Foto: © GEPA 12Meter

Sturm: Neue Leute, altes Gewand

Der SK Sturm präsentierte zum Frühjahrsauftakt neue Leute am Feld aber keinen neuen Fußball. Man vertraut weiter auf Altbewährtes aus dem Herbst und wird daran bis zur Ligateilung wohl auch nichts ändern.

Ein 12 Meter von Jürgen Pucher

 

Der SK Sturm bestritt am Sonntag seinen Frühjahrsauftakt gegen den Angstgegner aus dem Burgenland. Schon in den letzten beiden Saisonen mussten die Schwarz-Weißen nach der Winterpause in Mattersburg antreten und verloren jeweils mit 1:0. Auch dieses Mal gingen die Hausherren im Pappelstadion in Führung. „Hausherren“ ist dabei mit Anführungszeichen zu schreiben, war es doch eigentlich wegen der vielen mitgereisten Fans aus Graz eigentlich ein Heimspiel für Sturm. Nach einer knappen Stunde konnte die Blackys-Kurve schließlich auch jubeln. Otar Kiteishvili erzielte den Ausgleich nach Traumvorarbeit von Sandi Lovric. Eine bessere Hälfte von Mattersburg und eine bessere von Sturm ergaben am Ende ein gerechtes Unentschieden, auch wenn John Michael Lema, gerade mit einem neuen Jungprofivertrag ausgestattet, den Matchball in der Nachspielzeit aus kurzer Distanz vergeben hat.

 

(Artikel wird unterhalb fortgesetzt)

"Was wäre, würde man doch nur Siebenter werden, darüber will in Graz niemand reden. Das „von Spiel zu Spiel denken“-Dogma wurde in letzter Zeit fast zu einer Kunstform erhoben. Niemand, der federführend in Messendorf tätig ist, ist bereit darüber hinaus Auskunft zu geben." -

Sturm mit drei Neuen im alten Anzug

Sturm bleibt somit nach dem ersten der vier Endspiele bevor die Liga geteilt wird im Soll. Tippt man ein wenig kreuz und quer durch den verbleibenden Spielplan steht unter dem Strich: Vier weitere Punkte aus den noch anstehenden drei Partien sollten eigentlich reichen, um es unter die ersten Sechs zu schaffen. Das erklärte erste Ziel der Ära Roman Mählich wäre somit erreicht, was dann kommt, wird sich weisen. Was wäre, würde man doch nur Siebenter werden, darüber will in Graz niemand reden. Das „von Spiel zu Spiel denken“-Dogma wurde in letzter Zeit fast zu einer Kunstform erhoben. Niemand, der federführend in Messendorf tätig ist, ist bereit darüber hinaus Auskunft zu geben. In Ermangelung der perspektivischen Informationen, bleibt an dieser Stelle ebenfalls vorerst nur die Beschäftigung mit dem unmittelbar Gesehenen.

Das wären zunächst einmal drei Neue in der Startelf des SK Sturm. Jakob Jantscher kehrte nach Verletzung zurück, Ivan Ljubic, im Winter aus Hartberg wieder nach Graz geholt, lief als zweiter Sechser neben Sandi Lovric auf und Neuzugang Arnel Jakupovic spielte statt Emeka Eze Solospitze. An der Art und Weise des Spiels unter Roman Mählich hat sich vorerst nichts geändert. Die bewährte Ausrichtung mit Fünferkette in der Verteidigung bzw. Dreierkette mit nach vorne orientierten Außenverteidigern in Angriffssituationen, zwei Sechsern davor, je einem Mittelfeldakteur auf den Halbpositionen und einer Solospitze war auch in Mattersburg so zu sehen wie schon im Herbst. Nach den letzten Aussagen von Trainer Mählich, etwa beim BlackFM.at-Livepodcast oder in diversen Zeitungsinterviews, war das nicht anders zu erwarten. Das ebenfalls angekündigte frühere und aggressivere Attackieren oder eine Systemumstellung wie in der Winterpause geübt, haben, auch nach dem zwischenzeitigen Rückstand, (noch) nicht stattgefunden.

Sandi und Otar haben es gerichtet

Die bewährte Spielanlage wird wohl auch in den nächsten Matches angewandt werden. Innerhalb dieser wird es aber wahrscheinlich die eine oder andere Änderung geben. Arnel Jakupovic scheint sich als Solospitze nicht gar so wohl zu fühlen, auch wenn sein Einsatz sicher der Körpergröße der Mattersburger geschuldet war. Der Neuzugang verzeichnete elf gewonnene Defensivkopfballduelle, vorne hing er aber buchstäblich ein wenig in der Luft. Als Eze für ihn aufs Feld kam, war zu sehen, dass er alleine vorne drinnen wohl die derzeit beste Option ist. Jakupovic würde sich hingegen über einen Sturmpartner sicher freuen. Was auch aufgefallen ist: Jakob Jantscher ist noch nicht ganz auf der Höhe, Ivan Ljubic hat sich relativ problemlos in die Mannschaft eingefügt und Sandi Lovric hat ein wirkliches überzeugendes Spiel gezeigt. Schade, dass es mit einer Vertragsverlängerung nicht besonders gut aussieht. Lovric und Otar Kiteishvili, der mit seinen Dribblings und schnellen Antritten immer wieder für die wenigen gefährlichen Grazer Aktionen gesorgt hat, waren wesentlich dafür verantwortlich, dass die Partie nicht verloren gegangen ist.

Es hat in jedem Fall den Anschein, als könnte Sturm mit diesem Zugang eine Platzierung über dem Strich schaffen. Dass das alles nicht sehr weit in die Zukunft blickt, dass es nicht besonders schön anzusehen ist und dass es im Moment keinen Plan B zu geben scheint – weder für einen eventuellen Platz in der unteren Hälfte der Tabelle noch auf dem Spielfeld - steht auf einem anderen Blatt Papier. Aber im Umfeld stoßen sich nur wenige am aktuellen Vorgehen. Der Zwischenstand der 90Minuten-Umfrage zum SK Sturm zeigt ein relativ klares Bild. Kurzzusammenfassung der Momentaufnahme: Den Fans passt alles ganz gut, wie es derzeit ist. Also hat man wohl alles richtiggemacht, oder?

Leseempfehlungen
Schon gelesen?