Schrödingers Horvat: Was wird aus dem Sturm-Motor?
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Schrödingers Horvat: Was wird aus dem Sturm-Motor?

Bleibt der Slowene bei Sturm oder wechselt er nach England? Ohne Vertragsverlängerung wird Tomi Horvat Graz im Sommer verlassen, Anzeichen für einen Verhandlungserfolg gibt es aktuell keine. Aufgeben möchte der Verein trotzdem nicht.

Laut Medienberichten ist der Wechsel von Tomi Horvat zu Bristol City im Sommer eine so gut wie beschlossene Sache. Offiziell bestätigt wurde tatsächlich noch nichts. Gerhard Struber - Trainer des englischen Zweitligisten - ließ aber durchklingen: "Wir haben ihn sehr genau im Blick. Wenn ein Spieler mit seiner Qualität den Sprung von Österreich nach England macht, planen wir langfristig mit ihm."

Inzwischen hängt das Gerücht seit mehreren Wochen in der Luft. Laut der 'Bristol Post' soll Horvat einem Wechsel bereits zugestimmt und einen Medizincheck absolviert haben. Da der Vertrag des Spielers in Graz mit Ende Juni ausläuft, hat Sturm eigentlich nicht mehr viel zu melden. Oder vielleicht doch?

Keine eindeutigen Angaben

Der Grundstein für einen möglichen Abgang im Sommer wurde im vergangenen Frühjahr gelegt. Zwar wurde Mitte April die Verlängerung des auslaufenden Arbeitspapieres verlautbart, allerdings ohne Angaben zur Laufzeit. Die erste Annahme von Fans und Journalisten: Der Mittelfeldmotor bleibt dem Meister längerfristig erhalten. Man habe sich auf einen neuen Vertrag geeinigt, eine theoretisch verfügbare Option daher gar nicht erst gebraucht. "Tomi Horvat bleibt langfristig ein Spieler des SK Sturm", hieß es beispielsweise in einer Zeitungsüberschrift.

Mit Aufkommen der Gerüchte um einen Wechsel nach Bristol war die Verwunderung groß. Laut neuem Wissensstand habe Horvat letztlich doch nur bis 2026 verlängert, wäre daher bereits jetzt berechtigt, über einen ablösefreien Transfer zu verhandeln. Interesse an einer weiteren Verlängerung in Graz - so mehrere Medienberichte - gibt es auf Spielerseite nicht.

Wir führen nach wie vor Gespräche mit ihm.

Michael Parensen

Geht oder bleibt der Slowene? Auf Nachfrage von 90minuten möchte Sturm keine Angaben dazu machen, ob der Vertrag im Sommer ausläuft. Auf die Nachfrage, ob noch Verhandlungen stattfinden, heißt es: "Wir führen nach wie vor Gespräche mit ihm." Er habe jedenfalls noch nirgends unterschrieben.

Laut einem 'Sky'-Bericht plant Bristol City, Sturm Graz in den nächsten Tagen ein Angebot für einen Winter-Transfer zu unterbreiten >>>. Die Engländer spekulieren auf eine Teilnahme an den Championship-Playoffs und könnten Verstärkung gebrauchen, umgekehrt würde sich Sturm auf dem Weg zur Titelverteidigung erheblich schwächen.

Das sagt der Sportchef

Im Rahmen der Bundesliga-Pressekonferenz zum Frühjahres-Auftakt sagt Parensen im Gespräch mit 90minuten: "Wir hatten mit Tomi immer einen sehr offenen Austausch und haben daran gearbeitet. Dass sich der Spieler möglicherweise anders orientiert und mit Leuten spricht, ist legitim." Offiziell aufgeben möchte man die Personalie aber noch nicht.

Horvat kam im Juli 2022 nach Graz, der damals 23-Jährige war zu diesem Zeitpunkt bereits Nationalspieler. Inzwischen ist Horvat zweifacher Cupsieger, doppelter Meister und hat das schwarz-weiße Trikot in 163 Pflichtspielen getragen.

