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Der Fußball braucht Corona-Realismus

Der Fußball und der Sport im Allgemeinen ruhen derzeit, treten in den Hintergrund. Aber es wird weitergehen. Wann, ist noch nicht abschätzbar. Ein Stresstest für alle Beteiligten.

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+ + 90minuten.at Exklusiv + + Ein Kommentar von Georg Sander

 

Der Sport macht Corona-bedingt Pause. Die Gesundheit der Spieler, Funktionäre, einfach von allen Personen steht derzeit im Vordergrund. Dennoch hat sich innerhalb der Freizeitdienstleistungen Sport im Allgemeinen und Fußball im Speziellen zu einem großen Player mit viel Geld und Arbeitsplätzen entwickelt. Die gegenwärtige Situation setzt alle Beteiligen unter Druck. Während die PR-Abteilungen bemüht sind, das Interesse am Klub hochzuhalten und die Trainer ihre Spieler fit, stehen alle rund um die Welt vor einem Problem: Wann geht es wieder weiter?

Und das ist genau die brennenste Frage, die gegenwärtig noch niemand beantworten kann. An erster Stelle stehen bei der Beantwortung dieser Frage die Medizinerinnen und Mediziner, die die Regierungen beraten. Und nicht die Verträge zwischen Spielern, Vereinen, Ligen, Sponsoren und TV-Anstalten. Allzu zeitnah dürfte das nicht erfolgen. Dazu müssen nur vorhandene Daten analysiert werden.

 

Ungleichzeitigkeit

Eine große Problematik ist die Ungleichzeitigkeit der Maßnahmen im gar nicht so stark vereinten Europa. Während Italien notgedrungen früh Maßnahmen ergriffen hatte, folgten dann erst nach und nach andere Staaten, darunter Österreich. In England, dem Land der reichsten Fußballiga, wurden erst diese Woche Restriktionen erlassen; auch wenn die Liga schon länger pausiert. In der globalisierten Fußballwelt, die das Epizentrum in Europa hat, stellt diese Ungleichzeitigkeit die Klubs vor große Probleme. Wenn das Abflachen der Verbreitungskurve erreicht wird, dann wird es in den Ländern Europas zu komplett unterschiedlichen Zeitpunkten passieren. Wie sollte etwa ein Transfermarkt im Sommer organisiert werden, wenn im Idealfall in manchen Ländern schon wieder weitgehende Normalität herrscht, in anderen nicht?

 

Verabschieden von der Saison 2019/20?

Eine mögliche Blaupause für die Dauer der gegenwärtigen Maßnahmen ist nun die Provinz Hubei in China, mit der Millionenstadt Wuhan, die Einwohnerzahl der Provinz liegt übrigens knapp unterhalb jener von Italien. Der dortige Lockdown wurde am 23. Jänner verhängt. Mittlerweile sind einige Maßnahmen wieder zurückgenommen, laut Medienberichten wird es aber bis 8. April dauern, bis die Einschränkungen zurück genommen werden. Elf Wochen oder rund drei Monate dauerte es/wird es dann gedauert haben – wohlgemerkt in einem Land, in dem die Grundrechte wenig zählen. Demokratien tun sich da schwerer. In Italien erfolgte der Lockdown schließlich am 9. März. Selbst bei „idealem“ (?) Verlauf wie in Hubai müsste der Zustand bis Anfang/Mitte Juni andauern. England erließ entsprechende Maßnahmen erst jetzt, dort dauert es wohl mindestens bis Mitte/Ende Juni. Insofern: Die Saison 2019/20 sollte vergessen werden, auch wenn sie dann doch mittels Geisterspielen oder verkürzt weiter gespielt wird.

 

Der Stresstest

Die gegenwärtige Situation stellt also die Akteure der Freizeitdienstleistung Fußball unter Druck. Einige Klubs dürften schwer zu kämpfen haben, auch wenn die öffentliche Hand massiv viel Geld in die Wirtschaft pumpt und pumpen wird. Größere Vereine, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit entweder öfters Europacup spielen, (dadurch höhere) Erlöse aus Spielerverkäufen erzielen oder viele zahlende Fans in den Stadien haben, werden sich leichter tun als andere. Ob sich Firmen, die davon leben, 16 Mal im Jahr Ligaspiele plus vielleicht Cup- und Europacup-Spiele auszurichten, tatsächlich besser auf eine derartige Krisensituation vorbereiten können, muss fraglich sein. Dass es wohl in den meisten Statuten und Verträgen keinen Passus gibt für eine weltweite Pandemie, kann, muss man aber niemandem vorwerfen. Ein Stresstest ist es allemal.

 

Realistisches Wann von Nöten

Das Herumlavieren, wann und in welcher Form die Ligen weiter geführt werden, ist verzichtbar, auch wenn man es schon verstehen kann. Gerade in den Topligen geht es um sehr viel Geld. Das stressige für alle, die mit Sport und Fußball zu tun haben, ist eben die Ungewissheit, wann es wieder weiter gehen wird. Dass es bereits im Mai oder der Juni der Fall sein wird, kann, soll und muss bezweifelt werden. Wie bei der Verschiebung der Euro von 2020 auf 2021 wäre es gut, wenn sich die UEFA bzw. alle Kontinentalverbände auf einen, möglicherweise weit entfernten Restart einigen.

 

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