Showdown um die EM-Teilnahme: ÖFB-U19 spielt gegen Deutschland auf Sieg
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Showdown um die EM-Teilnahme: ÖFB-U19 spielt gegen Deutschland auf Sieg

Wie ordnet U19-Teamchef Martin Scherb die Ausgangslage vor dem entscheidenden Spiel gegen Deutschland ein?

Acht Nationalteams reisen im Sommer zur U19-Europameisterschaft nach Wales. Ein Ticket geht an den Gastgeber, übrig bleiben sieben Mannschaften, die sich ihre Qualifikation sportlich verdienen müssen.

Im entscheidenden Spiel gegen Deutschland am Dienstag reicht Österreich ein Punkt. 

Tabelle vor der letzten Runde:

Platz

Team

Tordifferenz

Punkte

1

Österreich

3

4

2

Deutschland

1

4

3

Griechenland

- 1

1

4

Schweden

- 3

1


Teamchef Martin Scherb ist das im Vorfeld egal: "Dass uns ein Unentschieden reicht, wird frühestens in der 87. Minute zum Thema. Wenn man mit dem Commitment ins Spiel geht, dass ein Punkt reicht, wird man verlieren. Wir haben das mit der Mannschaft schon besprochen, die Jungs sehen das genauso", sagt er im 90minuten-Gespräch.

Gegen Griechenland ein Ei gelegt

Dabei hat das Mini-Turnier für Österreich denkbar schlecht begonnen: Nach zweieinhalb Minuten im Auftaktspiel gegen Griechenland zappelt der Ball erstmals im eigenen Netz. Torwart Christian Zawieschitzky (Red Bull Salzburg) trifft mit einem versuchten langen Ball den heranstürmenden Gegenspieler.

Welcher Gedanke geht dem Trainer an der Seitenlinie in diesem Moment durch den Kopf? "Weiter geht's", meint Scherb. Einen Vorwurf formuliert er nicht: "Wir können uns davon nicht aufhalten lassen. Es war klar, dass Christian den Gegenspieler übersehen hat. Er hat uns später mit mehreren Saves überragend im Spiel gehalten und gezeigt, dass er ein Riesenpotenzial hat."

U19-Teamchef Martin Scherb
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U19-Teamchef Martin Scherb

Österreich übernimmt im weiteren Verlauf der Partie die Kontrolle. Scherb lässt hoch und mit viel Intensität anlaufen, mit dem Ball agiert sein Team dynamisch, im letzten Drittel aber zu inkonsequent. Wenn die Griechen gefährlich werden, dann vor allem durch Konter.

Philipp Maybach rettet nach einer Viertelstunde mit einer riskanten Grätsche als letzter Mann, auch Zawieschitzky muss mehrfach ausputzen. Den Ausgleich erzielt Oghenetejiri Adejenughure nach einem Angriff über die rechte Seite via Stanglpass.

Gänzlich zufrieden ist der Teamchef im Nachhinein nicht: "Ich würde uns die Schulnote Befriedigend geben." Teilweise habe die Mannschaft zu gierig den Ball gejagt, dadurch habe man dem Gegner Raum hinter der letzten Kette angeboten.

Schwieriges Spiel gegen starke Schweden

Mit einem 3:0 im zweiten Spiel gegen Schweden hat sich das ÖFB-Team überhaupt erst in die Position gebracht, am Dienstag ein "Finale" zu bestreiten.

Dabei ist der Auftritt deutlich weniger souverän, als das Ergebnis nahelegt. Österreich agiert deutlich passiver und attackiert die Skandinavier erst ab der Mittellinie. Mit dem Ball findet die Scherb-Elf selten Lösungen, das Führungstor fällt ansatzlos nach einem langen Ball.

  • 1:0: Fidjeu-Tazemeta spitzelt zwischen eine schlechte Übergabe des schwedischen Innenverteidigers an seinen Torwart und zieht ein Foul im Strafraum, Mauro Hämmerle verwandelt den Elfmeter.

  • 2:0: Auch der zweite Treffer nach einer Stunde Spielzeit nimmt seinen Anfang in der eigenen Hälfte. Flügelspieler Adejenughure holt sich den Ball tief ab und findet Hämmerle nahe dem Mittelkreis. Der Augsburg-Legionär schickt Fidjeu-Tazemeta ins Laufduell mit einem Verteidiger, Schwedens Keeper berührt den Abschluss zwar noch, kann das Tor aber nicht verhindern.

  • 3:0: Jonas Ilk schlägt nach einer gefährlichen Aktion der Schweden im eigenen Strafraum einen langen Ball, den ein Innenverteidiger verstolpert. Kurz vor dem Schlusspfiff lässt Ensar Music den Torwart aussteigen und vollendet den Konter erfolgreich.

