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Markus Schopp: „Der Verein hat zu definieren, wie man spielen will.“ (2)

Hartberg-Trainer Markus Schopp spricht im Interview mit 90minuten.at über seine Entwicklung als Trainer, seine Zeit mit Pep Guardiola und seinen Weg beim TSV Hartberg.

90minuten.at: Derzeit werden gerne Diskussionen über die verdienstvollen Spieler geführt. Sie waren ja in den Nullerjahren ein solcher Legionär. Wie stehen Sie dazu?

Schopp: Meiner Meinung nach gibt es keinen perfekten Weg. Christian Ilzer ist für mich ein tolles Beispiel für einen, der seine aktive Karriere früh nicht weiter führen konnte. Er hat extrem früh Erfahrung als Trainer sammeln. Er wird jetzt 40 und hat 20 Jahre als Trainer gearbeitet. Ich habe bis 34 gespielt, andere spielen noch länger. Dieser Vorsprung, den sich da manche erarbeiten, den mit einem Wimpernschlag wegzuwischen, das wäre arrogant und überheblich. Das würde ich nie sagen. Auf der anderen Seite weiß ich, was es heißt, auf höchstem Spielerniveau Erfahrungen zu sammeln. Da sind Dinge dabei – wenn man die richtigen Schlüsse draus zieht – die ganz einfach unbezahlbar sind. Die können die, die das nicht haben, nie wiedergeben. Es gibt aber meiner Meinung nach viele Wege, jeder muss das für sich selbst definieren. Bei mir hat es wohl auch deshalb länger gedauert, weil ich extrem akribisch bin.

 

90minuten.at: Meines Wissens nach hätten manche Personen im Sturm-Umfeld Sie gerne als Sturm-Trainer weiter behalten.

Schopp: Ich habe eben gesagt, dass ich das nur bis Saisonende mache. Es ist für die Medien nachher nicht interessant, aber ich habe den Schritt für mich viel früher definiert, als es dann kommuniziert wurde.

 

"Wir investieren richtig viel, beispielsweise in der Verletzungsprophylaxe, der Spielanalyse, in Bereichen, wo wir der Meinung sind, dass wir profitieren können. " - Markus Schopp

90minuten.at: Kommen wir zum TSV Hartberg. Von den elf meisteingesetzten Spielern in der Liga sind sieben Neuzugänge. Die Lizenzfrage hat dazu geführt, dass man quasi bei Null angefangen hat. Auch für Sie. Wie sind Sie das angegangen?

Schopp: Es war für mich keine Situation, mit der ich gerechnet hatte. Ich war damals Spielanalyst beim SKN, da ging es um alles. Darum habe ich das Thema erst nach der Relegation an mich heran gelassen. Die Gespräche waren schnell sehr zielführend. Mir war klar, dass die Mannschaft in dieser Form nicht zusammen gehalten werden kann. Im Frühjahr habe ich für den SKN schon die für den Aufstieg in Frage kommenden Zweitligisten analysiert. Vier Mannschaften hätten unsere Relegationsgegner sein können und somit hatte ich insgesamt ein sehr gutes Bild von der zweiten Liga. Ich habe dann ein Bild vom TSV Hartberg aufgezeigt, dass zu ihm passen kann. Es würde nicht passen, nur Legionäre und verdienstvolle, aber Spieler zu holen. Es müssen junge, hungrige Leute, die am Sprung sind. Die habe ich mir zuerst angesehen. Dann Spieler, die von Verletzungen zurück kommen, die eine durchwachsene Saison oder zwei hatten – Spieler, die Potential, Kraft und Energie haben, weiter zu wachsen. Mit diesen Profilen bin ich gemeinsam mit Erich Korherr an die Berater und Manager heran getreten. Auch der  steirische Bezug war uns wichtig, weil es in der Steiermark viele gute Spieler gibt, die nicht alle beim SK Sturm spielen können. Das waren die ersten Gedanken. Es haben eben viele Spieler den Verein verlassen, die für den Aufstieg mitverantwortlich waren und die eins zu eins zu ersetzen, war nicht möglich. Darum war es mir wichtig, im Profil der Spieler Kriterien zu haben. Wir sind sehr bedacht vorgegangen und die ersten zehn Runden bestätigen uns. Wir wissen aber auch, dass wir in der Quantität unsere Limits haben, wir können nicht jede Position doppelt besetzen. Darum haben wir auch polyvalente Spieler geholt.

 

90minuten.at: Wie stehen die Spieler dazu, die zum Teil zwei Mal aufgestiegen sind und jetzt in der Bundesliga zuschauen müssen?

Schopp: Mir ist es schon wichtig zum Ausdruck zu bringen, dass es ohne sie nie so gekommen wäre. Ich will jedem Spieler das Gefühl vermitteln, dass ich mit ihnen gemeinsam etwas entwickele. Ich möchte von ihnen lernen, will aber auch, dass sie von mir lernen. Es soll allen um das Projekt Hartberg gehen und darum, dass wir unser Ziel erreichen, in der Liga zu bleiben. Das ist ein ambitioniertes, aber realistisches Ziel.

 

90minuten.at: Hätten Sie gedacht, dass Hartberg nach zehn Runden nur drei Punkte weniger als Rapid hatn?

Schopp: Ehrlich gesagt nicht. Wir wissen, woher wir kommen und welche Mittel wir haben. Wir investieren richtig viel, beispielsweise in der Verletzungsprophylaxe, der Spielanalyse, in Bereichen, wo wir der Meinung sind, dass wir profitieren können. Das machen die anderen Vereine auch, aber wir wollen für uns jedes Detail bestmöglich ausnützen, es aber auch einfach halten wollen, um die Spieler dann nicht auch zu überfordern. Das ist jetzt aber eine nette Momentaufnahme. Wenn man zudem alle Spiele analysiert, hätten es mehr Punkte sein können oder gar müssen. Wir dürfen Glück und Pech aber auch nicht überstrapazieren. Ich darf nicht sagen, dass ich in Wolfsberg Glück hatte und in der Woche davor Pech gegen die Austria. Es gibt immer Gründe und wir versuchen, genau hinzuschauen. Was für mich wichtig ist, ist die Einschätzung eines Aufsteigers. Normal ist das eine Mannschaft, die mit extrem viel Euphorie in die nächste Liga kommt, mit dem gleichen Personal, verstärkt durch drei, vier Puzzlesteine, die Erfahrung mitbringen. Das haben wir in der Form nicht. Wir haben Leute gesucht, die bei diesem Neustart dabei sein wollen. Wir mussten infrastrukturell extrem viel bewegen, da sind sehr viele finanzielle Mittel in Bereich gegangen, die anderswo in die Mannschaft gegangen wären. Das unterscheidet uns von einem traditionellen Aufsteiger.

 

90minuten.at: Hartberg ist sicherlich einer der Aufsteiger der letzten Jahre, der am wenigsten finanzielles Pouvoir hat. Was sagt das über die Liga aus, wenn man mit so wenig Mitteln so viel erreicht?

Schopp: Der Fußball ist ja auch deshalb so interessant und spannend, dass es diese Geschichten gibt. Jeder arbeitet drauf hin, dass man mit wenig Möglichkeiten viel erreichen kann. Aber ich will die Tatsache erwähnen, dass jene Vereine, die wesentlich mehr Budget haben, auch mehr zu verlieren haben. Wir haben auch etwas zu verlieren, aber Mannschaften mit größerem Budget haben einen anderen Druck. Wenn Rapid, Sturm, Austria oder Salzburg gegen Hartberg spielen, dann ist es ganz klar, wer Favorit ist.

 

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