Der Jahresabschluss der Vorsaison 2024/25, der Ende November von der Wiener Austria präsentiert wurde, weist erneut ein negatives Ergebnis aus – und zwar von 7,7 Millionen Euro.
Immerhin: Bereinigt um den Stadionverkauf, der erst im neuen Geschäftsjahr wirksam wird, konnte das Fremdkapital bereits auf rund 35 Millionen Euro reduziert werden.
Davon entfallen rund 21 Millionen auf Verbindlichkeiten, der Rest auf periodenfremde Abgrenzungen wie Rückstellungen und Rechnungsabgrenzungsposten. "Damit liegt dieser Wert deutlich unter den rund 75 Millionen Euro Fremdkapital, die die Bundesliga mit Bezug auf die Vorsaison am 1. Dezember veröffentlicht hat", übten sich die Favoritner im Rahmen einer Aussendung in Optimismus.
Blickt man auf die vergangenen vier Jahre (siehe Grafik), so setzt sich der rote Lauf der negativen Bilanzen fort. Lediglich in der Saison 2023/24 bilanzierten die Veilchen positiv, was aber nur aufgrund des Schuldennachlasses der Bank Austria zu verdanken ist. Strukturell gesehen bilanziert die Austria seit Jahren tiefrot.
Und dennoch soll der Turnaround nun endgültig geschafft sein, wie Austria-Vorstand Harald Zagiczek im Gespräch mit 90minuten erklärt: "Mit der erheblichen Rückführung von Verbindlichkeiten ersparen wir uns Zinsen in Millionenhöhe. Berücksichtigt man Abschreibungen und Zinsaufwand, schaffen wir eine erhebliche Verbesserung des Jahresabschlusses, abzüglich der Stadionmiete in der Größenordnung von insgesamt zumindest 3,8 Millionen Euro pro Jahr. Eine wichtige Voraussetzung für eine positive Entwicklung ist somit geschafft."
In den vergangenen zwei Jahren konnte durch den Abbau der Verbindlichkeiten um 55 Millionen Euro ein wichtiger erster bilanzieller Schritt gesetzt werden.
Oder in anderen Worten formuliert: Verbuchte die Austria vergangene Saison noch ein Minus von 7,7 Millionen Euro, startet man in die neue Saison – sofern sich an den anderen Kennzahlen nichts ändert – "nur noch" mit einem strukturellen negativen Ergebnis von 3,9 Millionen Euro.
Ohne Transfers kein Plus
Schon für das aktuelle Geschäftsjahr rechnet Zagiczek mit einem Plus. Verantwortlich dafür sind die Transfers von Dominik Fitz und Maurice Malone.
Einsparungen beim Personalaufwand sind möglich, besonders große Sprünge sind hier jedoch vor allem kurzfristig nicht zu erwarten, mittelfristig arbeiten wir daran.
Die Marschroute für Zagiczek ist daher klar: "Um die Bilanz dauerhaft in den positiven Bereich zu drehen, brauchen wir jedes Jahr erhebliche Transferüberschüsse, gekoppelt mit weiteren Einsparungen." Der Austria-Vorstand ergänzt: "Mit regelmäßigen Einnahmen aus einer Gruppenphase kann man nicht planen."
Wo kann noch eingespart werden? Etwa bei den Personalkosten, die beim FK Austria Wien in der Vorsaison knapp 15 Millionen Euro ausgemacht haben? Zagiczek bremst: "Einsparungen beim Personalaufwand sind möglich, besonders große Sprünge sind hier jedoch vor allem kurzfristig nicht zu erwarten, mittelfristig arbeiten wir daran."
Keine schwarze Null im nationalen Geschäft
Das Dilemma der Austria hat der Klub übrigens nicht alleine gepachtet. Auch wenn man mit Gruppenphasen nicht planen kann, notwendig sind diese in regelmäßigen Abständen jedoch schon – für alle größeren Klubs wie Salzburg, Sturm, Rapid oder den LASK.
"Aus meiner Sicht ist eine schwarze Null nur aus dem nationalen Geschäft heraus und ohne regelmäßige Transferüberschüsse für Klubs in der Größenordnung von Austria in Österreich äußerst schwierig."
Erst mit internationalen Spielen beginnt sich nämlich für Vereine das finanzielle Rad so richtig zu drehen. Spieler, die sich international beweisen können, erzielen deutlich höhere Transfereinnahmen. Schlag nach bei Red Bull Salzburg, Sturm Graz oder Rapid. Kann man sich "nur" in der Admiral Bundesliga beweisen, bleibt es bei Summen, die man eben für Fitz oder Malone bekommen hat.
Strategiewechsel
Im Rahmen der Generalversammlung präsentierte der Klub daher ein Strategiepapier, das unter anderem festlegt, anhand welcher Parameter sportlicher Erfolg bei Austria Wien in mittel- und langfristiger Zukunft gemessen werden soll und mit welchen Merkmalen man sich auszeichnen will.
Sportlicher Erfolg soll sich künftig gleichermaßen an mannschaftlicher Performance und an der individuellen Entwicklung der Spieler bemessen. Ein wesentlicher Faktor ist eine ausgewogene Kaderstruktur, die sich vereinfacht gesagt aus drei Spielerrollen zusammensetzt: Eigengewächse, Benchmarkspieler & Ankerspieler.
Der Strategiewechsel sollte sich auf die Kaderpolitik bereits im nächsten Jahr auswirken, und somit auch die ersten Erfolge bei den Transfers ermöglichen.
Diese Strategie soll auch wieder die Transfereinnahmen erhöhen. "Der Strategiewechsel sollte sich auf die Kaderpolitik bereits im nächsten Jahr auswirken und somit auch die ersten Erfolge bei den Transfers ermöglichen", hofft Zagiczek.
Kurzfristige Challenge: Reduktion des Eigenkapitals
Und dann wäre noch eine Sache: Die neuen Bundesliga-Lizenzkriterien schreiben vor, dass das negative Eigenkapital jährlich um zehn Prozent reduziert werden muss. Maßgeblich dafür ist der Zeitraum von 1. Jänner bis 31. Dezember – und nicht wie die üblichen Geschäftsjahre der Klubs von 1. Juli bis 30. Juni, in dem bekanntlich das negative Eigenkapital der Veilchen um 7,7 Millionen Euro erhöht wurde.
Wie das gelingen soll? Durch ein starkes zweites Halbjahr und den Fakt, dass ein hoher Anteil des negativen Ergebnisses in das erste Halbjahr des Geschäftsjahres verbucht wurde (also im Zeitraum 1. Juli bis 31. Dezember 2024).
"Das negative Eigenkapital lag am 1.1.2025 bei rund 16 Millionen Euro. Mit 31.12.2025 müssen wir das Eigenkapital um zehn Prozent verbessern - und das werden wir auch schaffen", ist der Austria-Vorstand zuversichtlich.
Licht am Ende des Tunnels
Was bleibt? Mit den Maßnahmen der vergangenen Jahre hat sich die Austria von einem Konkurskandidaten zu einem Sanierungsfall "verbessert". Ein Licht am Ende des Tunnels ist zu sehen. Der Ndukwe-Transfer kommt da genau zur richtigen Zeit, und wird das aktuelle Geschäftsjahr ins Positive drehen. Mehr aber auch nicht.
Ob der Verein in der aktuellen Konstellation, in der wesentliche Gesellschafter streiten und in unterschiedliche Richtungen arbeiten, gelingen kann, ist jedoch mehr als fraglich. Und damit hängt auch die finanzielle Gesundung weiterhin am seidenen Faden.
Michael Fiala