U19-Keeper Christian Zawieschitzky im Trikot von Red Bull Salzburg
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U19-Keeper Christian Zawieschitzky im Trikot von Red Bull Salzburg

Über weite Strecken der Partie haben die unterlegenen Schweden mehr Spielanteile, immer wieder muss Österreichs Torwart Zawieschitzky eingreifen - zweimal rettet Aluminium. Auffälligster Spieler beider Mannschaften ist der 17-jährige Love Arrhov. Schwedens Nummer 10 spielt seit Anfang des Jahres für Eintracht Frankfurt, dem Bundesligisten war das Offensivtalent 4,6 Millionen Euro wert. 

Trotzdem sieht Martin Scherb eine Verbesserung gegenüber dem ersten Spiel: "Die Annahme war, dass wir uns aus der tieferen Position vielleicht leichter tun. Das ist so eingetroffen."

Wir haben das Spiel - objektiv betrachtet - ein bisschen zu hoch gewonnen.

Martin Scherb

Weil der Gegner spielstark einzuordnen ist, sei die ein oder andere Chance nicht zu verhindern gewesen, meint er. "Wir hatten Phasen, in denen wir wirklich viel arbeiten mussten. Die Burschen haben das echt super hingekriegt. Wir haben das Spiel - objektiv betrachtet - ein bisschen zu hoch gewonnen. In Summe war der Sieg aber verdient, der Step von Spiel eins auf Spiel zwei war super."

Maßnahmen gegen Lagerkoller

Veranstaltet wird das Mini-Turnier am DFB-Campus in Frankfurt, die ÖFB-Delegation nächtigt in einem nahegelegenen Hotel. Grundsätzlich fehlt es dem Team an nichts, Scherb wagt einen Vergleich zur eigenen Anlage in Wien: "Hier ist alles größer, unser Campus gefällt mir aber besser. Alles ist kompakter und wir haben ein Stadion, das ist ein Riesenunterschied. Eine echte Fußballstimmung entsteht hier nicht."

Die ersten beiden Spiele muss Österreich auf einem kleinen Platz vor rund 100 Zuschauern austragen. Das Duell mit Deutschland findet im Sportpark Dreieich statt, wo normalerweise die U23 der Eintracht aufläuft.

DFB-Talent Otto Stange im HSV-Trikot
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DFB-Talent Otto Stange im HSV-Trikot

Um die Stimmung hochzuhalten, wurde die Mannschaft am freien Sonntagnachmittag in die Stadt geschickt: "Die Jungs sollten auf einen Kaffee gehen und sich frei bewegen. Mir ist wichtig, dass sie zwischendurch den Kopf freikriegen."

Für das Trainerteam stand währenddessen Padel-Tennis auf dem Programm, seit Montagmorgen läuft die Vorbereitung auf die letzte Begegnung mit Deutschland.

Deutschland "soll keinen Spaß am Kicken haben"

Vor dem dritten Spiel innerhalb einer Woche gibt es keine großen Verletzungen zu beklagen, nur Thomas Schandl (WAC) fehlt aufgrund einer Gelbsperre. Wie in der Vorwoche bleibt das Wetter unwirtlich, daran hat man sich inzwischen gewöhnt.

In den deutschen Reihen finden sich einige Spieler, die bereits viel Profierfahrung vorweisen können. Kapitän Francis Onyeka ist von Bayer Leverkusen an den VfL Bochum verliehen und agiert als Leistungsträger des Zweitligisten. Montrell Culbreath hat in dieser Saison Erfahrungen in Champions League und Bundesliga gesammelt. Martin Scherb hat vor allem einen HSV-Stürmer im Auge: "Mir persönlich hat Otto Stange sehr gut gefallen. Er hat alle Attribute, die ein moderner Stürmer braucht - gute Schusstechnik, Beweglichkeit, hohes Tempo."

Sie sollen keinen Spaß am Kicken haben. In diese Richtung wird unser Matchplan gehen.

Martin Scherb

Das österreichische Trainerteam hat die ersten beiden Partien des Gegners vor Ort beobachtet und sich auf eine Gangart festgelegt: "Sie haben viel individuelle Qualität, man darf den Spielern keinen Raum geben, um ins Dribbling zu gehen. Sie sollen keinen Spaß am Kicken haben. In diese Richtung wird unser Matchplan gehen."

Gegen tiefstehende Schweden und Griechen hatte auch Deutschland Probleme, unschlagbar ist die DFB-Elf keinesfalls.

