Defensiv-Mauer und neue Heimstärke: Warum Altach jetzt oben anklopft
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Defensiv-Mauer und neue Heimstärke: Warum Altach jetzt oben anklopft

Der SCR Altach macht unter Neo-Coach Ognjen Zaric den nächsten Schritt und träumt erstmals von der Meistergruppe. Das sind die Gründe für den Aufschwung.

"Gute Energie, hohe Intensität und aggressiv gegen den Ball. Vieles davon war schon unter Fabio (Ingolitsch; Anm.) zu sehen und das wollen wir auch beibehalten. Im Spiel mit dem Ball wollen wir die Mannschaft weiterentwickeln."

Das sagte Ognjen Zaric wenige Stunden nach seiner Vorstellung als neuer SCRA-Trainer gegenüber 90minuten Anfang des Jahres. Zum ganzen Interview >>>

Der 37-jährige Tiroler ließ seinen Worten Taten folgen. Vier Spiele, drei Siege und ein Remis – es ist der beste Start eines Altach-Trainers seit Adi Hütter 2009/10. Damals gelangen dem ehemaligen Monaco-Coach vier Siege aus den ersten vier Spielen. Der Unterschied: Altach spielte zu der Zeit noch in der 2. Liga – heute passiert das in der Bundesliga.

"Ich hätte mir keinen besseren Start vorstellen können. Jetzt wollen wir diese Euphorie mitnehmen, aber auch die Realität weiter im Blick halten. Unser Ziel bleibt klar der Klassenerhalt", sagte ein zufriedener Cheftrainer im Gespräch mit 90minuten.

Die Vorarlberger sind unter Zaric nicht nur nochmal stabiler geworden, sondern auch effizienter und reifer – eine Entwicklung, die den SCRA voll in den Kampf um die Meistergruppe bugsiert hat.

Aktuell fehlt Altach nur ein Punkt auf den sechstplatzierten SK Rapid. Und wie es der Zufall so will, kommt es nun am Sonntag (ab 17 Uhr im LIVE-Ticker >>>) zum direkten Duell im Schnabelholz.

Kampf um die Top 6

Zwei Runden vor der Punkteteilung spitzt sich der Kampf um die Top 6 zu. Zwischen den fünftplatzierten Hartbergern und den auf Rang acht liegenden Altachern liegen nur drei Punkte.

Auch wenn rechnerisch noch mehr Mannschaften Chancen auf die Meistergruppe haben, wird es wohl auf einen Kampf zwischen vier Teams hinauslaufen.

Position

Verein

Punkte

5.

TSV Hartberg

31 Punkte

6.

SK Rapid

29 Punkte

7.

SV Ried

28 Punkte

8.

SCR Altach

28 Punkte

Restprogramm:

  • Hartberg: Salzburg auswärts, BW Linz heim

  • Rapid: Altach auswärts, Salzburg heim

  • Ried: GAK auswärts, Austria Wien heim

  • Altach: Rapid heim, Sturm Graz auswärts

Das Restprogramm für die Vorarlberger ist zwar alles andere als einfach, aber die Entwicklung zeigt klar nach oben. Zudem wurden im Cup mit Sturm Graz und in der Liga mit der Wiener Austria bereits zwei Teams aus den Top 6 im Frühjahr geschlagen.

Doch warum funktioniert Altach plötzlich so gut? Ein Blick auf die entscheidenden Stellschrauben:

Beste Defensive der Liga

Zaric lässt sein Team in einem kompakten 5-4-1-System mit vier nominellen zentralen Mittelfeldspielern auflaufen. Altach schafft es so, die Räume zwischen den Ketten eng zu halten und die Gegner kaum zur Entfaltung kommen zu lassen.

Mit Dejan Stojanovic steht zudem einer der besten Torhüter der Liga im Kasten, der schon für den ein oder anderen Punktgewinn sorgte. 20 Gegentore in ebenso vielen Spielen sind herausragend und Liga-Bestwert.

