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Dampfplaudern oder doch mehr?

Seit 2009 ist Leo Windtner Präsident des ÖFB. In der Stadionfrage hat der Linzer bisher versagt. Ein Kommentar von Michael Fiala

Klar: Die große Chance für ein neues Nationalstadion in Wien wurde Anfang der 2000er-Jahre vergeben, als Österreich den Zuschlag zur Euro 2008 bekommen hat. Diese Thematik ist bereits tausendfach erörtert worden und abgelutscht, denn bekanntlich kann man das Rad der Zeit nicht zurückdrehen.

Das Happel hat ausgedient, hat es das?

Gestern flatterte die Entscheidung der Stadt Wien in die Redaktionen und sorgte unter den Fußball-Fans für Empörung. Böse Zungen meinten dazu: Im Februar gehen die Fußball-Fans zwar nicht ins Stadion, darüber aufregen, dass aber keines gebaut wird, können sie sich dann aber schon.

 

Wie auch immer: Kollege Jürgen Pucher hat auf laola1.at bereits ausführlich beschrieben, dass diese Entscheidung ein Armutszeugnis für die „Sportstadt Wien“ ist. Dabei geht es nicht nur um die aktuelle Diskussion an sich, ob Wien sich finanziell an einem Neubau des Stadions beteiligen will, sondern generell um den Stellenwert des Sports in der Donaumetropole. Ein Blick in andere Städte lässt Wiener Sportinteressierte zum Teil nur mit offenem Mund zurück.

"Nicht einmal mit dem Rückenwind der in allen Medien gehypten Europhorie rund um das Team von Marcel Koller konnte Entscheidendes bewegt werden. " - Michael Fiala

Was hat Windtner seit 2009 gemacht?

Doch eines muss man sich Abseits der Wiener Entscheidung fragen: Was hat eigentlich ÖFB-Präsident Leo Windtner in den vergangenen acht Jahren gemacht? Seit Februar 2009 ist der Präsident des Verbandes. Über die Stadionfrage redet Windtner bei Interviews, Kongressen oder wo auch immer er dazu befragt wird. Zuletzt, erst vor wenigen Tagen, zeigte er sich optimistisch ob der konstruktiven Gespräche mit der Stadt Wien. 

 

Bei ÖFB-Pressekonferenzen werden tolle Bilanzen vorgelegt, über die grandiosen Medienwerte des Fußballbundes gesprochen. Es werden neue Sponsoren vorgestellt, die sich für den ÖFB entschieden haben, weil der Verband eine tolle Plattform bietet. Aber in der Stadionfrage? Nicht einmal mit dem Rückenwind der in allen Medien gehypten Europhorie rund um das Team von Marcel Koller konnte Entscheidendes bewegt werden. Zudem: Öffentliche Konzepte zum Neubau eines Stadions ist der ÖFB bisher schuldig geblieben, stattdessen wurde in Interviews mit Buzzwords wie Public-private-Partnership (PPP) jongliert.

 

Leo Windtner hat letztens sein Interesse an einer Wiederwahl als ÖFB-Präsident bekundet. Bis dahin sollte der Linzer in der Stadionfrage vielleicht auch einmal etwas liefern und vielleicht weniger dampfplaudern, denn dass sich Österreichs Fußballverband ein neues Stadion wünscht, weiß mittlerweile jeder.