Die für den Verein gebrachten Leistungen würdigt Parensen unumwunden: "Tomi ist in einem - für heutige Verhältnisse - ordentlichen Fußballeralter zu Sturm gekommen und hat in den letzten Jahren einen maßgeblichen Beitrag zu vier Titeln geleistet. Wir wollen Spielern eine Plattform bieten, auf der sie sich empfehlen und irgendwann den nächsten Schritt machen können. Ich glaube, dass auch er diesen Plan immer im Hinterkopf hatte. Wenn sich jetzt eine Chance ergibt, ist es nachvollziehbar, dass er sie auch ergreift."

Wie auch immer die Geschichte am Ende ausgeht, Horvat in Bestform ist für Sturm wohl kaum zu ersetzen. Zählt man Tore, Assists und Pre-Assists zusammen, war der Mittelfeldspieler 2025/26 an 44 Prozent aller Grazer Ligatore beteiligt. Damit liegt er knapp hinter Otar Kiteishvili und deutlich vor dem drittplatzierten Maurice Malone (26 Prozent Anteil).


Transferpläne

Sollte es zu einem Abschied kommen, erwartet sich Parensen große Schritte von anderen: "Wir haben schon jetzt Spieler im Kader, die sich in diese Rolle hineinentwickeln können, wenn sie ähnliche Spielanteile bekommen. Auch Tomi ist nicht als fertiger Spieler zu uns gekommen, sondern noch einmal gewachsen. Wie schnell das gehen kann, werden wir sehen."

Ob Sturm Graz in den verbleibenden Tagen des Winter-Transferfensters noch einmal aktiv wird, lässt man sich offen. Seine Aussage, es werde "noch einmal Leben in die Bude kommen", ordnet Parensen ein: "Erfahrungsgemäß geht es in den letzten Wochen der Transferphase immer ein bisschen turbulenter zu. Das heißt für uns, dass etwas passieren kann, aber nicht definitiv etwas passieren wird."

Falls jemand kommen sollte, geht es vor allem darum, uns für den Rest der Saison zu verstärken.

Michael Parensen

Sollten weitere Neuverpflichtungen getätigt werden, wären sie jedenfalls als Soforthilfe eingeplant. "Wir sind auf alle Dinge vorbereitet und wissen natürlich, welche Vertragssituationen bei einzelnen Spielern vorherrschen. Als Vorgriffe auf den Sommer würde ich mögliche Neuzugänge aber nicht bezeichnen, das betrachten wir unabhängig voneinander. Falls jemand kommen sollte, geht es vor allem darum, uns für den Rest der Saison zu verstärken."

Erschwerte Bedingungen

Einfacher ist das Operieren auf dem Transfermarkt für Vereine in der Größenordnung von Sturm Graz in den letzten Jahren nicht geworden. Um Spieler in der gewünschten Qualität bekommen zu können, muss man sich finanziell immer weiter aus dem Fenster lehnen. "Einige Märkte sind in letzter Zeit sehr hochpreisig geworden. Das Modell, von dem Sturm profitiert hat, verfolgen inzwischen viele Vereine, die sich auch erhoffen, damit Transfererlöse zu erzielen", bestätigt Parensen.

Der Geschäftsführer Sport des SK Sturm Graz, Michael Parensen
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Der Geschäftsführer Sport des SK Sturm Graz, Michael Parensen

"Dementsprechend müssen wir neue Wege und Strategien finden, um uns anzupassen. Eine Säule ist mit Sicherheit, unsere Eigenbauspieler zu fördern und ihnen die Möglichkeit zu geben, bei uns zu debütieren. Außerdem geht es natürlich darum, andere Märkte zu finden und Talente früh genug zu erkennen.”

Keine Rolle gespielt haben laut dem Deutschen die medialen Berichte über interne Spannungen zwischen ihm und Trainer Jürgen Säumel. Bei Verhandlungen habe sich daran niemand gestört: "Es ist alles normal abgelaufen. Ich glaube, dass alle Dinge, die kolportiert wurden, nicht unüblich sind. Es gibt im Fußball immer wieder Diskussionen und Spannungen. Natürlich wollen Spieler den Trainer kennenlernen und wissen, dass im Hintergrund alles funktioniert. Auf der anderen Seite glaube ich, dass sie sich im Endeffekt für einen Verein und eine Plattform entscheiden, die Sturm Graz in jedem Fall bieten kann.”



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