David Wimmleitner: "Angst vor einer neuen Dorfliga"
Zu Gast bei „Talk & Tore - Die Tipico Fußballdebatte" waren am Sonntag LASK-Trainer Oliver Glasner, Liefering-Coach Thomas Letsch, BW Linz-Vorstand Sport David Wimleitner und Wr. Neustadt-Spieler Andreas Schicker. Hier einige Aussagen des von Gerfried Pröll moderierten Live-Talks.
Thomas Letsch:
über den persönlichen Meisterwunsch: Es wird beim FC Liefering sehr viel über Ausbildung gesprochen. Wir haben viele junge Spieler, wollen sie weiterentwickeln und nach oben bringen. Im Idealfall werden sie Stammspieler bei Red Bull Salzburg. Aber das eine schließt das andere nicht aus. Ich wollte von Anfang an auf diese Ausbildungsziele hinweisen, ganz klar, aber auf der anderen Seite wollen wir auch Mannschaftserfolg haben.
über sich, das Interesse von Altach und künftige Trainerstationen: Mich hat es gefreut, dass ein Bundesligist Interesse hat. Ich fühle mich jedoch sehr wohl und mit meiner jetzigen Aufgabe bin ich noch nicht am Ende. Was man nicht vergessen darf, ich bin auch noch als sportlicher Leiter tätig und das schon das fünfte Jahr. Ich werde diese Aufgabe am Ende der Saison abgeben, weil ich mich als Trainer sehe. Bernhard Seonbuchner wird die Aufgabe übernehmen. Er wird mich ablösen, weil es nicht mit meinen Aufgaben als Trainer vereinbar ist. Diese Entscheidung hat auch zur Folge, dass Liefering nicht das Ende sein soll.
zur Ligenreform: Ich befürchte, dass es einen Rückschritt geben wird, sowohl was das Sportliche belangt als auch in den Strukturen und der Organisation. Das wäre für die jungen Spieler schade. Denn sie sollten ein hohes Niveau haben und eine gute Plattform, so wie sich das jetzt präsentiert. Trotzdem war die Reform für den gesamten österreichischen Fußball notwendig, vor allem für die oberste Spielklasse.
über das bevorstehende Spiel in der Youth-League gegen Barcelona: Ich sehe die Chancen sehr groß. Das ist Werbung für ganz Österreich. Wir nehmen diesen Wettbewerb sehr ernst. Ich gehe davon aus, dass Xaver Schlager dabei ist. Es ist möglich, international für Furore zu sorgen. Unsere Jungs spielen durch die Bank im Erwachsenen-Fußball. Es hat sich gezeigt, dass es für die Spieler schwieriger ist, ein Duell gegen Wiener Neustadt, Blau Weiß Linz oder den LASK zu spielen als gegen Gleichaltrige, die fußballerisch höchstes Niveau haben. Ich traue den Jungs zu, dass sie den Pott holen.
Man braucht noch einige Punkte, weil es heuer kein Mittelfeld gibt.
David Wimleitner:
über notwendige Veränderungen im Winter: Wir haben in der Übertrittszeit sehr gut gearbeitet und den Kader vergrößert. Wir wollten auf Gesperrte und Verletzte reagieren können. Die Vorbereitung unter Klaus Schmidt war sensationell. Das macht sich jetzt bezahlt. Trotzdem kommen wir von da hinten nicht weg. Es bleibt knapp und es ist sehr, sehr spannend.
über Trainer Klaus Schmidt: Es war wichtig, dass man auf dieser Position jemanden bekommt, der das Optimum aus den Ressourcen holen kann und auch nicht in dieser Situation auf die Mannschaft draufhaut. Das Mannschaftsgefüge ist intakt und es war wichtig, dass man das nicht zerstört. Der Klaus ist gekommen und hat richtig geile Führungsqualitäten. Er hat ihnen wieder Selbstvertrauen eingehaucht und das sieht man auch.
über seine Rückkehr zum Verein und die Vorstands-Position: Die Phase, wo es beim Verein nicht gelaufen ist, hat mir richtig weh getan. Spieler haben mich damals angerufen. Da habe ich mir überlegt, was ich bewegen kann und wo ich eine Veränderung im Verein einleiten kann. Dann haben wir meine Funktion gefunden. Das hat bis jetzt ganz gut geklappt.
betrachtet die Ligenreform skeptsich: Sportlich betrachtet wird es leichter. Junge Spieler haben derzeit wenig Zeit, sich zu entwickeln. Sie müssen gleich funktionieren. Von dem her ist es in Ordnung. Ich habe Angst vor dem Aufweichen der infrastrukturellen Richtlinien, dass es wieder zu einer Dorfliga mit Amateurmannschaften verkommt. Ich bin zweigeteilt. Ich glaube auch, dass es eine Schnellschussreaktion war. Letztes Jahr hat man noch überlegt, ob man zwanzig Profivereine zusammen bekommt. Auf einmal ist die Ligenreform beschlossen worden, ohne dass jemand gewusst hat, was auf einen zukommt. Längerfristige Verträge zu vergeben, vor allem für Vereine mit kleinerem Budget und künftig weniger Fernsehgeld, das ist keine einfache Situation. Wenn ich sowas beschließe, dann muss das Ganze vorher stehen und jeder Bescheid wissen. Darum stehe ich der Reform eher kritisch gegenüber.
Andreas Schicker:
über den intensiven Abstiegskampf: Man braucht noch einige Punkte, weil es heuer kein Mittelfeld gibt. Ich glaube, dass man über 40 Punkte braucht, damit man über dem Strich ist. Wir hätten es uns schöner machen können, weil wir einen sehr guten Herbst gespielt haben. Wir haben uns ein wenig zurückgelehnt. Ich habe mich als Spieler selber dabei ertappt, habe gedacht, dass es ein gemütliches Frühjahr wird. Wir wollten uns spielerisch weiterentwickeln, haben aber verabsäumt, auf die notwendigen Tugenden zu achten, wie zweite Bälle und gewonnene Zweikämpfe. Dann kommst du in eine Negativspirale rein. Dann kannst du den Schalter nicht einfach umlegen. Aber jetzt sind uns die drei Punkte gelungen und wenn es so weiter geht, dann glaube ich auch, dass wir es packen werden.
über die wirtschaftliche Situation in Wiener Neustadt: Es wird alles dafür getan, dass wir die Lizenz wieder bekommen. Es ist nie selbstverständlich, dass man im Vorfeld schon sagen kann, dass man sie hat. Aber ich weiß, dass Katja Putzenlechner und Thomas Puchegger alles versuchen um Sponsoren zu finden. In Wiener Neustadt hat das in den letzten Jahren immer gut geklappt. Das ist ein super geführter Verein. Man bekommt das Geld immer pünktlich und jedes Vertragsdetail wird eingehalten.
über das Leben mit der Hand-Prothese: Es ist überhaupt kein Thema mehr. Die Bewegungsabläufe sind ganz normal. Ich denke in keinem Zweikampf mehr an die Hand. Es ist auch im Fußball der Alltag eingekehrt, es interessiert niemanden mehr und das ist das schönste. Letztens hat mich sogar ein Assistent angesprochen, ob ich einen Gips habe.
über die Ligenreform: Es ist schade um die Sky Go Erste-Liga, aber es ist trotzdem der richtige Schritt. Es ist grenzwertig, Profifußball zu spielen. Deswegen ist es der richtige Weg, dass man dann Amateure in der zweiten Liga hat. Besser so als weitere Konkurse.