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Die Frisur oder die talentierten Mitbewohner der Kicker

Obwohl körpernahe Dienstleistungen wie Frisörbesuche erst wieder ab 8. Februar erlaubt sind, präsentieren fast alle Fußballer alle paar Tage perfektes Haupthaar.

+ + 90minuten.at Exklusiv + + Eine Glosse von Georg Sander (zuletzt 2019 beim Frisör)

 

Vorbei sind die Zeiten, in denen Männer mit wehendem Haupthaar, ungestutzten Bärten und überquellendem Brusthaar über die Fußballfelder gelaufen sind. Damals, wann auch immer, hat man sich vor dem Match ja auch noch eine Tschick angezündet. Die Kicker waren so wie jetzt ja auch Profis, mittlerweile muss man sich aber professioneller geben. Ernährungspläne, Zusatzeinheiten, viel Schlaf, vermutlich wenig Alkohol; ansonsten löst sich der Traum vom Profidasein auch in Österreich in Dunst auf. Und überhaupt hat sich ja auch das Bild des Mannes gedreht. Spätestens seit David Beckham ist Mann „metrosexuell“, der alte Satz von der Tante Jolesch, nachdem alles, was ein Mann schöner wäre als ein Aff' ein Luxus sei, gehört der Vergangenheit an. Das passt auch, denn damit einher geht ein neues Körperbewusstsein, die geringere Lebenserwartung bei Männern wird auf Mängel in dem Bereich zurück geführt.

 

In Deutschland fragt man sich auch, wo die perfekten Scheitel herkommen.

Zum Fußballer von Welt gehört heutzutage diesem Mantra folgend auch perfekt sitzendes Haupthaar. Ex-Salzburg-Knipser Munas Dabbur suchte den Barber Shop laut eigener Aussage zwei Mal wöchentlich auf und auch ein Großteil der heute in diesem Land kickenden Spieler setzt darauf. Den Nacken rasiert, den Scheitel perfekt sitzend laufen die Fußballer durch die leeren Stadien. Aber Moment. Körpernahe Dienstleistungen sind doch verboten! Wer also trimmt das Haupthaar? Ist das Aufgabe der WAGs, also der Wifes and Girlfriends? Machen die Jungs das gegenseitig, nach dem Training. Hat jemand einen Barbier im Freundeskreis?

 

2. Liga-Experte und Laola1.at-Kollege Kristoferitsch geht mit gutem Beispiel voran.

Und so vorbildlich der heimische Fußball durch die Krise kickt, so sehr gibt die perfekte Frisur derzeit ein schlechtes Bild ab. Die Friseure und dutzende andere Branchen leiden unter den Lockdowns, an wirtschaftlichen Schieflagen hängen Arbeitsplätze, Einkommen, Existenzen dran. Die Frisur ist eben ein Statement, das Private ist sowieso politisch, lange Zoten galten in den 60ern- und 70ern beispielsweise als antiautoritäre Aussage, eine Glatze zeigte in den 80ern im Kontext von Fußballstadien an, man hielte es gut mit Hooligans oder gar schlimmen Verblendungen. Heute geht alles, was im Barber Shop durchgeführt wird, aber in der Corona-Krise zeigt ein perfekter Haarschnitt der Fußballprofis noch deutlicher: Wir sind anders. Unter Umständen besser. Und die Öffentlichkeit fragt auch nicht jeden der Kaderspieler, ob die Frisur selbst, von der Freundin oder vom Bruder geschnippelt wurde. In Zeiten, in denen drüber diskutiert wird, was wann wie und unter welchen Bedingungen öffnen darf, sollten die Herren Kicker sensibel mit dem Thema umgehen.

 

Ein Vorbild kann WAC-Kicker Matthäus Taferner sein. Der hat sehr offensichtlich schon sehr lange keinen Friseur mehr gesehen. Gut so.

 

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