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Weiterentwicklung beim LASK, Offensivprobleme bei Sturm [Spiel-Analyse]

Der LASK gewann mit klar höherem Ballbesitzanteil gegen Sturm Graz, die auch nach Umschaltsituationen nur wenige Chancen herausspielen konnten. Zudem war eine Entwicklung im Ballbesitz-/Positionsspiel bei den Linzern zu erkennen.

+ + 90minuten.at Exklusiv + + Eine Spielanalyse von Simon Goigitzer

 

Im Vergleich zum Spiel gegen den SKN St. Pölten, welches sie mit 3:1 gewinnen konnten, änderte der LASK nur auf einer Position die Startaufstellung. Andreas Gruber startete für Husein Balic, der auf der Bank Platz nehmen musste. Beim SK Sturm Graz kam Kelvin Yeboah zu seinem ersten Startelfeinsatz für die Grazer. Niklas Geyrhofer startet statt Gregory Wüthrich und Jon Gorenc-Stankovic spielte statt Andreas Kuen in der Startformation.

 

LASK auf einem neuen spielerischen Niveau

Von Beginn an sah man, dass die Linzer die bestimmende Mannschaft sein werden, das taten sie in der gewohnten 3-4-3-Formation. Im Spielaufbau agierten sie in der 1. Aufbaulinie hauptsächlich in einer Dreierkette. Nur selten bewegte sich Gernot Trauner auf die Position von Peter Michorl oder James Holland. Gegen Rapid war das noch sehr oft geschehen (Viele hohe Bälle und Linzer Positionswechsel im Spielaufbau [Spiel-Analyse]). Die Linzer konnten durch die Dreierkette eine Überzahl in der ersten Aufbaulinie gegen die erste Pressinglinie der Grazer, die in einer 4-1-2-1-2-Formation pressten, schaffen.

Erkennbar war, dass sie in diesem Spiel sehr viel über die Flügel oder die Halbräume nach vorne kamen. Sie versuchten sehr oft gegen die Außenverteidiger eine 2-gegen-1-Situation schaffen, in der der Außenspieler den äußeren Stürmer hinterlief und dadurch in eine gute Flankenposition kam.

Thomas Goiginger und Andreas Gruber waren die beiden äußeren Stürmer in der vordersten Offensivreihe und bewegten sich hauptsächlich in den Halbräumen. Vor allem über Goiginger, der den linken Halbraum besetzte, kamen sehr viele Angriffe, wenn der Spielaufbau über die rechte Seite eingeleitet wurde. Das heißt, dass der LASK oft mit flachen diagonalen Bällen von der rechten Seite des Spielfeldes Goiginger im linken Halbraum anspielten. Dazu ein Beispiel aus der 24. Minute. (Abbildung 1)

Abbildung 1: Flacher Diagonalpass auf Goiginger im Halbraum

Philipp Wiesinger bekam im Aufbau den Ball und konnte sich in einer 1-gegen-1-Situation gegen Yeboah durchsetzen und spielte daraufhin den diagonalen flachen Pass auf Goiginger, der sich sehr gut zwischen den Gegenspielern im freien Raum positionierte. Das Zuspiel kam allerdings auf den rechten Fuß, sodass sich der Stürmer bei der Mitnahme nach hinten drehen mussten und in der Anschlussaktion versuchte aus der Drehung den tiefen Pass zum hinterlaufenden Marvin Potzmann zu spielen. Zwar resultierte der Pass in einem Ballverlust, jedoch konnte man in dieser Szene wie klug sich Goiginger hier positionierte und das von Wiesinger auch gesehen wurde.

Allerdings traf Goiginger in solchen Situationen nicht oft die richtigen Entscheidungen, sodass der Angriff sehr schnell wieder in einem Ballverlust resultierte. Der Offensivspieler machte vor der Ballmitnahme zu selten einen Schulterblick und konnte daher die Situation mehrmals schlecht bewerten. Beispielsweise in der Situation von Abbildung 1 hätte er, da er nach der Ballmitnahme mit dem Rücken zum Tor steht einfach einen Rückpass auf Michorl spielen und sich wieder nach vorne orientieren können. Auch strahlte er in ähnlichen Situationen viel Hektik aus und wollte den Ball sehr schnell in die Tiefe spielen, was allerdings auch zu einem Ballgewinn der Grazer führte.

