Daniel Beichler ist nicht mehr Trainer des FC Red Bull Salzburg.
Auch sein Assistent Zlatko Junuzovic verlässt den Verein. Mit der klaren 1:3-Niederlage gegen den TSV Hartberg endete eine kurze, glücklose Amtszeit. "Leider waren die Wochen unter ihm als Cheftrainer nicht so, wie wir uns das erwartet hatten", fasst Sportgeschäftsführer Marcus Mann zusammen.
Los ging es im Februar spektakulär: Mit einem 5:1-Sieg gegen den späteren Meister LASK ließ Beichler viele Herzen höher schlagen.
Ein junger österreichischer Trainer aus der eigenen Trainerschule hätte dem abgelösten Serienmeister seine DNA zurückgeben sollen. Drei Monate später sind diese Hoffnungen auch offiziell ad acta gelegt.
Die Liga-Bilanz nach 14 Spielen:
Spiele | S | U | N | Tordifferenz | Punkte |
|---|---|---|---|---|---|
13 | 4 | 3 | 6 | 19:17 | 15 |
Beichler gelang es - von seinem Debüt abgesehen - zu keinem Zeitpunkt, positives Momentum zu entwickeln.
Salzburger Punkteschnitt im Saisonverlauf:
Trotz aller Probleme unter Vorgänger Thomas Letsch lag die Mannschaft ab Runde 12 Anfang November bis zum Trainerwechsel ununterbrochen auf dem ersten Tabellenplatz.
Mit der Bestellung von Beichler wollte der Verein "neue Impulse setzen", hieß es damals. Diese gab es nicht, das lässt sich heute sagen.
Entwicklung unter Daniel Beichler gegenüber Thomas Letsch:
Tore/Spiel | Gegentore/Spiel | xG | xG-Against | Gewichtete Punkte |
|---|---|---|---|---|
- 0,48 | + 0,09 | - 0,37 | - 0,14 | - 0,11 |
90minuten hat den Punkteschnitt der beiden Salzburger Übungsleiter nach Stärke der Gegner gewichtet, um die größere Herausforderung der Meistergruppe zu berücksichtigen. So relativiert sich das Defizit gegenüber Letsch von 0,59 auf 0,11.
Beichler kann man zugutehalten, dass seine Gegner vor dem Duell mit seinem Team im Schnitt besser in Form waren (7,46 Punkte in den letzten fünf Spielen) als noch unter Letsch (6,84 Pkt.).
Liefering zuletzt im Aufschwung
Seit der Trainerrochade in Salzburg sitzt Danny Galm auf dem Trainerstuhl des FC Liefering. Der 40-jährige Deutsche kam im Sommer zur U18 der Akademie und ist von dort nach oben nachgerückt. Einen Namen als Talenteentwickler gemacht hat er sich vor allem im Nachwuchs der TSG Hoffenheim, später auch beim FC Bayern.
Einen Knick haben die Ergebnisse nach Beichlers Abschied nicht genommen, im Gegenteil.
Entwicklung unter Danny Galm gegenüber Daniel Beichler:
Tore/Spiel | Gegentore/Spiel | xG | xG-Against | Gewichtete Punkte |
|---|---|---|---|---|
+ 0,50 | - 0,28 | + 0,58 | + 0,09 | + 0,73 |
Im Saisonfinish konnte sich Liefering deutlich gegen die Young Violets, die Admira und den FAC durchsetzen. Gegen den SKN St. Pölten gelang ein 0:0-Unentschieden.
Vor allem die verbesserte Durchschlagskraft in der Offensive spricht für Galm. Stürmer Philipp Verhounig ist das Aushängeschild dieses Aufschwungs. Dem 20-Jährigen gelangen seit Anfang März zehn Tore in elf Spielen.
Danny Galm im 90minuten-Interview:
Wiederum gibt es aber auch Begleitumstände zu berücksichtigen. Beichler musste im Sommer viele Stammspieler des Vorjahres verabschieden und neue, junge Spieler integrieren. Galm durfte im Frühjahr eine eingespielte Mannschaft übernehmen.
Umbruch im Sommer
Auch Red Bull Salzburg steht ein großer Umbruch bevor, der damit verbundene Ausverkauf hat schon begonnen. Jannik Schuster hat bei Brentford unterschrieben, Joane Gadou beim BVB. Kerim Alajbegovic wird den Verein verlassen, Mads Bidstrup soll vor einem Wechsel zu Olympique Lyon stehen.
Auch Keeper Alexander Schlager ist laut Medienberichten an einem Transfer interessiert. Ex-Sportdirektor Bernhard Seonbuchner könnte die Akademie in Richtung Bayern München verlassen.
Die Gründe für mehrere schwierige Jahre ziehen sich tief durch den Verein und sind nicht nur im Kader oder auf der Betreuerbank zu finden. Marcus Mann hatte seit seiner Ankunft im Winter Zeit, um sich ein Bild zu machen und Lösungen zu finden.
Viele Nachfolgekandidaten
Gerüchten zufolge ist die Trainersuche bereits angelaufen. Die 'Salzburger Nachrichten' zählen Stefan Leitl, Ralf Kettemann und Lukas Kwasniok zu den Kandidaten. Letzterer war zuletzt für den 1. FC Köln tätig, geriet dort aber für seinen Umgang mit Talent Said El Mala in die Kritik.
Aus Dänemark ins Spiel gebracht wurde Ex-BVB-Nachwuchstrainer Mike Tullberg. Der hat den FC Midtjylland gerade zum Vizemeister gemacht und steht dort noch bis 2029 unter Vertrag.
Wenn der aktuelle Liefering-Coach am Ende auch auf der Liste steht, sollte das niemanden überraschen. Galm und Mann kennen sich: 2009 waren sie Teamkollegen bei den Stuttgarter Kickers, später haben sich die Wege in Hoffenheim erneut gekreuzt. Mit Mehmet Sütcü wäre sein möglicher Nachfolger aktuell sogar bereits Co-Trainer in Liefering.
Daniel Beichler bleibt nach einer letztlich gebrauchten Saison auf einem Vertrag bis 2028 sitzen. Der 37-Jährige könnte von einem Neustart profitieren und seine Ideen an anderer Stelle weiterentwickeln.
Daniel Sauer