Profis in Regionalliga: So peilt Voitsberg den Wiederaufstieg an
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Profis in Regionalliga: So peilt Voitsberg den Wiederaufstieg an

Der ASK Voitsberg stieg im Sommer nach einem Jahr 2. Liga ab. Den Professionalisierungsgrad behalten die Steirer bei und wollen noch eins drauf setzen.

Viele Jahrzehnte fristete der ASK Voitsberg ein Dasein im Unterhaus. Der Klub aus der heute knapp 10.000-Personen-Stadt ein paar Kilometer westlich der Landeshauptstadt Graz fiel nicht auf. Damit sind die Voitsberger nicht alleine, Weiz oder Gleisdorf sind ähnlich situiert.

Doch irgendwann im Jahr 2024, als der Verein mit 19 Punkten Vorsprung auf Union Gurten Regionalliga Mitte-Meister wurde, änderte sich das. Auf einmal war da ein Klub mit professionellem Webauftritt, ansprechenden Videos, einer Corporate Identity. Von einem derartigen Auftritt kann sich bis heute noch so mancher Bundesligist ein Scheibchen abschneiden.

Eine Kleinigkeit fehlte den Steirern am Ende ihrer Debütsaison in der ADMIRAL 2. Liga dann auch. Genauer gesagt zwei Punkte. Dem 13.-platzierten SV Stripfing ging viel mehr ab. Geldgeber Erich Kirisits ging im Sommer pleite, im November sperrten die Niederösterreicher zu.

Im Rückspiegel betrachtet war diese Entwicklung mindestens nicht überraschend. Die Voitsberger wären in der 2. Liga geblieben. Überraschend an der Sache ist, dass man dort weder Groll noch Gram hegt und an der im Winter 2025 angestoßenen Professionalisierung festhält. Diese soll noch ausgebaut werden, wie Trainer und Sportdirektor David Preiß im 90minuten-Gespräch betont.

"Es ist nun einmal so"

Seine Einschätzung hört sich heute sehr reflektiert an, der Klub überwintert mit sieben Punkten Vorsprung und hat den Wiederaufstieg in der eigenen Hand: "Wir haben das so gesehen: Es ist uns sportlich nicht gelungen, in der Liga zu bleiben – und auf den Rest haben wir keinen Einfluss."

Offensichtlich haben die Steirer bei allem Abstiegsschmerz - "Das tut extrem weh!" - das Glas halb voll gesehen: "Du schaust vielleicht genauer hin und triffst schneller Entscheidungen, die du bei einem Ligaverbleib so nicht getroffen hättest."

David Preiß leitet die Geschicke des Klubs seit Jänner 2023
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David Preiß leitet die Geschicke des Klubs seit Jänner 2023

Überhaupt gilt: "Wenn du aus Niederlagen gestärkt hervorgehst und ein reinigender Prozess folgt, ist es in Ordnung." Freilich sind Gerüchte, dass es sich für Stripfing nicht ausgehen wird, schon früh nach Voitsberg durchgedrungen. "Bitter. Aber es ist nun einmal jetzt wie es ist", so Preiß. Er hofft indes, dass derartige Konstrukte in Zukunft nicht mehr möglich sind.

Sportlich kann sich der Verein wenig vorwerfen: Der ASK überwinterte mit 40 Punkten und somit sieben Zählern Vorsprung auf die LASK Amateure und Kalsdorf. LASK II kann rauf, Kalsdorf war ebenfalls beim entsprechenden Lizenz-Workshop im Herbst.

Jünger und professioneller

Der Kader selbst wurde im Sommer verjüngt. Zwölf Spieler verließen den Klub im Sommer, 14 neue kamen hinzu. Statt 25,6 Jahre beträgt der Altersschnitt nun 24,7. Ein bisschen Erfahrung hat sich der Verein dann doch geholt, mit Mittelstürmer Fabian Schubert (31) von 1860 München.

