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Ein vollkommen (un)gerechtes Urteil

Sechs Punkte Abzug, 75.000 Euro Geldstrafe. Je nach Lesart ist der LASK vom Senat 1 verschont worden oder hart bestraft. Wie fair ist der Abzug? Eine Einordnung.

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+ + 90minuten.at Exklusiv + + Ein Kommentar von Georg Sander

 

Eines ist unstrittig: Der LASK musste bestraft werden. Die Athletiker haben betrogen. Sechs Punkte und eine im Verhältnis zu den Europacup-Einnahmen vernachlässigbare Geldstrafe. Diese Strafe steht im übrigen im Gegensatz zu den drastischen Aussagen von Senat-1-Mitgliedern am Donnerstag. „Das war ein massives Foul innerhalb der Fußballfamilie. Aus unserer Sicht ist der Fairplay-Gedanke massiv beeinträchtigt“, erklärte Johannes Wutzlhofer. Statt drei Punkte Vorsprung hat der LASK nun, vorbehaltlich der Entscheidungen von Protestkomitee und/oder Ständigem Neutralen Schiedsgericht, drei Punkte Rückstand auf Red Bull Salzburg. Der Rest der Meistergruppe profitiert ebenfalls. Ist das nun fair? Welche Aspekte gibt es bei der Bewertung?

 

Nur vier Trainings?

Der Verweis auf lediglich vier Trainings ist legitim. Was soll schon mit vier gemeinsamen Trainings besser werden? Doch nebst dem Fairplay-Gedanken muss angeführt werden, dass die anderen Meistergruppenteilnehmer diese vier Trainings eben schlichtweg nicht hatten – oder wir alle davon nichts wissen. Bewiesen ist: Der LASK hat vier Mal verbotenerweise als Mannschaft trainiert. Das ist ein unbestreitbarer, wenn auch schwer quantifizierbarer Wettbewerbsvorteil. Alleine deshalb ist eine Strafe angebracht, zertrümmern werden die Oberösterreicher die Konkurrenz aber wegen der Trainings auch nicht. Wer behauptet, dass der LASK mit vier Trainings einen unglaublichen Wettbewerbsvorteil hat, ist naiv.

Umgekehrt, Rapid-Präsident Martin Bruckner nannte es Doping, ist jeder unlauter erreichte Wettbewerbsvorteil unerlaubt. Beispiel: Der Weltdopingorganisation wird es egal sein, wenn ein Radfahrer der Tour de France Erster, 17. oder 95. wird, er wird gesperrt werden. Das sollte nicht vergessen werden.

(Artikel wird unterhalb fortgesetzt)

Fair play?

Aufgrund des nicht bewertbaren sportlichen Vorsprungs ist es nun der Fairplay-Gedanke, der zählt. Da ist es freilich ein krasses Vergehen. Zur Erinnerung: Als die Videos aufkamen, war zwar das politische OK zur Ligafortsetzung da, nach den zähen Verhandlungen mit den Ministerien hätten die zuständigen Minister diese Entscheidung auch wieder zurück nehmen können. Hier kann man von Weitblick sprechen, denn ansonsten wäre es bei vielen Klubs finanziell mehr als eng geworden.

Noch dazu kommt der Umstand, dass die Athletiker als Tabellenführer auch auf Basis eines Rechtsgutachtens wenn nicht auch Meister, dann zumindest für die Champions League-Quali den besten Platz gehabt hätten – und sich in Person von Jürgen Werner auch skeptisch gegenüber einer Fortsetzung zeigten. Darüber hinaus hat da der gesamte Kader dicht gehalten. Das ist einerseits bemerkenswert, andererseits interessant, dass wohl rund 30 Personen wussten, dass sie etwas machen, was sie nicht dürfen und trotzdem blieb es bis zum Filmen geheim. Das ist eine gewisse Energie, die in anderen Kontexten als kriminell zu bezeichnen wäre.

 

Sind sechs Punkte viel?

Diese Frage ist schwer zu beantworten, vor allem, weil es in den letzten Jahren nicht zu allzuvielen Punkteabzügen kam und diese meist vom Senat 5 ausgesprochen wurden. 2013 fasst die Admira acht Punkte Abzug wegen Lizenzverstößen aus (später auf 5 reduziert), der SV Horn bekam 2017 drei Punkte aufgebrummt, eingeleitet wurde das Verfahren wegen groben Terminverzugs. Und Blau Weiß Linz bekam vier, reduziert auf drei, wegen eines Fristverzugs. Alles aber keine vergleichbare Entscheidungen. 

In dem Zusammenhang, auch wenn es eine andere Stelle war, kann die Frage durchaus gestellt werden, inwiefern sechs Punkte gerechtfertigt sind. Immerhin lässt die relative Härte wegen vier Trainings eine salominische, österreichische (?) Lösung zu: Das Protestkomitee kann reduzieren, die Strafe ist dennoch empfindlich genug.

 

Weitreichende Konsequenz?

Ob fair oder nicht, fakt ist: Die Tabelle enger geworden - und die daraus resultierenden Konsequenzen können dann in weiterer Folge erst so wirklich weh tun. Zwischen Salzburg und dem WAC liegen nun zwischen Erstem und Vierten nur noch fünf Zähler. Will man es so sehen, dann können noch auch die Wolfsberger (und natürlich Rapid und der LASK) „aus eigener Kraft“ Meister werden.

Der Meistertitel ist natürlich toll, für den LASK wäre es der erste seit 1965, für Rapid seit 2008, für die Lavanttaler der überhaupt Erste. Doch nebst dieser Überlegungen geht es auch um die Möglichkeit, sich für Champions- und Europa League zu qualifizieren. Dort ist bekanntlich das Geld, sehr viel Geld sogar. Der Meister steigt im Playoff ein, ist direkt in der Europa League-Gruppenphase und hat die Möglichkeit auf die Königsklasse. Der Zweite tritt in der zweiten Runde der CL-Quali an, muss „nur“ diese überstehen um einen Fixplatz in der Europa League und die Chance auf die Champions League zu haben. Vorbehaltlich eines Salzburger Cupsieges heute Abend profitiert der Ligadritte, bekommt den Platz in der Europa League. Dem Vierten und dem Fünften drohen die Mühen der nationalen und internationalen Qualifikation in der Europa League.

All diese Überlegungen lassen sich so zusammen fassen: Es ist einfach nicht letztgültig abzuklären, ob dieses Urteil, so es hält, „fair“ ist. Aber egal, was dabei rauskommt: Schuld an dem Schlamassel ist in jedem Fall der LASK.

 

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