Spieler machen große Schritte

Zumal die ÖFB-Auswahl des Jahrganges 2007 inzwischen großteils selbst im Erwachsenenfußball angekommen ist. Martin Scherb spricht von großen Entwicklungsschritten:

"Gerade im letzten halben Jahr hat sich bei einigen extrem viel getan. Das merkt man in der körperlichen Ausbildung, der Herangehensweise, der Persönlichkeit - sie lernen, was es heißt, Profispieler zu sein. Ich bin mir sicher, dass wir in nächster Zeit mehrere gute Spieler für den Profibereich und hoffentlich auch für das A-Team herausbringen werden."

Der ÖFB-Kader:

Spieler

Position

Verein

Christian Zawieschitzky

Torwart

Red Bull Salzburg

Nils Donat

Torwart

Sturm Graz II

Marcel Kurz

Torwart

SKN St. Pölten

Jonas Ilk

Verteidigung

LASK Amateure OÖ

Magnus Dalpiaz

Verteidigung

AC Milan II

Silvio Zinner

Verteidigung

SC Braga U19

Valentin Zabransky

Verteidigung

FC Liefering

Oliver Sorg

Verteidigung

FC Augsburg II

Eaden Roka

Verteidigung

SK Rapid II

Daniel Mahiya

Verteidigung

SK Rapid II

Philipp Maybach

Mittelfeld

Austria Wien

Yanik Spalt

Mittelfeld

VfB Stuttgart II

Thomas Schandl

Mittelfeld

WAC II

Ensar Music

Mittelfeld

SK Rapid II

Florian Hangl

Mittelfeld

FC Augsburg II

Ilia Ivanschitz

Mittelfeld

FC Liefering

Philipp Moizi

Sturm

SK Rapid II

Thierry Fidjeu-Tazemeta

Sturm

BVB U19

Oghenetejiri Adejenughure

Sturm

FC Liefering

Mauro Hämmerle

Sturm

FC Augsburg II

Romeo Mörth

Sturm

Young Violets


Als Kapitän ausgesucht hat sich Scherb den 18-jährigen Vorarlberger Yanik Spalt, den er schon vor viereinhalb Jahren erstmals in ein Nachwuchsteam berufen hat. In der laufenden Saison durfte er sowohl für die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart in der 3. Liga, als auch für die Profis in der Europa League debütieren. Für seinen Verein spielt er häufig als Linksverteidiger, beim ÖFB im Zentrum.

"Er ist eigentlich kein Lautsprecher. Mit seinem Verhalten am Platz, seiner Seriosität, ist er aber ein Vorbild und Leader. Das macht ihn zu einem 'playing captain'", erklärt Martin Scherb.

Thierry Fidjeu-Tazemeta (Mitte) mit Kapitän Yanik Spalt (Rechts)
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Thierry Fidjeu-Tazemeta (Mitte) mit Kapitän Yanik Spalt (Rechts)

Im Führungszirkel finden sich aber auch andere Spieler: "Wir haben die Last auf mehrere Schultern verteilt. Ensar Music ist unser Ersatzkapitän, auch Valentin Zabransky ist ein Leader. Wenn es Dinge zu besprechen gibt, kommen sie zu uns. Gemeinsam mit ihnen können wir auch Themen in die Mannschaft transportieren. Der Austausch funktioniert hervorragend."

Wer spielt für welches Nationalteam?

Weil parallel zur U19 auch die U18 und die U21 wichtige Pflichtspiele absolvieren, will das verfügbare Personal gut aufgeteilt sein. Wer für welche Nachwuchsmannschaft in Frage kommt, wird gemeinschaftlich mit ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel und Nachwuchsleiter Sebastian Prödl abgestimmt. Spieler sollen nur dann in höhere Alterskategorien berufen werden, wenn sie dort auch Aussichten auf Einsätze haben.

Vasilije Markovic (17) saß im ersten Spiel der U21 gegen Belgien nur auf der Bank, Jacob Hödl (19) stand in der Startelf. Beide wären auch für die Mannschaft von Martin Scherb in Frage gekommen.

Nächster Höhepunkt nach U17-EM

Erfahrung mit Drucksituationen hat der Jahrgang 2007 schon vor zwei Jahren gesammelt. Im Rahmen der U17-EM 2024 konnte man sich in einer Gruppe mit Alterskollegen aus Kroatien, Dänemark und Wales durchsetzen. Der Weg endete im Viertelfinale gegen Serbien nach einer knappen 2:3-Niederlage.

Jetzt schwört Martin Scherb sein Team erneut auf eine große Herausforderung ein: "Wir freuen uns auf das Spiel und werden die Drucksituation genießen. Für solche Spiele machen wir den Sport. Wenn man immer nur um den zweiten oder dritten Platz spielt, ist es ein bisschen fad. Wir sind es gewohnt, um den ersten Platz zu spielen, das wollen wir so beibehalten."


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