Als Tabellenletzer in der Bundesliga gibt es in der Winterpause so manches, das man nicht braucht. Verletzungen, insbesondere von Stammspielern, stehen weit oben auf der Liste. Wenn es den Torwart trifft, der ohnehin nur für eine Saison ausgeliehen ist, wird es für alle Beteiligten richtig bitter.
Im Testspiel gegen den FC Zlin wurde Viktor Baier ein eigentlich harmloser Richtungswechsel zum Verhängnis, dem die Achillessehne des jungen Tschechen nicht standhielt. Im Türkei-Trainingslager von Blau-Weiß Linz lag der Fokus zunächst darauf, den 21-Jährigen aufzurichten.
"Ein hartes Gespräch"
Nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus ins Teamhotel nahm ihn Sportdirektor Christoph Schößwendter in Empfang: "Am Anfang war er extrem niedergeschlagen. Die Verletzung ist vor allem für einen Tormann mit einer langen Ausfallzeit verbunden."
Mit Stammverein Viktoria Pilsen wurden organisatorische Themen abgewickelt und die Rückreise für den Folgetag organisiert.
"Es ist ein hartes Gespräch, wenn ein junger Bursche vor dir sitzt und mit den Tränen kämpft. Zusammen mit der Mannschaft hat er es dann aber schon wieder geschafft, die Perspektive zu drehen. Im Lauf des Abends war er wieder soweit, ein bisschen lachen zu können", erinnert sich Schößwendter.
Back to Business
Während Baier am Sonntagmorgen retour nach Tschechien flog, wurden in Belek die Köpfe zusammengesteckt. Für Schößwendter - gemeinsam mit Cheftrainer Michael Köllner, Torwarttrainer Christoph Eglseer und Scout Daniel Rosza - galt es, das Wunschprofil für einen Ersatzmann zu erstellen.
Das Spiel war noch nicht einmal zu Ende und trotzdem habe ich schon erste Profile von Beratern geschickt bekommen.
Trotz der sportlich schwierigen Lage lagen da bereits erste Optionen auf dem Tisch. Dem Sportdirektor ging es sogar eine Spur zu schnell: "Ich glaube, das Spiel war noch nicht einmal zu Ende und trotzdem habe ich schon erste Profile von Beratern geschickt bekommen. Mir ist bewusst, dass das zum Geschäft gehört. Es zeigt aber auch, wie grausam es im Fußball zugehen kann. Unser Physio war mit dem Spieler noch auf dem Weg ins Krankenhaus, der Schock ist bei uns allen noch tief gesessen. Es läuft trotzdem alles weiter."
Nachdem Baier im Sommer Blau-Weiß Linz ohnehin verlassen hätte und somit spätestens dann eine Lücke zu füllen war, traf die Verletzung die sportliche Leitung nicht unvorbereitet - angesichts aller Umstände aber trotzdem auf dem falschen Fuß.
Grundsätzlich hatten wir den Markt gut im Blick. Die Vorbereitungen haben aber eigentlich schon dem Sommer gegolten.
"Grundsätzlich hatten wir den Markt gut im Blick, die Vorbereitungen haben aber eigentlich schon dem Sommer gegolten. Im Frühjahr hätten wir den Prozess gestartet, einige Kandidaten näher anzuschauen", sagt Schößwendter.
Neue Prioritäten
In den letzten Jahren habe man immer mehrere Monate Zeit gehabt, um sich auf einen Spieler festzulegen, meint der Sportdirektor. Gefunden wurde mit Radek Vitek ein absoluter Glücksgriff und mit Viktor Baier ein großes Talent mit schwankenden Leistungen, dem eine Steigerung im Frühjahr nicht mehr vergönnt ist.
"Aufgrund der Kurzfristigkeit fallen einige Profile weg, weil wir wissen, dass es vertraglich nicht möglich wäre, einen Spieler zu holen, oder weil er vielleicht schon an einen anderen Verein verliehen ist", hält Schößwendter fest. Er und sein Team mussten sich neu orientieren, am Ende wurde eine kompakte Liste erstellt.
Im Fokus stehen angesichts der sportlichen Situation vor allem Führungsqualitäten: Der Neuzugang braucht ein "lautes Organ", wie Schößwendter sagt. Er soll die bislang wackelige Abwehr anleiten und ihr mehr Sicherheit geben, sondiert wurde deshalb vor allem der deutschsprachige Raum. Der Österreicher-Topf spielt - wie bei Baier - in den Überlegungen der Linzer trotzdem keine wesentliche Rolle.
Einer für die Zukunft
Durch die Baier-Verletzung unerwartet schnell in den Fokus gerückt ist in Linz ein Sommer-Neuzugang: Der 20-jährige Valentin Oelz wurde aus Liefering geholt und sollte eigentlich behutsam aufgebaut werden. Im letzten Test gegen die Admira stand er dann aber mit der A-Garnitur auf dem Platz. Schößwendter betonte danach, sowohl Oelz, aber auch Ersatzmann Thomas Turner, Pflichtspieleinsätze zuzutrauen.
Soweit kommt es nun doch nicht. "Für die Mannschaft ist es am besten, wenn im Tor ein Spieler steht, der mit Leadership und klarer Kommunikation die Abwehr führen kann. Es wäre einfach zu viel verlangt, wenn man das einem Spieler umhängt, der selbst erst in der Bundesliga ankommen muss", sagt Schößwendter. Oelz saß im Herbst einige Male auf der Linzer Bank, kann aber erst wenig Spielpraxis im Erwachsenenfußball vorweisen.
Es gibt den klaren Plan, dass er sich bei uns zu einem Bundesligaspieler entwickeln soll.
In Zukunft ist aber wohl mit ihm zu rechnen: "Wir sind mit Vali extrem zufrieden, ich bin mit ihm dauernd im Austausch. Es gibt den klaren Plan, dass er sich bei uns zu einem Bundesligaspieler entwickeln soll, dabei bleibt es auch. Wir müssen uns aber die Frage stellen, ob man einem jungen Spieler dann im Abstiegskampf wirklich diese Bürde auferlegen sollte."
Weitsichtige Lösung?
Läuft alles nach Plan, steht der Neuzugang gleich im ersten Pflichtspiel des Kalenderjahres - ein Derby gegen den LASK im ÖFB-Cup - im Tor. Die jüngsten Berichte um Daniel Bachmann - immerhin 14-facher Nationalspieler - dürften sich nicht bewahrheiten, besitzt sein Leihvertrag mit Deportivo La Coruna doch keine Ausstiegsklausel>>>.
Unabhängig von einer konkreten Personalie: Nicht auszuschließen ist, dass man sich mit diesem Schritt zumindest auf einer Position die Detailplanungen für den Sommer sparen kann. Es kann sein, dass der neue Spieler auch 2026/27 in Linz bleibt. Schößwendter hat ein solches Szenario zumindest im Hinterkopf: "Wenn es die Möglichkeit gibt, zumindest schon einmal über die Folgesaison sprechen zu können, wäre das natürlich nicht schlecht. Ein Ausschlusskriterium ist das natürlich nicht."
Daniel Sauer