Den ballfernen Halbraum besetzten und auch noch bespielen war jedoch nicht die einzigen Lösungsansätze der Linzer, um gegen die Grazer Chancen zu kreieren. Michorl kippte in der ersten Halbzeit einige Male auf den linken Flügel ab und sorgte dafür, dass die Linzer entweder einen Raumgewinn haben oder den Angriff in das letzte Drittel bekommen können. Wie zum Beispiel in der 11. Minute. (Abbildung 2)

Abbildung 2: Michorl bewegte sich auf den Flügel und gab Filipovic mehrere Optionen im Spielaufbau.

Petar Filipovic bekam im Spielaufbau den Ball. Während sich der Innenverteidiger aufdrehte, bewegte sich Michorl auf den linken Flügel. Dabei zog er Hierländer raus, der auch nach dem Pass vom Innenverteidiger auf den Flügel, den zentralen Mittefeldspieler attackierte. In der Anschlussaktion spielte Michorl auf Potzmann. Der LASK musste zwar dann wieder zurückspielen, hatte jedoch ein wenig Raumgewinn im Aufbau und zudem sah man, welche Möglichkeiten sich durch diese Bewegungen ermöglichen. Filipovic schaute sich vor der Ballmitnahme nicht und konnte daher wahrscheinlich nicht sehen, wie viel Platz er eigentlich vor sich hatte. Der Innenverteidiger hätte die Angriffsphase ein wenig besser einleiten können, sodass die Linzer ins letzte Drittel gelangen. Hätte der Abwehrspieler einen Schulterblick gemacht, hätte er den Ball auch daraufhin mit dem ersten Kontakt gleich nach vorne mitnehmen und den Raum, den Michorl verlassen hat, andribbeln können. Somit hätte er auch Goiginger mit einem kürzeren vertikalen Pass im Zwischenlinienraum anspielen können oder durch das Andribbeln wäre Stefan Hierländer auf den Ballführenden gegangen und Michorl hätte noch mehr Platz am Flügel.

Auch gut zu sehen war, wie der LASK kleine Fehler im Pressing von den Grazer ausnützte. Bewegte sich Trauner auf die Sechserposition, so wurde er meistens umgehend von Ivan Ljubic manngedeckt. Hier ergab sich das Problem bei den Grazern. Einige Male ging Ljubic auch mit Trauner mit, wenn er sich wieder in die Innenverteidigung bewegte und so öffnete sich der Raum hinter der erste Pressinglinie. Hier ein Beispiel. (Abbildung 3)

Abbildung 3: Ljubic hinterlässt Raum, in den LASK sofort hineinspielte.

Trauner bewegte sich im Spielaufbau auf die Sechserposition. Der Innenverteidiger bekam den Ball und wurde daraufhin von Ljubic attackiert. Der Kapitän der Linzer spielte auf Wiesinger weiter. Durch das Herausattackieren von Ljubic war James Holland komplett frei im Mittefeldzentrum und konnte von Wiesinger mit dem ersten Kontakt angespielt werden.

Im Pressing agierten die Linzer im gewohnte 3-4-3, wobei in der vordersten Reihe oft ein 1-2-Staffelung zu sehen war. Johannes Eggestein stellte meistens Stankovic zu und die beiden äußeren Stürmer konnten die Innenverteidiger mannorientiert anlaufen. Des Weiteren versuchten die beiden zentralen Mittelfeldspieler die Achter der Grazer zuzustellen.

 

Sturm mit guter Entscheidungsfindung nach Ballgewinn

Der SK Sturm Graz hat bis jetzt einen sehr großen Fokus auf offensive Umschaltsituationen im Angriffsspiel gelegt. Genauer beschrieben wurde das in der Mannschaftsanalyse: Sturm Graz unter Christian Ilzer: Erfolgreicheres Pressing und dominantes Auftreten im Ballbesitz [Mannschafts-Analyse]. Auch gegen den LASK konnte man diesen Fokus sehen. Vor allem nach Ballgewinn kam es zu den typischen Tiefenläufen von den beiden Stürmern, die mit einem tiefen Pass in eine gute Schussmöglichkeit gebracht werden sollten. Da Jakob Jantscher fehlte, übernahm Yeboah den Stürmer-Part vom 32-Jährigen. Das heißt, dass er sich oft auf den linken Flügel fallen ließ und von dort in ein 1 gegen 1 Situation ging oder auch Querpässe auf die zweite Stange, wo Kevin Friesenbichler oft stand.

