U21-EM 2029 in Österreich? "Geht nicht darum, Gewinn zu machen"
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U21-EM 2029 in Österreich? "Geht nicht darum, Gewinn zu machen"

Am Montag hat der ÖFB seine Bewerbung für die UEFA U21-EM 2029 eingereicht. Acht Stadien wurden genannt, darunter das Weststadion in Hütteldorf. Welche Gedanken hat man sich im Verband bis dato gemacht?

Die letzten Fußball-Großereignisse in Österreich liegen inzwischen fast zwei Jahrzehnte in der Vergangenheit. 2007 organisierte der ÖFB die U19-EM, ein Jahr später mit der Schweiz die Männer-EM. Weil die Austragung von Turnieren seither nur teurer und Anforderungen an die Infrastruktur komplexer wurden, war danach Schluss.

Anfang des Jahres wagte sich der ÖFB nun wieder aus der Deckung. Die U21-EM der Männer soll im Jahr 2029 in Österreich stattfinden. Eine entsprechende Bewerbung wurde im Frühjahr angekündigt und am Montag digital bei der UEFA eingereicht. Über den Zuschlag wird am 7. Dezember entschieden, einziger Konkurrent ist Spanien.

Bei der letzten Nachwuchs-EM in Österreich trug Marko Arnautovic noch Vokuhila
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Bei der letzten Nachwuchs-EM in Österreich trug Marko Arnautovic noch Vokuhila

Im Gespräch mit 90minuten begründet ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold die Bewerbung so: "Wenn man sieht, wer bei den letzten Endrunden auf dem Platz gestanden ist, kann man eine U21-Endrunde schon als Übergang in den absoluten Profibereich einstufen. Sportlich ist dieses Turnier hochinteressant. Wir wollen den besten Nachwuchsspielern des Landes eine Perspektive und dem Nachwuchsfußball in Österreich eine Bühne bieten."

Angesichts vieler Nationenwechsel und des beginnenden Umbruchs im A-Nationalteam würde es wohl helfen, ein Team auf das Ziel "Heim-EM" hinzuentwickeln. Zur angesprochenen sportlichen Qualität: 2025 standen unter anderem Nick Woltemade, Harvey Elliott, Elliot Anderson, Tino Livramento, Eric Martel, Nathaniel Brown und Paul Wanner auf dem Platz.

Für Österreich wären alle ab 2006 geborenen Spieler einsatzberechtigt, so auch die U17-Vizeweltmeister um Johannes Moser (Jahrgang 2008).

Man hat gesehen, wie viel Begeisterung ein Nachwuchsturnier erzeugen kann. Die Menschen in Österreich stehen hinter den Teams, wenn sie entsprechend für Furore sorgen.

Bernhard Neuhold

"Bei der U17-WM in Katar haben wir gesehen, wie sehr eine Mannschaft von solchen Bewerben profitieren kann. Es war eine Bestätigung für den schon eingeschlagenen Weg zur Bewerbung. Man hat auch gesehen, wie viel Begeisterung ein Nachwuchsturnier erzeugen kann. Die Menschen in Österreich stehen hinter den Teams aller Alterskategorien, wenn sie entsprechend für Furore sorgen", meint Neuhold.

Darüber hinaus könne man im Rahmen des Turniers gesellschaftspolitische Themen transportieren, Infrastruktur nachhaltig nutzen und im Allgemeinen viel positive Aufmerksamkeit für den Fußball in Österreich erzeugen.

Länderspiele im Weststadion

In der Auflistung von acht Spielstätten sticht vor allem das Weststadion des SK Rapid heraus. Länderspiele in Hütteldorf hatten Verein und Teile der Anhängerschaft in den letzten Jahren abgelehnt. Das könnte sich jetzt ändern, auch im Block West.

