Rapid in der Meistergruppe: Am Ende sogar ein Pyrrhus-Sieg?
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Rapid in der Meistergruppe: Am Ende sogar ein Pyrrhus-Sieg?

Rapid ist noch nicht so weit, ernsthaft auf den Titelkampf zu schielen. Und doch werden es weitere Wochen zwischen Entwicklung und dem Ruf nach Ergebnissen.

So laut wie nach dem Schlusspfiff gegen Red Bull Salzburg war der Jubel im Allianz Stadion schon lange nicht – und das, obwohl durch die gesperrten Sektoren nur rund 14.000 Rapid-Fans zugegen waren.

Die Erleichterung war groß, das Zwischenziel doch noch geschafft: Der SK Rapid gehört in die Meistergruppe, das ist der Selbstanspruch des Vereins. Da können die sportlichen Zeiten in den letzten Monaten noch so schwer gewesen sein.

Und auch die ADMIRAL Bundesliga selbst wird nicht unglücklich darüber sein, dass das Publikums-Zugpferd am letzten Drücker eine Handvoll attraktivere Begegnungen zum Saison-Endspurt beitrug.

Es stehen nicht nur drei Punkte Rückstand und zehn Spiele zwischen Rapid und dem Titel

Die Stimmungs-Extreme in Hütteldorf sind bekannt, und der Gesamtzustand der Liga in dieser verrückten Saison öffnete den Fantastereien wieder Tür und Tor: Drei Punkte trennen Grün-Weiß nach der Punkteteilung von der Tabellenspitze. Und das nach dem historisch schlechten Negativlauf, der nun zumindest überwunden scheint.

Mission 33, olé? Manch einer mit Schal um den Hals mag davon träumen. Eine Emotion aus der Erleichterung heraus, für jeden nüchternen Betrachtungswinkel eine Fantasterei.

Ja, der "Cut" ist geschafft. Ja, die Verhältnisse sind extrem eng – weil fast jeder Klub mit seinen eigenen Schwierigkeiten zu kämpfen hat und einfach nicht zur Konstanz finden will.

Die Ideen reifen weiter

Rapid befindet sich nach dem Tal der Tiefen jedoch in einem nachhaltigen Selbstfindungsprozess. Bei den drei dringend benötigten Ergebnissen der letzten Bundesliga-Runden war das Scoreboard noch das Beste.

Der Zweck heiligte die Mittel, doch der Selbstfindungsprozess einer neuen Fußball-Identität hält noch an. Johannes Hoff Thorup sprach bei seinem Antritt davon, dass es schon bis April oder Mai dauern könnte, bis seine Ideen wirklich greifen. Und das dürfte sich bewahrheiten.

Stellenweise ist der Däne selbst noch sehr experimentell unterwegs, etwa bei seinen Versuchen mit verschiedensten Spielern auf der Außenverteidiger-Position.

Gleiche Arbeit, ob "oben" oder "unten"?

Nun aber findet sich Rapid schlagartig im Titelkampf wieder. Ob das wirklich realistisch ist, stellt dabei nicht den entscheidenden Punkt dar: Mathematisch ist es vorerst einmal so, und damit automatisch auch emotional beim Klub, der chronisch von Größerem träumt.

Hoff Thorup wird sich lieber nicht mit dieser Perspektive beschäftigen wollen: Für ihn bleibt die Entwicklung der Mannschaft das vorrangige Projekt.

"Ich arbeite genau gleich, egal, ob wir gewinnen oder verlieren. Weil ich an diese Spieler glaube – und an den Weg, wie ich Dinge mache. Fokus auf das nächste Training, dann auf das nächste Spiel, weil wir das beeinflussen können", bekräftigte Hoff Thorup nach der geschafften Meistergruppen-Qualifikation. "Wir können hier sitzen und über die Top zwei, drei, vier sprechen. Aber wir können nur beeinflussen, was wir tun."

Er wird es aber ein Stück weit müssen, denn Ansprüche und Träume sind immer ein Teil dieses Vereins, dem er sich beruflich verpflichtet hat. Davor hat ihn Markus Katzer bei den Interviews sicher gewarnt.

Was, wenn es wieder um jeden Punkt geht?

Tatsache ist, dass es im Leben selten gut tut, zu viel zu erwarten. Um in zehn Partien gegen das restliche Quartett der Meistergruppe zu bestehen, müsste Rapids Entwicklung schon weiter sein.

Genauso, wie Rapids Anspruch gewisse Ergebnisse verlangt, schreit er auch nach proaktivem Spiel. Der zweckmäßige "Anti-Fußball" ging nun einmal gegen Salzburg gut, schon beim nächsten Aufeinandertreffen am Sonntag scheint es nicht mehr realistisch, dass die "Bullen" so viele Chancen liegenlassen.

Und wie viel Raum Hoff Thorup für seinen Hauptfokus tatsächlich bleibt, der Mannschaft nachhaltig wieder Beine zu machen, wird die Frage sein, während von außen die Hoffnungen Druck machen. Und sei es gar nicht um den Titel, sondern die "bloße" Europacup-Qualifikation.

Und das könnte am Ende wieder dazu führen, die Zweckmäßigkeit über die Form zu stellen. Zumindest im Zielspurt, wenn wieder jeder Zähler entscheiden könnte. Es wäre ein Déjà-Vu der letzten Wochen.

Um die Trostlosigkeit ist es keineswegs schade

Es lassen sich auch Argumente dafür finden, dass die Qualifikationsgruppe für die Entwicklung und die EC-Aussichten sogar die bessere Perspektive gewesen wäre, wie es die Kollegen Daniel Sauer und Georg Sohler zuletzt in ihrer Ansichtssache>>> taten.

Ziemlich sicher hätte so manches Talent mehr Spielzeit bekommen, um die junge Spieler nun umfallen könnten. Das ist ein Aspekt, den alle Qualifikationsgruppen-Teams seit Einführung der Tabellenteilung bekräftigen.

Umgekehrt steht die Hoffnung, dass mit der Aufgabe und den Perspektiven auch die Truppe schneller wächst. Die Trostlosigkeit der Qualifikationsgruppe geht auf keinen Fall ab. Das darf in Hütteldorf zurecht bejubelt werden.

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