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Goldbrich-Fauxpas macht Schmid zum Schnäppchen

Romano Schmid galt schon in sehr jungen Jahren als Supertalent. Als er 16 Jahre alt war, feierte der SK Sturm den Abschluss eines Dreijahresvertrages mit dem Offensivspieler. Bayern München wollte ihn, Sturm bekam ihn. Ein zweifelhafter Erfolg. Der Vertrag stellte sich als ungültig heraus, es fehlte eine Unterschrift.

Ein Gastkommentar von Jürgen Pucher

Jetzt muss der SK Sturm seinen Youngster Romano Schmid also zum Ligakonkurrenten Red Bull ziehen lassen. Dazu gibt es viel zu sagen, viele Perspektiven. Ja, Red Bull bietet jungen Kickern derzeit wohl sehr gute Rahmenbedingungen. Und ja, trotzdem ist so ein Transfer symptomatisch für den sogenannten "modernen Fußball", vielleicht einfach auch die Welt in der wir leben. Ein junger Spieler bekommt bei seinem Heimatverein, von dem er selbst einst sagte Fan zu sein, Förderung und Einsätze. Mit 17 Jahren. Er bekommt Euphorie, Zuspruch von den Fans und es müsste eigentlich das allergrößte für ihn sein, für den SK Sturm aufzulaufen.

Schmid aber will schon jetzt seinen nächsten Karriereschritt setzen. Ohne eine Saison, oder überhaupt nur ein paar Spiele von Beginn an, in einer Profi-Meisterschaft absolviert zu haben. Das gilt es so zur Kenntnis zu nehmen. Was die Sturm-Fans davon halten, kann in der aktuellen Aussendung des ‚Kollektiv 1909‘ nachgelesen werden.

 

"Günter Kreissl Enttäuschung war sicht- und spürbar, als er die schlechten Nachrichten überbrachte. Und er ist zu bedauern, weil er kann nichts dafür. Den ungültigen Vertrag fällt in die Zeit seines Vorgängers, des allseits bekannten früheren operativen Chefs der Grazer: Gerhard Goldbrich." -

Vertrag wegen Zeichnungsfehler ungültig

Was man nicht einfach so zur Kenntnis nehmen kann, ist was rund um die Vertragsverlängerung von Romano Schmid Anfang 2016 passiert ist. Wie gestern auch in einer Pressekonferenz des SK Sturm erläutert, war ein mit dem Jungkicker abgeschlossener Vertrag wegen eines Zeichnungsfehlers ungültig. Schmids Eltern sind geschieden, in so einem Fall müssen beide Elternteile das Papier unterschreiben. Das ist nicht geschehen.

Günter Kreissl trat seine Stelle als Sportdirektor des SK Sturm im Frühsommer 2016 an und erbte diese Geschichte. Und er musste jetzt zerknirscht vor den Kameras verkünden, dass das Grazer Supertalent um nur kolportierte 600.000 Euro wechseln kann. Für Red Bull ein Pappenstiel. Kreissl musste damals den ungültigen Vertrag nachverhandeln und die Berater von Schmid verlangten diese Klausel bei der zweiten Runden als KO-Kriterium. Hätte Kreissl nicht zugestimmt, wäre Romano Schmid sofort ein paar Häuser weitergezogen.

 

Günter Kreissl Enttäuschung war sicht- und spürbar, als er die schlechten Nachrichten überbrachte. Und er ist zu bedauern, weil er kann nichts dafür. Den ungültigen Vertrag fällt in die Zeit seines Vorgängers, des allseits bekannten früheren operativen Chefs der Grazer: Gerhard Goldbrich. Goldbrich, zunächst General Manager, dann zum wirtschaftlichen Geschäftsführer zurückgestuft und schließlich zum Gratisblatt ‚Der Grazer‘ weggelobt, zeichnete als damaliger sportlicher Geschäftsführer verantwortlich für den neuen, schließlich ungültigen, Schmid-Kontrakt über drei Jahre.

„Wir hatten Anfragen von mehreren internationalen Top-Klubs. Romano wollte aber gemeinsam mit uns seinen Weg in den Profifußball weitergehen“, verkündete er anlässlich des Abschlusses noch stolz. Es kam dann ein wenig anders. Die ohnehin nicht von glorreichen Erfolgsgeschichten gekrönte Ära Goldbrich kostete den SK Sturm am Ende vermutlich auch noch eine Stange Geld. Ohne festgeschrieben Ablösesumme wäre für Schmid wahrscheinlich erheblich mehr Geld geflossen, oder er hätte vielleicht sogar zu einem Verbleib überredet werden können.

Manche Dinge werden sich nie ändern

Wieso dieser Umstand außer in einschlägigen Internetforen nirgends thematisiert wird, ist mir schleierhaft. Kein Wort über die Verantwortung in der Pressekonferenz und kein dort anwesender Medienvertreter stellte die Frage nach dem Offensichtlichen: Wer hat diesen Vertrag abgeschlossen, der jetzt zu diesen unerfreulichen Umständen geführt hat?

Dabei ginge es nicht darum sich abzuputzen, auch wenn in dem Fall zurecht. Es ginge viel mehr darum, unterstrichen und mit Ausrufezeichen darzulegen, dass die Zeiten solcher Unzulänglichkeiten bei den Schwarz-Weißen ein für alle Mal vorbei sind. Jahrelang propagierte man ‚Sturm neu‘ und das Personal gab sich die Klinke in die Hand, es wurde gepatzt und gepfuscht. Jetzt scheint die Lage stabil, die Geschäftsführung am Puls der Zeit und des Geschehens und der Fall Schmid ist eine sogenannte Altlast. Wieso das nicht auch klar gesagt wird, darüber lässt sich nur mutmaßen. Würde ich das tun, fielen die Begriffe ‚immer noch vorhanden Lobby‘, ‚Grazer Medienszene‘ und ‚Goldbrich ist Geschäftsführer eines ebensolchen‘. Vieles ist jetzt besser beim SK Sturm als noch vor eineinhalb Jahren, manche Dinge werden sich aber eben doch nie ändern.

 

>>> Weiterlesen - So denkt Günter Kreissl über den Schmid-Transfer

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