Von Corona, Ampeln und Fans: Zahlen aus dem Wolkenkukuksheim

Ab Oktober wird die Lockerungsverordnung vom 1. September um die Corona-Ampel erweitert. So zumindest der wenig nachvollziehbare Plan.

Die vorgegebenen Zahlen wirken wie im Wolkenkukusheim gewürfelt, das wird aber am Ende dem Finanzminister, der Krankenkasse und Lieferanten, Zulieferern, Angestellten herzlich egal sein.

+ + 90minuten.at Exklusiv + + Ein Kommentar von Georg Sander

 

Der Bundesliga geht es ähnlich wie dem gesamten Veranstaltungsgeschäft – man ist von den Vorgaben der Politik abhängig und kann gegenwärtig nur schwer planen. Ein seriöses Budgetieren anhand de Corona-Ampel scheint fast unmöglich. Sind seit 1. September nun 10.000 Fans erlaubt, so sind bei einem Springen auf Gelb nur noch 5.000 erlaubt. Wie diese Zahlen zustande kommen, weiß man nicht. Nicht, dass man das Virus kleinreden möchte, aber das Gesundheitsministerium hätte auch 12.000 oder 8.000 in die neue Verordnung schreiben können. Und nun sind die örtlichen Behörden für die Anzahl an Fans zuständig. In die NV Arena dürfen nun 2.200 (Fassungsvermögen 8.000), in die Cashpoint Arena in Altach aber 3.015 (Fassungsvermögen 8.500).

 

10.000?

Die Corona-Ampel gilt nun auf Bezirksebene. Oder für Städte. Graz und Linz sind wie Wien gelb, auch der Bezirk Kufstein. Das hieße dann 5.000 Fans. Die Austria hat schon vorab reagiert und legt nur 5.000 Abos auf. In Graz und Hütteldorf zeigt man sich verständlicherweise fassungslos ob des neuerlichen Kurswechsel. Zur Erinnerung: Am kommenden Freitag dürfen 10.000 Fans Rapid gegen Admira schauen.

Anfang Oktober nur noch 5.000. Vielleicht. Wenn das dann überhaupt rechtlich bindend in der Verordnung drinnen steht. Und diese dann auch vor dem Verfassungsgerichtshof hält. Das war im Frühjahr nicht immer der Fall. Und es geht auch gar nicht um den Sinn oder Unsinn der Maßnahmen aus virologischer Sicht, sondern schlicht um wirtschaftliche Planbarkeit. Es wird noch spannend. Denn was, wenn die Ampel stets Freitags die Farbe wechselt? Und zuerst ist sie grün, Rapid legt 10.000 Karten auf, dann gelb, muss dann die Hälfte daheim bleiben?

 

Gesamtes Veranstaltungsbusiness betroffen

Diese Überlegungen betreffen alle Veranstaltungen, egal ob Sport, Kultur oder sonstiges. Natürlich ist die Regierung in einer herausfordernden Zeit im Amt, es ist schwierig, eine Normalität herzustellen, die so unsicher ist. Das hindert aber niemanden daran, einen ordentlichen rechtlichen Rahmen zu schaffen. Denn was passiert, wenn die Corona-Ampel wie die Strafen im Frühjahr vom VfGH aufgehoben wird? Rapid, Sturm und Co., Konzertveranstalter und alle anderen fallen um Einahmen um. Die vorgegebenen Zahlen wirken wie im Wolkenkukusheim gewürfelt, das wird aber am Ende dem Finanzminister, der Krankenkasse und Lieferanten, Zulieferern, Angestellten herzlich egal sein.

 

Hoffnung auf sinnvolle Vorgaben

Es bleibt zu hoffen, dass der Sport und alle sonstigen Freizeitdienstleister haltbare, nachvollziehbare, umsetzbare und verfassungskonforme Vorgaben bekommen. Und man sich auch überlegt, wie man das gesamte, auf Zuschauern basierende Freizeitbusiness bis zur ersehnten Impfung oder Therapie am Leben hält, Stichwort Erweiterung des Hilfsfonds.

Sonst wird sich die Regierung spätestens 2021 wundern, was alles passieren kann.