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"Kein Wort wird verloren, dass tausende Fans homophobe Sprechchöre anstimmten"

Die Interessensgemeinschaft "Fußballfans gegen Homophobie" kritisiert ORF und Vereinsverantwortliche, dass Homophobie und entsprechende, lautstarke Sprechchöre sowie Transparente nicht thematisiert werden. (Statement: Facebookseite Fußballfans gegen Homophobie)

Das vergangene Wiener Derby Rapid gegen Austria sorgte wieder einmal für negative Schlagzeilen. Nachdem einige Zuschauer_innen Feuerzeuge, Münzen und Bierbecher in Richtung von Austria-Spielern geworfen hatten, musste das Match in der ersten Halbzeit unterbrochen werden. Kurz vor Abpfiff sorgten zwei Flitzer dann für eine weitere Unterbrechung.

Seitdem gehen die Wogen hoch, Medien berichten vom „Skandal-Spiel“ und in den Online-Foren regen sich gegenüber den Feuerzeug-Werfer_innen autoritäre Bestrafungsphantasien, die bedenkliche Ausmaße annehmen. Es ist die Stunde der „starken Männer“, die sich nun hinstellen und ankündigen, „rigoros durchzugreifen“ (Michael Krammer) und die Verantwortlichen „eliminieren“ (Didi Kühbauer) zu wollen.

Wir als Fußballfans gegen Homophobie finden es sehr bezeichnend, was hier skandalisiert wird - und was nicht. Kein Wort wird darüber verloren, dass auch bei diesem Derby wieder tausende Fans beider Lager homophobe Sprechchöre anstimmten. Kein Wort darüber, dass in beiden Fanblöcken homophobe Spruchbänder und Doppelhalter präsentiert wurden. (Anm.: 90minuten.at hat diese Thematik angesprochen) Während bei bengalischen Feuern oft schon die Kamera weg schwenkt – oder extra drauf gehalten wird, um die entsprechenden Fans zu dämonisieren - gibt es im ORF und anderen Medien kein Wort über diskriminierende Fangesänge. Kein Verbands- oder Vereinsfunktionär äußert sich dazu. Es wird nicht skandalisiert weil es als normal angesehen wird.

Doch Homophobie darf niemals Normalzustand sein. Wir wollen es nicht entschuldigen, wenn Spieler mit Feuerzeugen beworfen werden. Aber wir denken sehr wohl, dass die homophobe Stimmung beim Wiener Derby und ganz generell im Umfeld des Fußballs im Endeffekt höheren Schaden anrichtet. Denn es ist genau diese Stimmung, die dazu führt, dass homosexuelle Jugendliche sich kein Coming-Out trauen oder gemobbt werden bis hin zum Suizid. Es ist diese Stimmung, die dazu führt, dass es weiterhin keinen einzigen aktiven Erstligafußballer gibt, der seine Homosexualität offen leben kann. Es ist diese giftige Stimmung, die dazu führt, dass Teenager bedenkenlos Begriffe wie „schwul“ als Schimpfwörter verwenden.

Wir glauben nicht, dass jede Person, die im Stadion bei „Schwuuuuler...“ mit schreit, Homosexuelle aktiv diskriminieren will. Wir denken, dass es für dieses Thema noch viel zu wenig Bewusstsein gibt, dass vielen Fans nicht bewusst ist, welche Folgen diese homophobe Stimmung für Betroffene haben kann. Dieses Bewusstsein wollen wir schaffen. Anders als die „starken Männer“ in der Bundesliga, den Vereinen oder den Medien fordern wir keine Strafen. Ähnlich wie beim Thema Rassismus muss der Impuls von den Fanszenen selbst ausgehen. Fußballfans gegen Homophobie Österreich will dabei eine aktive Rolle spielen.

 

Hinweis: Wir haben den SK Rapid Wien per Mail am Mittwochvormittag um eine Stellung gebeten.

 

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