Sturm Graz: Good Vibes before Hearts
Der Vizemeister rackert in der Vorbereitung und hat schon sehr bald ein richtungsweisendes Spiel vor der Brust. Die Stimmung ist trotz einer angespannten Kadersituation gut. Der sportliche Wahrheitsbeweis muss natürlich erst angetreten werden.
In Trump-Land läuft die aufgeblähte WM, Graz hat die alte neue Bürgermeisterin gewählt und der SK Sturm schwitzt im Trainingslager im obersteirischen Irdning, um sich auf die neue Saison vorzubereiten.
Und die geht sehr bald los. Schon in drei Wochen kommen die Hearts aus Edinburgh zum Hinspiel der Champions-League-Qualifikation nach Graz.
Noch zu viele Beine
Zu Besuch beim Tross der Schwoazn am Fuße des Grimmings, trifft man auf perfekte Bedingungen abseits der Großstadthitze und einen sehr großen Kader, wo so einige um ihr Leiberl für die kommende Saison kämpfen.
Emanuel Aiwu, Niklas Geyrhofer und der Leihrückkehrer Amady Camara wurden schon aussortiert und sollen den Verein verlassen. Emran Soglo, Szymon Włodarczyk und Peter Kiedl, auch alle von einem Leihgeschäft wieder zurück, haben noch eine kleine Chance, den Cut zu schaffen.
Bevor Sportchef Michael Parensen über einen neuen Stürmer nachdenken kann, müssen sich die Reihen noch weiter lichten.
Chefcoach Fabio Ingolitsch hält sich bedeckt und spricht von einer fairen Chance für diese Spieler. Angesichts der Tatsache, dass man eigentlich Kosten einsparen möchte, um ein zusätzliches Stürmerprofil in den Kader holen zu können, wird es speziell für die beiden Stürmer schwer werden, weiterhin das Dress des Vizemeisters zu tragen.
Einer, der dieses Profil auch haben könnte, macht nach seiner Knieverletzung im Herbst 2025 noch Einzeltraining. Leon Grgic ist am Weg zurück, bis zum Saisonbeginn wird er aber noch nicht matchfit sein.
Mit Emir Karic, Dimitri Lavalee, beide unter den Top-Verdienern in den letzten Jahren, Kristjan Bendra und Daniel Sumbu von Sturm II gab es in den letzten Wochen schon einige Abgänge, die die Payroll ein wenig entlasten. Nichtsdestotrotz ist die Anzahl an Beinen, die im Trainingslager über den Platz läuft, noch immer sehr groß.
Bevor Sportchef Michael Parensen über einen neuen Stürmer nachdenken kann, müssen sich die Reihen noch weiter lichten, gab es ja immerhin mit Jürgen Heil, Simon Seidl, Petar Petrovic, Ersatzgoalie Ammar Helac und dem fix von Feyenoord Rotterdam verpflichteten Jeyland Mitchell schon einige Neuverpflichtungen.
Was Parensen zur Stürmer-Situation sagt, liest du im Interview:
Sturm-Hausmannskost mit ein paar neuen Zutaten
Letzterer ist wahrscheinlich nur auf der Durchreise. Eventuell soll der weit einwerfende Innenverteidiger Ende Juli noch gegen die Hearts of Midlothian mithelfen, das erste große Saisonziel europäische Gruppenphase zu erreichen, spätestens danach wird der Costa Ricaner aber wohl gewinnbringend weiterverkauft. Kosten reduzieren und Transfererlöse lukrieren heißt wie gesagt die Devise.
Positive Charaktere wie die Neuzugänge Jürgen Heil und Simon Seidl oder der letzten Winter dazugestoßene "Natural Leader" Albert Vallci tragen viel zur guten Stimmung bei.
Trotz des kostenseitigen Drucks und der damit verbundenen Not, den Kader zu verkleinern, trifft man im Sturm-Camp auf eine sehr positive Grundstimmung. Im Vergleich mit dem Trainingslager unter Jürgen Säumel im letzten Jahr, war nicht nur das Wetter heuer bedeutend besser.
Vom Betreuerteam abwärts, ist viel Energie, viel gute Laune und ein spürbarer Drive in allen Übungsformen. Positive Charaktere wie die Neuzugänge Jürgen Heil und Simon Seidl oder der letzten Winter dazugestoßene "Natural Leader" Albert Vallci tragen viel zu dieser Stimmung bei.
Inhaltlich sind in den Trainings zwei große Themen sichtbar. Einerseits ein Vertiefen und Verfestigen der Grundzutaten im Sturm-Spiel aus den letzten Jahren. Pressing, Umschaltspiel und das grassierende Unwort in diesem Zusammenhang: Intensität. Dazu, so beschreibt es der Cheftrainer, braucht es aber eine Weiterentwicklung im Spiel mit dem Ball. Mehr Präzision im Passspiel und individuelle Lösungen werden forciert, um die auch in der kommenden Saison in der Bundesliga zu erwartenden tief stehenden Blöcke besser bespielen zu können.
Hearts-Spiel ist richtungsweisend
Wie weit das alles verfängt und wie erfolgreich Michael Parensen den Kader numerisch und personell dorthin bringen kann, wo er - beziehungsweise sein Vorstand - ihn haben möchte, werden die nächsten Wochen zeigen.
Eine große Rolle spielt dabei das Quali-Spiel gegen die Hearts. Überwindet man die schottische Hürde, ist die Europa-League-Gruppenphase fix und diese Mehreinnahmen bringen Flexibilität am Transfermarkt.
Das alles ist Schall und Rauch, sollte das Ingolitsch-Team sportlich nicht liefern, aber eine gute Stimmung ist nichtsdestotrotz die Basis für ein gutes Gelingen.
Was Sturm in dieser Vorbereitung in jedem Fall schon besser macht als in der letzten, ist die Kommunikation der Ziele für die bevorstehende Spielzeit.
Neben den für die Fans wenig greifbaren Themen wie Spielerentwicklung für den Transfermarkt und "um den Titel mitspielen", werden eine europäische Gruppenphase und ein Tabellenplatz in der Meisterschaft, der auch nächste Saison gute Chancen in Europa ermöglicht, klipp und klar als Ziele genannt. Das bedeutet wohl zumindest Platz drei, angesichts der schlechter werdenden Ausgangssituation für heimische Klubs.
Es kommt ein wenig überraschend, aber Sturm macht trotz Spardruck, spielerisch wenig berauschender Leistungen in der Schlussphase der letzten Saison und des noch immer fehlenden und viel geforderten neuen Stürmers einen sehr positiven Eindruck in dieser Vorbereitung.
Das alles ist Schall und Rauch, sollte das Ingolitsch-Team sportlich nicht liefern, aber eine gute Stimmung ist nichtsdestotrotz die Basis für ein gutes Gelingen.
Jürgen Pucher ist Buchautor, Politikwissenschaftler, Fußballjournalist und praktizierender Sturmfan in Wien. Der Steirer war Mitgründer der Fanplattform Sturm12.at. Seit 2015 ist Pucher als Betreiber des Podcast BlackFM aktiv, der sich den "Schwoazn" widmet. Für 90minuten.at schreibt er in regelmäßigen Abständen die Kolumne "12 Meter".
Jürgen Pucher