So wird die Nachdenkpause zum Dauerzustand
Foto © GEPA

So wird die Nachdenkpause zum Dauerzustand

Bei erster Gelegenheit kracht es wieder im Wiener Derby, folgen wohl die nächsten Sanktionen. Sie helfen nur vorübergehend, weil kein Umdenken einsetzt.

Jetzt ist schon wieder was passiert.

Eine Einleitung, am Beginn eines Nachberichts zum Wiener Derby so überraschend wie in einem Brenner-Roman von Wolf Haas.

Es war also doch naiv zu hoffen, dass die Rückkehr der Auswärtsfans ins Geschehen nur seine guten Seiten zeigen wird.

Die Konstellation war zu aufgeladen: Eine nun auf zwölf Partien angewachsene, historische Unserie, gepaart mit einer hilflosen Vorstellung gegen den Erzrivalen am Rasen und die kalte Favoritner Winterluft, die Restsynapsen einfrieren ließ.

Es war zu befürchten - in keinster Weise zu verwechseln mit "zu rechtfertigen" - dass sich der Frust seine Wege bahnen wird, die über die Stränge schlagen. Schon bei den letzten Rückschlägen war der wachsende Unmut spürbar.

Wenn man das eigene Anliegen untergräbt

Und es mag jedem Fan, jeder Gruppierung freigestellt sein, irgendwann die Lust auf bedingungslose Unterstützung einzubüßen und missmutige Töne anzustimmen. Gute Miene zum schlechten Spiel ist ja nicht verlangt.

Wo die Roten Linien sind, wurde nun aber wahrlich oft genug austariert. Da war das vier Spiele andauernde Auswärtsfan-Verbot im Derby ja nur die jüngste Warnung.

Im Nachhinein betrachtet fühlen sich die Unmutsbekundungen über diese Maßnahme nach Krokodilstränen an. Wer bei der allerersten Gelegenheit zeigt, dass er es wohl doch nicht besser kann, braucht sich nicht wundern, wenn dieser Status dauerhaft aktiviert würde.

"So wird keine Sektorsperre, keine sonstige Sanktion eine belehrende Wirkung zeigen, wie es auch die vergangenen vier Derbys nicht taten. Aber währenddessen ist Ruhe."

Darüber wird erst diskutiert. Handfester sind die Folgen, die nur Rapid treffen werden: Aufgrund der Bewährung, die galt, wird der Senat 1 wahrscheinlich die drei Spiele Sektorsperre aussprechen, die schon länger als Damoklesschwert über dem Block West hingen. Eine Geldstrafe, wie öfter bei Pyrotechnik-Vergehen dieser Größenordnung, wohl auch.

Diese Strafen drohen Rapid nun>>>

Der Verunsicherung wird es nicht helfen

Der einzige Beitrag war also ein wirtschaftlicher und imagetechnischer Schaden für den eigenen Klub, der mit großartigen Spendenaktionen und guter Stimmung in besseren Zeiten nicht übertüncht werden kann.

Auch hinsichtlich des "Ziels", der Mannschaft die Leviten zu lesen, war es ein Bärendienst: Johannes Hoff Thorup ist damit dauerbeschäftigt, den Druck von seinem verunsicherten Team zu nehmen. Dass es auf den Rängen hinter ihnen gegebenenfalls eskaliert, wird diese Verunsicherung nicht reduzieren.

So könnte man zynisch behaupten: Gut, dass ihnen womöglich drei Spiele lang Luft gegeben wird. Allerdings greift die Sperre nur in so betitelten "Spitzenspielen" - von denen es 2025/26 nicht mehr viele geben könnte, sollte es ins untere Playoff gehen.

Wer die Ursache liefert, braucht über die Wirkung nicht lamentieren

Alle anderen Aspekte wurden schon bei früheren Exzessen zur Genüge ausdiskutiert: Ein Fußballplatz ist kein Ort, an dem irgendjemand um seine körperliche Unversehrtheit fürchten sollte.

Da kann es innerhalb einer Subkultur ein akzeptierter Aspekt sein, außerhalb wird das niemals verstanden, geschweige denn als Begleiterscheinung gebilligt. Und das muss auch innerhalb dieser Subkultur klar sein.

Solange das offensichtlich nicht der Fall ist, kann der Missmut über Sanktionen nur ein Schulterzucken auslösen.

Dass der Grundton der Debatte eher so klingt, dass der Umgang mit den fraglichen Abteilungen im Wiener Westen seit jeher zu lasch ist, sollte dort überall vernommen worden sein.

Lerneffekt gleich null

Am Ende gibt es keine wirksame Handhabe von außen gegen die Ursachen solcher Exzesse. Nur den Holzhammer der Sektorsperren - der uns alle auch guter Stimmungsmomente beraubt.

Zumindest für die Dauer ihrer Wirksamkeit ist aber Ruhe. So bedauerlich es ist: Die Alternativen werden von jenen Fans genommen, die es immer und immer wieder wissen wollen.

So wird keine Sektorsperre, keine sonstige Sanktion eine belehrende Wirkung zeigen, wie es auch die vergangenen vier Derbys nicht taten.

Wir werden die Diskussion immer wieder führen müssen - so lange, bis es ein Umdenken bei jenen gibt, die das partout nicht wollen.

Fortsetzung folgt, ist zu befürchten...

Kommentare