Ilzer über Austria-Zeit: "Persönliche Niederlage"
Der Cheftrainer des SK Sturm Graz sprach bei der Sky-Sendung "Talk und Tore" über seine Zeit bei der Wiener Austria und mögliche Wintertransfers.
In der ersten Woche hat er mir immer die Bälle in den Wald runtergeschossen und ich bin sie holen gegangen
Für die Außendarstellung, für die Vorstellungen des Klubs, war es dann auch einfach zu wenig
Christian Ilzer (Trainer SK Puntigamer Sturm Graz):
...auf die Frage, ob sich bei Sturm im Wintertransferfenster noch was tun könnte: „Könnte! Wenn wir das umsetzen können, was wir jetzt so in unseren Köpfen haben, dann könnte möglicherweise noch was passieren. Aber es ist überhaupt nicht zwingend. Wir werden sicher nicht die Variante E, F oder G machen. Wir haben ganz klare Vorstellungen. Wir haben einen Kader, der funktioniert. Wir haben Spieler, die sich wirklich durch ihre Leistungen so gezeigt haben, dass wir ihnen einfach auch weiter das Vertrauen schenken. (...) Unser Team funktioniert. Und man darf auch nie vergessen, jede Neuerwerbung sorgt für mindestens zwei unzufriedene Spieler: Einer, der dann nicht spielt und einer, der dann nicht im Kader ist. Also wollen wir uns das Schema, auch was die Struktur in unserer Mannschaft betrifft, sehr, sehr genau überlegen. Und wenn, dann muss der wirklich schnell funktionieren.“
...auf die Frage, ob der Schritt zu Sturm der absolut richtige gewesen sei: „Ja, sicher. Aber wie gesagt, es war dann jeder Schritt, den ich gemacht habe, jede Mannschaft, die ich trainiert habe, für mich persönlich wichtig. Auch wenn schwierigere Jahre dabei waren, brauchst du das wahrscheinlich auch einmal im Laufe einer Karriere, dass du mit Misserfolg umgehen kannst, dass du durch schwierige Phasen durchgehen kannst, aus Fehlern lernst und die Erfahrungen mitnimmst. Ich habe in einer schwierigen Phase meiner Trainerkarriere die Möglichkeit gekriegt, den SK Sturm zu trainieren und ich bin sehr dankbar für diese Chance gewesen. Und ein halbes Jahr später kann ich nur sagen: Es war die absolut richtige Entscheidung für mich.“
...über eine lustige Anekdote mit Andreas Herzog beim Trainerkurs: „Ich muss sagen, bei der A-Lizenz hat mich der Andi so ein bisschen durchgerettet. Ich habe mir zwei Tage bevor der A-Lizenzkurs begonnen hat das Kreuzband gerissen. Dann komme ich am Montag zum Kurs und wenn ich das sage, dann bin ich wahrscheinlich draußen. Und dann sagen sie, und der Andi auch, zu mir: Das machen wir schon, wir schleppen dich schon irgendwie durch. In der ersten Woche hat er mir immer die Bälle in den Wald runtergeschossen und ich bin sie holen gegangen. Und so bin ich dann irgendwie über die praktischen Übungen drüber gekommen. Und in der zweiten Woche war ich dann im Tor. Also noch einmal danke (lacht).“
...darüber, was er aus seinem Engagement bei der Austria lernen konnte und nach Graz mitnehmen konnte: „Ich bin in letzter Zeit sehr, sehr oft auf die Austria angesprochen worden. Ich habe es noch nicht ganz weggebracht vom Tisch. Es ist für mich jetzt gedanklich schon ähnlich weit weg wie Hartberg oder der WAC, weil ich so mitten drinnen bei Sturm Graz bin. Es waren natürlich enorm viele Dinge, die ich bei der Austria oder in dem Jahr gelernt habe. Es war erstmal richtig Krisenmanagement gefragt, es war große Flexibilität gefragt, auch mit Misserfolg umzugehen. Man lernt auch über sich selbst einiges. Man darf Fehler machen und man muss aus Fehlern lernen. Es dürfen halt nicht so viele passieren, damit du nicht aus dem Spiel geworfen wirst. Und wenn dir das gelingt, dann glaube ich, kannst du den Schritt für dich selbst als erfolgreichen Schritt einordnen. Wobei, wenn man das Jahr im Rückspiegel betrachtet, dann haben wir es schon geschafft die Mannschaft zu stabilisieren, viele junge Spieler einzubauen und wir sind auch ergebnistechnisch viel stabiler geworden. Also man hat schon Schritte, auch wenn es nur sehr kleine waren, nach vorne bemerkt. Insgesamt für die Außendarstellung, für die Vorstellungen des Klubs, war es dann auch einfach zu wenig – wahrscheinlich auch für das, was ich mir erwartet habe. Deswegen kann man es dann als persönliche Niederlage einordnen, aber ich habe genügend Lehren mitgenommen. Also von dem her bin ich für mich als Trainerpersönlichkeit sicher gewachsen dadurch.“
...über den Abgang von Emeka Eze: „Ich freue mich für ihn, dass er jetzt endlich wieder einen Verein gefunden hat, wo er hoffentlich wieder voll angreifen kann. Wir haben diese Entscheidung im Sommer getroffen und das haben wir ihm so mitgeteilt. Wie gesagt, wir haben diese Themen sehr intensiv ausdiskutiert, haben uns dann für einen Weg im Sommer entschieden, was die Personalsituation betrifft und ich finde, wenn man solche Entscheidungen trifft, dann sollte man sie auch durchziehen.“