"Die UEFA mietet nur gesamte Stadien", heißt es vom ÖFB. Konditionen wurden bereits mit den Stadioneigentümern abgesprochen und miteingereicht. "Natürlich sollen unsere acht Partner von diesem Projekt wirtschaftlich profitieren", meint Neuhold.

Die in der ÖFB-Bewerbung genannten Stadien:

Stadion

Bundesland

Kapazität

Franz-Horr-Stadion

Wien

15.000

Weststadion

Wien

24.288

Stadion St. Pölten

Niederösterreich

8.000

Donauparkstadion

Oberösterreich

4.650

Oberösterreich Arena

Oberösterreich

17.117

Innviertel Arena

Oberösterreich

4.336

Tivoli Stadion Tirol

Tirol

15.200

Stadion Schnabelholz

Vorarlberg

4.800


Er spricht von einem offenen und konstruktiven Austausch, vor allem mit der Geschäftsführung um Steffen Hofmann (Gesamt) und Daniela Bauer (Wirtschaft). "Wir wollten Rapid gerne dabei haben und sind schnell auf einen gemeinsamen Nenner gekommen. Rapid hat zugestimmt, Teil der Bewerbung für eine historische Nachwuchsendrunde – die erste seit 20 Jahren – zu sein.“

Die eingereichte Bewerbung definiert mit den Stadioneigentümern ausverhandelte Grundvoraussetzungen. "Natürlich sollen unsere acht Partner von diesem Projekt wirtschaftlich profitieren oder zumindest anfallende Kosten ersetzt bekommen", meint Neuhold.

Keine Spiele in Südösterreich

Drei große Stadien - das Ernst-Happel-Stadion, das Wörthersee-Stadion und das Stadion Salzburg - hat der ÖFB früh von seiner Liste gestrichen. Die Begründung: "Wir wollen volle Stadien nach Europa transportieren." Je nach Begegnung ist mit knapp 2.000 bis zu 20.000 Fans zu rechnen.

Im Allianz-Stadion könnten erstmals Länderspiele stattfinden
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Im Allianz-Stadion könnten erstmals Länderspiele stattfinden

Weil der ÖFB gerne seinen neuen Campus als Hauptquartier nutzen würde, wären Spiele mit österreichischer Beteiligung voraussichtlich in Wien angesetzt - ebenso wie das Finale. Bedarf für eine größere Arena, zusätzlich zu Wien und Linz, gäbe es daher kaum noch.

Bliebe noch Graz, das ebenfalls leer ausgeht. Die UEFA schreibt vor, dass zwei Stadien innerhalb von 150 Kilometern, idealerweise aber deutlich näher gelegen, als ein Standort definiert werden müssen. "Für die Region um Graz stand nach unserem freiwilligen Verzicht auf Klagenfurt leider kein zweites Stadion gemäß den definierten Parametern zur Verfügung", sagt Neuhold.

Kaum Ausgaben, kaum Einnahmen

Die letzte U21-Europameisterschaft in der Slowakei hat im Bereich der Vermarktung Rekordergebnisse verbucht. Über 120 Millionen Menschen haben das Turnier laut offiziellen Angaben verfolgt, rund 290.000 Tickets wurden abgesetzt.

Neuhold erklärt: "Es gibt eine klare Aussage seitens der UEFA, dass alle Kosten von ihr übernommen werden. Nur die Personalkosten für das Projektmanagement übernimmt zum Großteil der ÖFB. Dafür müsste ein Team zusammengestellt werden. In der Slowakei hat man uns eindringlich davor gewarnt, zu glauben, dass so etwas nicht nebenbei laufen kann."

Wir haben die Zielsetzung, das Turnier mit einer schwarzen Null abzuschließen.

Bernhard Neuhold

Als Gastgeber würde Österreichs Verband nur sehr begrenzt an Einnahmen mitschneiden. Eine 'Cashcow' holt man sich mit dem Turnier jedenfalls nicht ins Land.