Drei Siege aus den ersten vier Spielen - Ognjen Zaric lässt den SCR Altach wieder träumen.
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Drei Siege aus den ersten vier Spielen - Ognjen Zaric lässt den SCR Altach wieder träumen.

Vom Chancenwucher zur Effizienz

Unter Ex-Coach Fabio Ingolitsch war das Spiel im letzten Drittel die große Schwachstelle. Das hat sich in den ersten Wochen unter Zaric verbessert.

Altach ist zwar weiterhin nicht die Tormaschine, dennoch wurde aus den wenigen Torchancen mehr gemacht als noch zuvor. Am vergangenen Wochenende überzeugten die Hausherren in einem eher chancenarmen Spiel mit einer selten gesehenen Effizienz und belohnten sich damit auch verdient mit drei Punkten.

Zudem wurde in den letzten Wochen an den Standardsituationen gearbeitet, zwei der letzten drei Treffer resultierten daraus.

Mentalität statt Nervenflattern

Die ansteigende Formkurve sorgt logischerweise für gute Stimmung innerhalb der Mannschaft. Trotzdem ist klar zu erkennen, dass eine Einheit auf dem Feld steht. Jeder geht für jeden die nötigen Meter – der Spirit stimmt.

Ein Beispiel: Altach kassierte gegen die Austria aufgrund eines folgenschweren Ballverlustes von Mike Bähre am eigenen Strafraum den Ausgleich, reagierte aber geschlossen stark und erzielte nicht einmal eine Minute später die erneute Führung.

"Mir war es von Anfang an sehr wichtig, dass wir als Kollektiv stark sind. Wir haben aber auch die richtigen Charaktere und das zeichnet uns aus", so Zaric.

Schnabelholz wird zur Festung

Altach entwickelt sich immer mehr zu einer Heimmacht in der Liga. Seit fünf Spielen ist man im Schnabelholz ungeschlagen, die drei Heimspiele 2026 wurden allesamt gewonnen. Insgesamt holte man 19 der 28 Punkte in dieser Saison vor eigenem Publikum.

Zur Verdeutlichung: Im gesamten Kalenderjahr 2024 holte Altach nur einen einzigen Heimsieg.

"Wir wollen mit der Art und Weise, wie wir Fußball spielen, die Fans beeindrucken und mitziehen. Denn am Ende profitieren wir von der guten Stimmung im Stadion", verdeutlichte der Trainer die Wichtigkeit des eigenen Anhangs.

Nummer eins seit November

Blickt man auf die Tabelle der letzten sieben Runden, also seit der Länderspielpause im November, steht Altach mit 14 Punkten auf Rang eins, punktegleich mit dem LASK. Seit der Zaric-Übernahme liegt man ebenfalls an der Spitze, einen Punkt vor der Wiener Austria.

Es ist eine Entwicklung, die vermutlich nur sehr wenige vorhergesehen haben. Sie ist aber das Ergebnis einer eingespielten Mannschaft, mit der nötigen Breite im Kader. So schaffte es Altach in den ersten Spielen des Frühjahres auch einen Abgang wie den von Paul Koller intern mit Lukas Jäger aufzufangen, ohne sichtbare Veränderung.

Zudem sorgt im Mittelfeld weiter Unterschiedspieler Patrick Greil für die nötigen genialen Momente. Auch Yann Massombo, im Sommer aus der 3. Schweizer Liga gekommen, entwickelt sich immer mehr zum Box-to-Box-Spieler.

Die Mischung stimmt aktuell im Rheindorf. Und auch wenn Cheftrainer Zaric selbst weiter tiefstapelt und vom großen Ziel Klassenerhalt spricht, träumen in Altach alle von der ersten Teilnahme an der Meistergruppe seit der Liga-Reform 2018/19.

Dass der SCRA zudem im Halbfinale des ÖFB-Cups auf Red Bull Salzburg trifft, unterstreicht, wie stabil und breit diese Entwicklung inzwischen geworden ist.

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