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Ein Ereignis in Graz [12 Meter]

Rasmus Højlund hat erst drei Mal für Sturm gespielt und schon jetzt kann man sagen: Hier ist kein Durchschnittskicker am Werk. Die Bundesliga sieht nicht oft Spieler mit solchen Anlagen. Man sollte die Zeit nützen und ihn sich oft anschauen. Der junge Däne wird wohl nicht sehr lange hier sein.

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Es ist natürlich nicht möglich von den Bomben eines von Machtphantasien getriebenen Kriegsverbrechers auf Kiew und Kharkiv, der zufällig auch Atomwaffen besitzt, die Brücke zur österreichischen Fußballliga zu bauen. Aber da es in Zeiten wie diesen auch ein wenig Zerstreuung braucht, machen wir das jetzt trotzdem. In dieser unserer Liga gibt es nämlich seit dem Start ins Frühjahr ein „Ereignis“ beim SK Sturm. Und das heißt: Rasmus Winther Højlund. Bei seinem ersten Interview hat ihn sein neuer Klub gleich ordentlich ins Rampenlicht gestellt und es fielen markige Sprüche. Unter anderen ich habe mir damals die Frage gestellt, ob das nicht ein bisschen viel Erwartungshaltung für eine gerade einmal 19-Jährigen aufbaut. Nach drei Runden seit dem Ende der Winterpause kann man festhalten: Bei dem Typ ist das alles Makulatur.

 

Typ, den der Fußball braucht

Højlund kam für den bisherigen Rekordtransfer der Grazer, Kelvin Yeboah, und sollte die entstandene Lücke im Angriffsspiel schließen. Er nimmt diese Aufgabe sehr ernst. Beim ersten Spiel in Tirol schickte ihn Christian Ilzer gleich von Beginn an aufs Feld und er bedankte sich mit zwei Toren. Mehr Treffer hat Sturm an diesem Tag auch nicht erzielt. Er bestätigte diesen Traumeinstand gleich in der nächsten Runde mit dem Führungstreffer gegen Rapid. Und eine Woche später tanzt Højlund die Hartberger Verteidigung schwindlig, wird gefoult und verwandelt den folgenden Elfer gleich selbst mit betonter Lässigkeit. Die rein statistische Zwischenbilanz lautet also, drei Einsätze über 90 Minuten und dabei vier Tore. Das allein reicht schon, dass man wohl von einem gelungenen Transfer sprechen kann. Dazu kommen aber auch noch die Zwischentöne, die den neuen Stürmer wirklich besonders machen.

"Das Spiel lebt von Emotionen und Leidenschaft. Leute wie Højlund transportieren diese Dinge und sie sind es, die die großen Momente kreieren." - Jürgen Pucher

Zunächst stimmt die Chemie mit seiner neuen Mannschaft ganz offensichtlich. Er harmoniert mit seinem arrivierten Sturmpartner Jakob Jantscher und es ist spürbar, dass er insgesamt sehr gut aufgenommen wurde. Egal, mit wem man spricht, man hört auch nichts Gegenteiliges. Højlund hat Speed, einen extrem starken linken Fuß und er hat eine Präsenz auf dem Feld, die in Österreich jede Verteidigung vor Probleme stellen wird. Und er ist keiner von der schüchternen Sorte. Demonstrativer Jubel vor dem Rapid-Auswärtsblock oder sein kleiner Disput mit Hartberg-Keeper Rene Swete zeigen: Da ist kein normaler Jungspund am Werk, der sich der ganzen Sache einmal vorsichtig annähert. Der Däne kommuniziert außerdem immer wieder mit dem eigenen Anhang und stachelt das Publikum an. Einige konservativ gestrickte werden anmerken, dass er das vielleicht lieber lassen sollte. Einerlei, ich sage, das sind Typen, die der Fußball braucht.

 

Wie lang bleibt Højlund in der Liga?

Das Spiel lebt von Emotionen und Leidenschaft. Leute wie Højlund transportieren diese Dinge und sie sind es, die die großen Momente kreieren. Eine Mannschaft kann nicht elf von dieser Sorte haben. Wenn es einen gibt, ist es aber sicher kein Fehler. Und dieser Neuzugang macht den Anschein, als hätte er dieses gewisse Etwas, das ihn von der Masse abhebt. Gibt es nicht oft und es wird sehr interessant sein, ihn bei seiner Entwicklung zu verfolgen. Der Stürmer hält mit seinem Auftreten natürlich die Latte der Erwartungen ständig hoch. Aber er lässt alles - zumindest einmal jetzt zu Beginn – so aussehen, als könnte er damit umgehen. Er wird auch einmal nicht treffen, aber es wirkt nicht unbedingt so, als würden ihn kleine Rückschläge aus der Bahn werfen. Alles in allem stehen die Chancen gut, dass Andreas Schicker hier wieder ein sehr guter Transfer geglückt ist, der sich in einiger (wahrscheinlich nicht sehr langer) Zeit am Konto der Schwarz-Weißen bemerkbar machen wird.

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