison als Cheftrainer einer Profimannschaft stand er vor einem unglaublichen Erfolg und hat eine Grenze überschritten. Ein Fehler mit Folgen für ihn und den ganzen Verein. Es freut mich total, dass der Verein an ihm festgehalten hat. Ich traue Tonda Großes zu. Ich wünsche ihm einen erfolgreichen Start, weil er den brauchen wird, um sich das Vertrauen der Fans wieder zurückzuholen."
Mit zwei Siegen in drei Spielen hat Southampton den Saisonauftakt gut gemeistert, der verhängte Abzug von vier Zählern ist damit ausgemerzt. Der Vorfall bleibt in den nächsten Wochen aber als Damoklesschwert erhalten, dem Trainer droht eine Sperre durch den englischen Verband.
Daniel Sauer