Regionalliga-Reform: Neue Strukturen, viele offene Fragen
Foto © KI

Regionalliga-Reform: Neue Strukturen, viele offene Fragen

Mit Ende Juli geht der Regionalliga-Fußball wieder los. Während im Osten alles beim Alten bleibt, wurden aus den anderen beiden Regionalligen derer drei. Ein Überblick:

Die Reform der dritten Leistungsstufe war alles andere als eine einfache Geburt.

Angestoßen wurde sie bereits 2024. Statt die Zahl der Drittligisten zu verkleinern, wurde sie letztlich sogar erhöht. Während es in der Schweiz in den ersten drei Ligen 40 Vereine gibt, hat Österreich derer 91. Eine Verkleinerung scheiterte.

Günter Kreissl führte vor einem Jahr vor allem die Geographie als Hauptgrund an. Eine eingliedrige dritte Liga erscheint aus finanziellen Gründen unwahrscheinlich, heißt es in der Szene. Am Ende kam nun eine typisch österreichische Lösung heraus:

Die Regionalliga Ost blieb von der Reform unangetastet, neu sind zwei 16er-Ligen im Westen (Tirol, Vorarlberg) und dem Norden (Oberösterreich, Salzburg) sowie zwei Achter-Ligen im Süden (Steiermark, Kärnten) mit Auf- und Abstiegs-Playoffs. So weit, so klar.

So kam es zur Regionalliga-Reform >>>

Wichtiges vorab

Erwähnenswert hinsichtlich des Ostens ist: 2025/26 traten 17 Vereine an. Hintergrund war ein Rechtsstreit rund um eine vermutete Insolvenz bei TWL Elektra.

Der Klub klagte, der Rechtsmittelsenat gab dem Verein Recht. Abgestiegen ist man letztlich mit nur acht Punkten aus 32 Partien als Stockletzter. Nun spielen wieder 16 Teams gegeneinander.

Im Osten alles beim Alten - nun auch wieder mit den Mattersburgern
Foto © GEPA
Im Osten alles beim Alten - nun auch wieder mit den Mattersburgern

Der Meister trifft getreu einer erfolgten Auslosung auf den Sieger der Regionalliga Süd. Den zweiten Aufstiegsplatz spielen die beiden übrigen Regionalligameister aus dem Westen und Norden untereinander aus.

Kurios: Sollten drei Klubs aus der 2. Liga absteigen müssen (durch Abstieg der Einser-Bundesliga-Mannschaft oder aufgrund finanzieller Probleme), dann würde der Verlierer des Duells Ost gegen Süd aufsteigen, weil diese Begegnung zuerst gelost wurde.

Der Aufstieg aus den Landesligen wird nicht angetastet. Der Abstieg bleibt im Grunde genommen im Osten, Westen und Norden "normal": Die letzten drei bzw. zwei Klubs steigen in ihre Landesverbände ab. Im Süden ist das komplexer.

Kurios im Süden

Die Regionalliga Süd wird mit einem Grunddurchgang in den jeweiligen Landesverbänden gespielt: Daran nehmen je acht Teams teil. Die jeweils besten Vier bilden dann ein Playoff um den Aufstieg in die 2. Liga, die anderen spielen um den Verbleib in der Regionalliga. Oben werden die Punkte nicht mitgenommen, unten die Hälfte.

Nach den 14 Runden steigt dann der schwächste jeweilige Klub in den Landesverband ab. Sprich: Es steigt nicht notwendigerweise der sportlich schlechteste Verein ab. Und es wollte nicht jeder dabei sein.

Helmut Kaltenegger plant mit Austria Klagenfurt im Süden den sofortigen Aufstieg
Foto © GEPA
Helmut Kaltenegger plant mit Austria Klagenfurt im Süden den sofortigen Aufstieg

USV St. Anna verzichtete auf die Teilnahme an der neuen Regionalliga, obwohl man hätte teilnehmen können. Dafür zog der Dritte der steirischen Landesliga, Allerheiligen, nach.

In Kärnten wiederum wollten die Lendorfer nicht rauf, weswegen der Tabellenfünfte Bleiburg nachrückte.

Auf Anfrage beschreibt man beim Steirischen Fußballverband den Umstieg von der Regionalliga Mitte auf Süd als "reibungslos. Es gab keine Probleme, es wurden alle Themen ausführlich behandelt und dem Wunsch der Vereine, möglichst lange im eigenen Land zu spielen, durch das Play-Off-System nachgekommen".