"Wir haben die Zielsetzung, das Turnier mit einer schwarzen Null abzuschließen. Primär geht es aber nicht darum, einen Gewinn herauszuziehen, sondern eine hochwertige Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Alle Investitionen kommen letztlich unseren Spielern zugute."

Gänzlich leer ausgehen würde man allerdings auch nicht. "Uns wurde zugesichert, dass es Möglichkeiten geben wird, um nationale Partner zu präsentieren. Dabei geht es um Flächen an den Banden in den Stadien und Hospitality-Flächen, über die wir VIP-Pakete anbieten können. Wenn wir diese gut nutzen, bin ich der Überzeugung, dass wir auch wirtschaftlich von diesem Projekt profitieren können."

(Noch) keine öffentlichen Gelder eingeplant

Um Unterstützung der öffentlichen Hand hat sich der ÖFB bisher nicht bemüht. Weder mit dem Bund noch mit Bundesländern fanden konkrete Gespräche statt.

"Sollte sich nach dem Austausch mit der UEFA zeigen, dass an einzelnen Standorten Adaptionen notwendig sind, ist es möglich, dass wir regional die Politik um Unterstützung ersuchen. Das Projekt ist aber nicht darauf ausgelegt, auf Unterstützung angewiesen zu sein", versichert Neuhold.

ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold
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ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold

Stand jetzt geht der ÖFB nicht davon aus, dass im Fall des Zuschlags neue Infrastruktur errichtet werden müsste. Details gäbe es aber noch zu klären, temporäre Anpassungen in einzelnen Stadien sind nicht auszuschließen. Bisher habe sich die UEFA flexibel gezeigt und nicht alles nach Punkt und Beistrich eingefordert, heißt es.

"Wir haben der UEFA einen langen Katalog mit Kombinationen von potenziellen Hotels und Trainingsplätzen übermittelt und Bepreisungen vorgenommen. Im Großen und Ganzen werden wir bei diesem Projekt auf die bestehende Infrastruktur setzen und müssen nichts Neues schaffen."

Langwieriger Prozess

Der Vorbereitungsprozess auf die Bewerbung im ÖFB lief seit Anfang 2025. Einige Monate später war eine Delegation bei der U21-EM 2025 in der Slowakei zu Gast.

"Es hat sich schnell gezeigt, dass die Organisation eines Turniers fordernd ist. Gleichzeitig war uns auch klar, dass wir uns das zutrauen. Um den Jahreswechsel haben wir eine Projektgruppe aufgesetzt. Im ersten Quartal 2026 wurden wir von der UEFA eingeladen, am Bewerbungsprozess teilzunehmen."

Einige Details rund um das Turnier würde der ÖFB erst nach der UEFA-Entscheidung fertig ausarbeiten. Andere bleiben bis auf weiteres in der Schublade. So zum Beispiel das Nachhaltigkeitskonzept, das Neuhold als "umfangreich" beschreibt. "Wir wollen zeigen, dass wir uns in Österreich ernsthaft dazu Gedanken machen. Wir sind aber noch nicht so weit, dass wir Details kommunizieren können."

Zukünftige Bewerbungen

Noch ist nicht sicher, ob der ÖFB die EM 2029 ausrichten darf. Mit alternativen Szenarien für den Fall einer Absage wolle man sich daher noch nicht konkret beschäftigen, meint Neuhold.

"Wir wünschen uns, dass wir erfolgreich sind und das Projekt 2029 umsetzen können. Sollte das nicht möglich sein, werden wir uns natürlich Gedanken darüber machen, wie wir es beim nächsten Mal besser anlegen können."

Nicht ausgeschlossen ist, dass sich der ÖFB in Zukunft auch noch größeren Projekten widmen könnte. Derzeit liege nichts Spruchreifes in der Schublade, aber: "Ideen darf man immer verfolgen. Ich würde es nicht ausschließen, dass wir uns künftig einmal mit einem zweiten Land für eine Women's Euro bewerben."

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