Die Ära Joao Sacramento beim LASK begann mit guten Vorzeichen: Ein Lehrling von Christophe Galtier, Marcelo Bielsa und Jose Mourinho sollte eine hochveranlagte, aber ungeschliffene Linzer Mannschaft nach modernen Ideen formen und entwickeln.
In der Praxis scheiterte das Vorhaben schon in den ersten Pflichtspielen. Unter Sacramento agierte der LASK nach vorne ineffizient, nach hinten ungeschickt.
Nach sieben Bundesliga-Runden nahm der Portugiese seinen Hut und musste die Mannschaft auf Platz zehn liegend an seinen Nachfolger übergeben.
Die überraschende Rückholaktion von Didi Kühbauer zwei Spieltage später ist aus heutiger Sicht ein Coup. Nach sechs Siegen in Serie war der Kontakt zur Tabellenspitze sofort wiederhergestellt.
Die LASK-Saison 2025/26:
Graue Linie: Durchschnittliche Punkte Bundesliga / Schwarze Linie: LASK-Punkte
Wenig überraschend glänzt Kühbauer mit dem höchsten Punkteschnitt aller Bundesliga-Trainer der Saison 2025/26. Und obendrauf mit dem höchsten Punkteschnitt eines während der Saison angestellten Trainers, der mindestens fünf Spiele betreut hat - mindestens seit 2018/19. Auch ein Doublegewinn ist selbstverständlich historisch.
Nicht untergehen soll aber, dass auch zwei seiner Kollegen in kürzester Zeit viel Positives bewirkt haben. Michael Köllner konnte Blau-Weiß Linz aus einer desolaten Situation zumindest in die Nähe des Klassenerhalts führen. Thomas Silberberger gelang dieser mit dem bereits "totgeglaubten" Wolfsberger AC.
Die Trainereffekt-Bilanz seit 2018/19:
mindestens 5 Ligaspiele im Amt; interaktive Grafik
Seit der Saison 2018/19 entschieden sich Bundesligisten 52 Mal für einen Trainerwechsel (im laufenden Bewerb) und beließen ihren neuen Übungsleiter für mindestens fünf Ligaspiele im Amt.
Es ist nicht alles Gold, was glänzt (und umgekehrt)
Nicht immer ist ein gleichbleibender Punkteschnitt ein Indiz für schlechte Leistung. Ognjen Zaric ist es hoch anzurechnen, dass er das von Fabio Ingolitsch gesteckte Niveau halten konnte. In Altach zählen die beiden zu den erfolgreichsten Trainern der letzten Jahre.
In Österreich bleibt es aber die Ausnahme, dass Ämter aufgrund von großem Erfolg vakant werden. Meistens erhoffen sich die Vereine von Nachfolgern mehr, als sie inmitten einer Saison - teils ohne Vorbereitung - liefern können.
In ein präziseres Urteil sollten diverse Faktoren einfließen: Verletzungen von Schlüsselspielern, Mehrfachbelastung, schwierige Phasen im Spielplan. Nach Trainerwechseln ist auch die "Regression zur Mitte" zu berücksichtigen. Es stellt sich die Frage: Spielt eine Mannschaft unter Trainer B tatsächlich besser, oder kehrt sie nur zu ihrem eigentlichen Leistungsvermögen zurück, das Trainer A nicht ausschöpfen konnte.
Wie dem auch sei - mit ausreichend hoch gesetzter Messlatte bleiben nur zwei Handvoll Trainer übrig, die in den letzten siebeneinhalb Jahren große Sprünge vollbracht haben. Einige von ihnen gleich mehrfach.
Trainerwechsel mit Verbesserung von Punkteschnitt (< 0,5), Toren und Gegentoren pro Spiel:
Saison | Trainer | Verein | Steigerung Punkteschnitt |
|---|---|---|---|
2025/26 | Thomas Silberberger | WAC | 1,50 |
2025/26 | Michael Köllner | Blau-Weiß Linz | 0,56 |
2024/25 | Manfred Schmid | TSV Hartberg | 1,02 |
2024/25 | Markus Schopp | LASK | 1,30 |
2023/24 | Andi Heraf | Austria Lustenau | 1,03 |
2022/23 | Markus Schopp | TSV Hartberg | 0,65 |
2020/21 | Damir Canadi | SCR Altach | 0,90 |
2020/21 | Andi Heraf | SV Ried | 1,40 |
2019/20 | Klaus Schmidt | Admira Wacker | 0,83 |
2019/20 | Robert Ibertsberger | SKN St. Pölten | 0,93 |
Auch Didi Kühbauer wäre in dieser Liste zwei Mal vertreten gewesen, hätte er die defensive Stabilität beim SK Rapid und LASK nicht ein Stück weit für mehr Erfolg geopfert. Dafür sticht bei seiner Person etwas anderes heraus: Im September 2018 verließ er den SKN St. Pölten, der nach neun Spielen mit 20 Punkten auf Platz 2 lag. Nachfolger Ranko Popovic hielt den Verein zwar knapp in der Meistergruppe und versenkte erst dort seinen Punkteschnitt, holte davor bis zur Ligateilung aber auch nur noch neun Zähler aus zwölf Partien.
Keine Garantie für Erfolg
Was aus dieser Liste ebenfalls klar hervorgeht, ist, dass große statistische Sprünge vor allem dann möglich sind, wenn der übernommene Verein bereits geprügelt am Boden liegt. Wie bereits festgestellt, ist das in vielen Fällen aber ohnehin eine Grundvoraussetzung für einen Trainerwechsel.
Dem gegenüber stehen rund 35 Prozent der 52 Trainerwechsel, nach denen sich die Ausbeute des Teams verschlechtert hat.
Auch der oft erhoffte kurzfristige Effekt ist nicht garantiert. Nur rund 50 Prozent der neuen Trainer übertreffen in ihren ersten fünf Spielen den Punkteschnitt ihrer Vorgänger. Das, obwohl Vereine den Einstieg häufig vor vermeintlich einfache Begegnungen legen. Eine eindeutige Verschlechterung war aber immerhin auch nur bei 13 Prozent zu beobachten.
Eine Meisterschaft in der Bundesliga gewonnen haben mit Jürgen Säumel und Didi Kühbauer überhaupt nur zwei Trainer.
2025/26 war eine Anomalie
Wenn Vereine also im kommenden September mit dem Gedanken eines Trainerwechsels spielen, um ihre Chancen auf Titel zu erhöhen, sei ihnen davon abgeraten.
Feststellen lässt sich Folgendes: Der gerade von Schwarz-Weiß Bregenz freigestellte Andi Heraf ist ein fähiger Feuerwehrmann. Thomas Silberberger wurde bei der Admira unter Wert verkauft. Miron Muslic war bei der SV Ried noch nicht der Trainer, der er heute ist. Klaus Schmidt hat seit 2018/19 fünf Mal einen Verein während der Saison übernommen. Nicht jeder Trainerwechsel führt zu Erfolg - egal ob kurz- oder langfristig. Dietmar Kühbauer versteht sein Handwerk.
Als Haupterkenntnis bleibt, dass die LASK-Saison eine absolute Ausnahme ist und bleiben wird.
Daniel Sauer