Troubles im Norden

Zufrieden zeigt man sich auch in der Regionalliga Nord, die Umstellung verlief "aus verbandsorganisatorischer Sicht insgesamt problemlos", so der Salzburger Fußballverband.

Die Kollegen aus Oberösterreich bestätigen dies. Allerdings wurden Unsicherheiten im Zusammenhang mit der endgültigen Nennung der teilnehmenden Vereine wahrgenommen.

Wie bekannt, konnte die frei gewordene Platzziffer im Oberösterreichischen Fußballverband nachbesetzt werden, im Salzburger Fußballverband war dies aufgrund mehrerer Absagen von Vereinen aus der Salzburger Liga jedoch nicht möglich.

Salzburger Fußballverband

Hintergrund waren die fehlende Zulassung des Bischofshofen Sportklub 1933 sowie die Zurückziehung von ASKÖ Oedt. Letztere beklagten den mangelnden Rückhalt im Ort.

In Bischofshofen ist die Lage dagegen besonders kompliziert. Denn der BSK 1933 musste den städtischen Sportplatz verlassen, der Skiclub zog mit seiner Fußballsparte ein. Es gibt aktuell keine Lizenz für irgendeine Liga – aber einen Startplatz im ÖFB-Cup.

Die Verbands-Conclusio: "Wie bekannt, konnte die frei gewordene Platzziffer im Oberösterreichischen Fußballverband nachbesetzt werden, im Salzburger Fußballverband war dies aufgrund mehrerer Absagen von Vereinen aus der Salzburger Liga jedoch nicht möglich, weshalb infolgedessen die Regionalliga-Nord-Saison 2026/2027 nun mit 15 Mannschaften bestritten wird."

Im Westen alles ruhig

Problemlos verlief die Anpassung im Westen. Die bisherigen und künftigen Regionalligisten ersparen sich die Fahrten nach Kuchl, Seekirchen, Wals, St. Johann und Saalfelden.

Größere Schwierigkeiten gab es dort nicht. Im Gegensatz zu Salzburg aber waren die Aufstiegsplätze laut VFV "in Vorarlberg, aber auch Tirol, sehr begehrt".

Der Übergang vom Amateurfußball zum Profifußball ist nur für wenige Vereine zu schaffen.

Vorarlberger Fußballverband

Die Anpassung sei reibungslos verlaufen, Probleme gab es "eigentlich nur bestimmungstechnisch, da es bei zwei Verbänden natürlich selten eine Mehrheit gibt".

Dies wurde so gelöst, dass in kritischen Fragen bzw. Beschlüssen ein neutraler Landesverband herangezogen wird.

In Tirol nutzte man den Umbau übrigens zu einem Komplettumbau und straffte die Ligapyramide. Das führte zu zahlreichen "Aufsteigern". Klar ist, dass der Amateurfußball vor großen Herausforderungen steht.

Probleme bleiben bestehen

In den letzten zehn Jahren sank die Anzahl an Vereinen laut Sport Austria von 2.249 auf 1.985 – ein Rückgang von 11,7 Prozent.

Immer mehr Vereine müssen sich zurückziehen
Foto © GEPA
Immer mehr Vereine müssen sich zurückziehen

Kein einziges Bundesland konnte die Anzahl seiner Vereine halten oder ausbauen. Oberösterreich verlor nur 4,7 Prozent seiner Vereine, in Wien hörten mit 23 Prozent fast ein Viertel auf zu existieren (Anm.: Die Mitgliederzahlen sind aufgrund einer vor ein paar Jahren erfolgten Umstellung der Zählweise nicht vergleichbar.).

Ein Fingerzeig, dass die große Anzahl an Drittligisten zu viel des Guten sein kann. Denn jeder Verein braucht neben der Kampfmannschaft einen Nachwuchs, Trainer dafür, Organe laut Vereinsregistergesetz und so weiter. Das ist nicht einfach, wie unter anderem der OÖFV wissen lässt.

Hinzu kommen die schlechte wirtschaftliche Lage, ein Rückgang der Förderung und die allgemeine Kostensteigerung, wie der VFV erklärt. Das hat dann eine Konsequenz:

"Der Übergang vom Amateurfußball zum Profifußball ist nur für wenige Vereine zu schaffen." Ob es sinnvoll ist, dass diese wenigen möglichen Profivereine in einer so breit gestreuten dritten Leistungsstufe spielen, sei dahingestellt.


Kommentare