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"Wenn die Sportvereine gegeneinander kämpfen, ist die Politik lachender Dritter"

Die Initiative "Sturm braucht eine Heimat" übt heftige Kritik an Stadt und Land und fordert einen Zusammenschluss der Grazer Sportvereine im Kampf für brauchbare Infrastruktur.

Die Stellungnahme der Initiative im Wortlaut:

Mit Verwunderung, aber auch Bedauern haben wir gestern jenen Artikel in der Kleinen Zeitung zur Kenntnis genommen, in dem die Präsidenten dreier Sportdachverbände öffentlich Stellung gegen den Wunsch zahlreicher steirischer und Grazer Fußballfans, nämlich die Zwei-Stadien-Lösung für Graz, bezogen haben.

Da sich aber auch in unseren Reihen zahlreiche Personen befinden, die neben ihrer Leidenschaft für Fußball auch anderen Sportarten nachgehen, verstehen wir nur zu gut, woher diese Ängste rühren. Tatsächlich bekommen Sportler, egal ob Einzelsport oder Mannschaftssportarten, in Graz kaum Unterstützung von der öffentlichen Hand. Förderungen wurden in den letzten Jahren von Nagl & Co. radikal zusammen gekürzt, für den jeweiligen Sport bleibt nach Verteilung des Restes kaum etwas über. Und nun kommen die Fußballer und wollen sich auch noch diesen Rest unter den Nagel reißen?

Nein, wollen sie nicht!

Wir bitten, in dieser Diskussion nicht zu vergessen, dass allein Sturm mehrere Millionen Euro an Steuern und Abgaben pro Jahr an die öffentliche Hand überweist. Dazu kommen noch die Ausbildungskosten für hunderte jugendliche Buben und Mädchen. Zudem betreibt Sturm eine Special-Needs-Mannschaft, für die, laut unserer aktuellsten Informationen, trotz hunderter Bettelbriefe keine Sponsoren gefunden wurden und die daher aus dem laufenden Budget bezahlt werden muss. Niemand will Lob dafür, aber es ist auch anzuerkennen, dass Sturm kein Nettoempfänger, sondern vielmehr Einzahler ist und zusätzlich gesellschaftliche Verantwortung übernimmt.

Dies alles soll aber natürlich keine Rechtfertigung dafür sein, dass andere Sportarten kein Geld mehr bekommen sollen. Die im Sport gängige Mär vom „Parasiten Fußball“, der den Sport aussaugt, stimmt so aber einfach nicht!

Wie bereits erwähnt kennen wir die Situation der anderen Sportarten und daher unterstützen wir die Forderung, dass dem Breitensport mehr Förderungen zugeteilt werden müssen – so wie es in anderen österreichischen Städten übrigens gang und gäbe ist – zu 100%!

Wir sehen in dieser Forderung jedoch keinen Widerspruch zu jener nach einer Zwei-Stadien-Lösung für Graz. Würde Sturm die Pacht für das Stadion Liebenau übernehmen, ersparte sich die Stadt bis zu 1,6 Millionen Euro jährlichen Verlusts(!) bei den Betriebskosten des Stadions. Nach ca. 10 Jahren wäre der Bau eines zweiten Stadions für den GAK refinanziert. Zusätzlich würde Sturm auch Eigenmittel in die Stadionrenovierung stecken und der Stadt damit helfen, zu sparen. Die Kosten für diese notwendigen Renovierungen würden sonst zur Gänze an der Stadt hängenbleiben.

Somit ist klar ersichtlich, dass den anderen Sportarten mit dieser Lösung kein einziger Cent weggenommen werden würde. Trotzdem bekämen sie nach wie vor zu wenig Geld, aber dafür kann der Fußball nichts, vielmehr handelt es sich um die Schuld von Nagl & Co.

Sturm war schon früh ein Förderer anderer Sportarten, betrieb Box-, Eisstock-, Handball- und Leichtathletiksektionen. Uns war seit jeher nie nur der Fußball, sondern der Sport im Gesamten ein Anliegen.

Wenn die Sportvereine gegeneinander kämpfen, ist die Politik lachender Dritter. Kämpfen wir jedoch gemeinsam, wird Graz vielleicht doch wieder einmal eine Sportstadt, wie sie es vorgeblich ja sein möchte.

PS: Für auswärtige Vereine ist anscheinend genug Geld da. Die Stadt Graz übernahm die Kosten für das Bankett der Vereine WAC und AS Roma am Schlossberg. Dies kostete vermutlich mehr, als so mancher Grazer Sportverein im Jahr als Förderung bekommt.

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