Foto: © GEPA Gegenansicht / 2018 / Februar

Rapid ist nun gefordert

Das 325. Wiener Derby ließ niemanden kalt, der sich mit Fußball befasst. Der SK Rapid Wien ist nun gefordert, den Worten auch Taten folgen zu lassen.

Ein Kommentar von Georg Sander

 

Egal ob im Stadion, vor dem Fernseher oder auch im Urlaub: Die Vorkommnisse beim 325. Wiener Derby beschäftigen die 90minuten.at-Redaktion auch zwei Tage nach dem Spiel. Nach dem PR-Desaster am Sonntag folgte am Montag eine Pressekonferenz. Nach dem Spiel mussten Trainer und Spieler sowie der Mediendirektor mehr oder weniger gehaltvoll zum Fanverhalten Stellung nehmen, Präsident Krammer und Geschäftsführer Peschek ließen sich nicht blicken. „Wie sich der Verein nach dem Skandal im 325. Wiener Derby verhielt, war an Unprofessionalität kaum zu überbieten“, schrieb Laola1.at-Kollege Alexander Karper am Montag. Krammer möchte nun die Fanarbeit ausbauen, betonte, dass es diesmal niemand aus der sogenannten aktiven Szene war, der für Randale sorgte. Die homophoben Gesänge inklusive „schwuler FAK“-Transparent hat er wohl übersehen.

Zu kurz gegriffen

Auch ist es zu kurz gedacht, sich nun an Einzelpersonen abzuputzen, wie es Krammer sagt. Er weiß das wohl auch. Und lässt zarte Kritik durchscheinen: „Haben wir in der Fanarbeit alles richtig gemacht? Ist hier alles so gelaufen, wie wir uns das vorgenommen haben?“ Die Kollegen etwa von Laola1.at listen hier die negativen Höhepunkte auf. Das betrifft auch die aktive Szene. Dass diese den Verantwortlichen auf der Nase rumtanzen, hört man in ganz Österreich. Auch hinter vorgehaltener Hand in Hütteldorf.

Noch geht es sich aus

Noch geht sich das alles für den SK Rapid Wien aus. Schon im Herbst, der mit dem ersten Skandalderby und der Unterbrechung in der Südstadt schon genug negative Highlights auf Fanseiten zu bieten hatte, wischte Rapid etwaige Bedenken zur Seite; man schaffte kaum klare Worte, die von Selbstreflexion zeugten. Noch klappt das alles, noch kommen die Fans in Scharen. Vermutlich so lange, wie es sportlich noch irgendwie passt. Nicht wenige kommen auch wegen der einzigartigen Stimmung – die aber wie erwähnt aus homophoben Gesängen Tausender, fliegender Jägermeisterflaschen und Spielunterbrechungen besteht. Paradox. Der Strafrahmen, über den die Bundesliga noch entscheiden will, geht bis zu Geisterspielen. Aber vermutlich wird Rapid das auch noch gut verkaufen können.

Rapid als Vorbild

Rapid ist Vorreiter, was Fans in Österreich betrifft. Vor allem in der Masse. Es handelt sich um DIE Benchmark im heimischen Fußball, im positiven und im negativen Sinne. Denn auch bei anderen Klubs gibt es Probleme: Es fliegen Becher, es werden NS-Symbole offen gezeigt, es kommt zu Ausschreitungen oder zu Fangesängen, die noch nie in Ordnung waren und schon gar nicht 2017 oder 2018. Rapid steht hier in der Verantwortung, seiner Vorreiterrolle und Vorbildwirkung gerecht zu werden.

Taten müssen folgen

Wenn man hier Vorbild sein will, dann muss man auch definieren, wie Stimmung im Stadion sein soll, wie sich Emotionen entladen dürfen. Natürlich gibt es bei über 20.000 Menschen auf so engem Raum jene, die Grenzen überschreiten. Aber wenn ich als Verein mich schon brüste, die meisten und besten Fans zu haben, dann sollte man im Sinne der Vorbildwirkung den anderen Klubs schon auch zeigen, wie Fanarbeit geht. So wie es bis Sonntag war, versagt Rapid. Oder wie es Austria-Kapitän Raphael Holzhauser, der es in der Hand hatte, das Spiel abzubrechen und am grünen Tisch drei Punkte für die Austria zu sichern, sagte: "Sie können sich erlauben, was sie wollen, es gibt keine Konsequenzen.“ Das sollte nicht das Vorbild für die anderen Klubs sein, die um beinahe jeden Fan bangen müssen.

 

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