Letzterer hat mit 20 Volltreffern in 14 Einsätzen einen maßgeblichen Anteil daran, dass die Voitsberger dort stehen, wo sie sind. Allerdings holt man routinierte Stürmer immer mit der Erwartung, dass sie oft treffen. Und es wäre zu kurz gegriffen, die Preiß-Elf auf Schuberts Tore zu reduzieren. Es sind zwar viele, aber insgesamt netzten die Schwarz-Weißen 53 Mal. Und wer nur 13 Tore bekommt – die zweitbeste Defensive nach dem LASK – macht insgesamt einiges richtig.

Natürlich passiert hier viel wegen Michael Münzer, der in Voitsberg wohnt. Der Bio-Industrielle mit einem mehrere hundert Millionen Euro schweren Unternehmen gibt nicht nur dem Stadion seinen Namen, stellt auch einen ansehnlichen Anteil des Budgets.

Neben gibt es aber eine Reihe weiterer Sponsoren, wie Brustsponsor und Pizzabäcker Amore Loui, die lokale Sparkasse, die Stadtwerke, die auf Regionalliga-Niveau so üblichen Baumeister und Installateure. Münzer könnte vermutlich alles selbst bezahlen, aber: "Er möchte immer einen Euro mehr einnehmen als ausgeben. Es ist das Gesamtpaket, das es uns ermöglicht, so zu arbeiten."

"All unsere Spieler sind bei der Spielbetriebs-GmbH angestellt und offiziell angemeldet. Sie können sich darauf verlassen, dass das Geld am Konto landet."

David Preiß

Zum Ansehen

Während viele Klubs nach einem Abstieg um die Existenz bangen, setzt Voitsberg also eines drauf. Schon seit Sommer 2024 gibt es mit dem ehemaligen Ilzer-Analyst bei Sturm, Sebastian Svetits, einen Technischen Direktor. Im Frühjahr 2025 stellte der Klub auf Vollprofibetrieb um und verließ diesen Weg nicht.

Preiß zur Seite steht seit einiger Zeit Klubsekretär Wolfgang Harrer. Zudem ist bereits seit vergangenem April die ehemalige Assistentin der SK Sturm-Geschäftsführung, Julia Meixner, für Marketing, Sponsoring und Spielbetrieb zuständig.

Mit Stefan Nutz holte der Klub weiters im Sommer einen Co-Trainer, der 222 Mal in der Bundesliga auflief. Seit diesem Winter ist Philipp Martin, früher bei PAS Ioannina im Trainerteam von Rene Poms, Tormanntrainer. Im Sommer soll nun ein Kunstrasenplatz realisiert werden, die entsprechenden Verhandlungen mit den öffentlichen Stellen laufen. "All unsere Spieler sind bei der Spielbetriebs-GmbH angestellt und offiziell angemeldet. Sie können sich darauf verlassen, dass das Geld am Konto landet", betont Preiß. 

Ohne, dass er es anspricht: Das nehmen landauf, landab nicht alle Amateurvereine so genau. Die Problematik ab der Regionalliga abwärts beschrieb WSC-Vizepräsident David Krapf-Günther einmal so: "Ich habe allein in meiner Funktionszeit beim Wiener Sportclub in den letzten zehn Jahren schon viele vorbeirasende Geldkoffer gesehen. Die leeren Geldkoffer purzeln dann schon auch wieder ein paar Ligen runter und sind heute in desaströser Bedeutungslosigkeit oder werden gar nicht mehr fortgeführt."

Bei Voitsberg können sich Finanzamt, Gebietskrankenkasse und alle Interessierten hingegen tagtäglich ein Bild davon machen, dass die Spieler den Tag vom Frühstück weg am Trainingsgelände mit Fußball verbringen. Hier gibt es nichts zu verheimlichen: "Für unsere Ziele sind Handschlagqualität und Vertrauen notwendig."

Dieses Ziel lautet unmissverständlich: Rückkehr in die 2. Liga. So viel Selbstbewusstsein darf sich nur erlauben, wer professionell arbeitet.


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