Jedoch war in diesem Spiel sehr gut erkennbar, dass die Grazer nach Ballgewinn sehr oft eine situationsgerechte Entscheidung trafen und somit das Gegenpressing der Linzer überspielen konnten. Immer wieder gingen einzelne Spieler in das Dribbling und lösten sich aus der Gegenpressingsituation heraus oder die Grazer konnten sich mit klugen Pässen herauskombinieren. Allerdings war dann oft die Anschlussaktion das Problem, wieso Sturm nicht wirklich zu Großchancen gekommen war. Sie agierte oft zu hektisch im Konter und trafen zu oft die falsche Entscheidung. Mehrmals versuchten Spieler schon sehr früh den „finalen“ Pass zu spielen, der den Stürmer in eine 1-gegen-1-Situation mit dem Tormann bringen sollte, übersahen jedoch eine bessere Passoption, wodurch sie den Konter besser ausspielen hätten können.

Die Grazer taten sich gegen das hohe Pressing der Linzer sehr schwer das Spiel aufzubauen. Daher wählten sie auch schon sehr früh den hohen Ball auf den Stürmer. Dabei war jedoch das Problem, dass die beiden Stürmer oft zu weit auseinander standen und nach einem gewonnem Kopfballduell konnte keiner den weitergeleiteten Ball mitnehmen. Zudem kamen die hohen Bälle aus der 1. Aufbaulinie sehr ungenau, sodass es sehr oft in einem Ballverlust resultierte.

Aber es gab einige Szenen, in denen die Grazer das Pressing sehr wohl überspielen konnten. Besonders nach Abstößen. Beim Abstoß stellte sich Stankovic neben Jörg Siebenhandl und agierte als zentraler Innenverteidiger in einer situativen Dreierkette. Da Eggestein im Pressing Stankovic mannorientiert zustellte, gab es nun ein Pressinglinie mit drei Spieler auf einer Linie und kaum Staffelung im Zentrum. Dadurch ergab sich auch Platz zwischen Angriff und Mittelfeld in denen die Grazer hinein spielen konnten. Besonders über die linke Seite funktioniert der Aufbau dann sehr gut und Sturm konnte einige Male das Pressing überspielen und in den ballfernen Raum passen. Allerdings hätten sie dies auch viel öfters probieren können, um noch mehr kontrollierteren Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte zu haben. Hier ein Beispiel aus der 16. Minute und Lösungsvorschläge: (Abbildung 4)

Abbildung 4: Siebenhandl hat mehrere Möglichkeiten im Spielaufbau, wählt jedoch den hohen Ball nach vorne.

Siebenhandl hat den Ball und hat zwar die Innenverteidiger als Anspielstation, allerdings wartet die erste Pressinglinie der Linzer nur auf den Pass auf einen Abwehrspieler, um zu attackieren. Eine Möglichkeit wäre, dass Geyrhofer weiter am Flügel steht und somit einen besseren Passwinkel auf Otar Kiteishvili hat oder auch die Option hat den Ball nach vorne zu dribbeln. Auch wäre es möglich, dass Siebenhandl ein wenig andribbelt und auf die Reaktion der Linzer schaut. Hätte Gruber attackiert und den Innenverteidiger in den Deckungsschatten gestellt, wäre für den Goalie der vertikale Pass auf Kiteishvili möglich gewesen. Nach dem Kameraschwenk sah man auch, dass der 10er von Graz komplett frei stand und sich aufdrehen hätte können. Stellt jedoch Gruber den Achter in den Deckungsschatten, könnte Geyrhofer wieder angespielt werden, der wieder die Optionen nach vorne dribbeln oder einen diagonalen Pass in das Zentrum zu spielen hätte.

 

Fazit

Beim LASK ist eine klare spielerische Weiterentwicklung zu erkennen und sie finden auch immer wieder schön anzuschauende Lösungen, um das Pressing des Gegners zu überbrücken. Man sieht immer mehr die Entwicklung, dass sie langsam vom hohen Ball weggehen und Angriffe spielerisch lösen.

Sturm Graz tat sich gegen die hochpressenden Linzer schwer Chancen herauszuspielen. Besonders in der zweiten Halbzeit hatte man wenige Lösungen im Spielaufbau. Allerdings sind die Grazer gerade im Vergleich zum Vorjahr in einer sehr guten Phase und machen immer wieder Entwicklungsschritte nach vorne.

 

 

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