Wer ist der doppelte Austria-Gegner FCM Traiskirchen?
Foto © GEPA

Wer ist der doppelte Austria-Gegner FCM Traiskirchen?

Am Samstag treffen sowohl die Männer als auch die Frauen von Austria Wien auf den Regionalligisten FCM Traiskirchen, der mit vielen E-Profis gespickt ist.

Die rund 19.000 Einwohner große Stadtgemeinde Traiskirchen, 20 Kilometer südlich der Bundeshauptstadt, ist für viele Dinge bekannt. Im Sport vor allem für den Basketball-Bundesligaklub Traiskirchen Lions. Abseits dessen vor allem für das Erstaufnahmezentrum für Geflüchtete und – irgendwie damit zusammenhängend – den aktuellen Vizekanzler und Ex-Bürgermeister der Stadt, Andreas Babler.

Dabei kicken hier hunderte Burschen, Mädels, Männer und Frauen. Letztere sind in der 2. Frauen-Bundesliga zu finden, die Männer seit zehn Jahren in der drittklassigen Regionalliga Ost.

Am Samstag treffen nun beide ersten Mannschaften auf Austria Wien; zuerst die Männer, dann die Frauen. 90Minuten war zum Lokalaugenschein und auf ein Gespräch mit Manager Manuel Trost vor Ort.

Wofür steht das "M"?

Wer zum FCM kommen will, reist am besten mit der Badner Bahn an und geht dann durch den Ort und an Pferdekoppeln sowie diversen Sportplätzen (Tennis, Baseball) zum Stadion. Dieses steht übrigens nicht im namensgebenden Ortsteil Möllersdorf.

Dort wurde 1927 der "Sport Club Möllersdorf" gegründet, schon damals in den Farben Blau und Weiß. Nach dem 2. Weltkrieg hieß man kurz SV Kammgarn-Fabrik Möllersdorf, dann FC. 2007 entschlossen sich der FCM sowie der SV Arkadia Traiskirchen zu fusionieren, geboren war der FCM Traiskirchen, immer wieder mit einem Sponsornamen zwischen Kürzel und Stadtbezeichnung.

Generell ist das keine unösterreichische Historie, auch nicht der nächste Abschnitt: Nachdem Arkadia im Jahr 2015 von TQS abgelöst wurde, kooperierte der Klub mit Sollenau. Diese zogen sich mit Saisonende aus der Ostliga zurück, der bisherige Landesligist aus Traiskirchen übernahm dank einer Spielgemeinschaft den Startplatz in der Regionalliga.

Wenn ich jetzt zu größeren Unternehmen hingehe und frage, heißt es oft: Es passt nicht rein, Fußball ist schwierig, da kann immer etwas passieren.

Manuel Trost

Die Ex-Profis am kleinen Platz

Das Stadion bietet regulär 3.500 Personen Platz. Die Haupttribüne ist durchaus beeindruckend, der Rest enden wollend.

Es gibt viele Nachwuchsteams, aber zu wenig Infrastruktur. Weitere Fußballplätze und Garderoben wären notwendig, sind aber mit den vielen kleineren und mittleren Sponsoren schwer finanzierbar. Dass das Spielfeld keine FIFA-Maße hat, kommt on top noch dazu.

Das ändert nichts daran, dass hier trainiert wird. Das Hauptfeld gehört beim Besuch der ersten Männermannschaft. Das heißt: den Ex-Bundesligakickern Philipp Hosiner, Patrick Schmidt, Maximilian Sax, Philipp Schobesberger, Thomas Ebner, weiteren nicht unbekannten Herren (Ex-Admira-Goalie Dennis Verwüster, Ex-WSC-Akteur Lucas Pfaffl) sowie den vielen Eigengewächsen. Eventuell ein bisschen viele Ex-Profis im Ausgedinge, aber im Großraum Wien ist das jetzt kein komplett außergewöhnlicher Kader.

Mit der Austria hat man das große Los gezogen. Früher kamen Altach und die WSG im Cup nach Traiskirchen
Foto © GEPA
Mit der Austria hat man das große Los gezogen. Früher kamen Altach und die WSG im Cup nach Traiskirchen

Die Augen auf das Treiben hat Manuel Trost. Er ist der einzige Vollzeitbeschäftigte im Management des Vereins, offiziell Sportmanager. In Wahrheit ist der Sohn des Obmanns Werner Trost Bub bzw. Mädchen für alles im Verein.

Bub für alles

"Ich bin für das komplette Tagesgeschäft zuständig. Heute war ich für die Kantine einkaufen, meine Lebensgefährtin hilft bei der Buchhaltung, mein Vater schaut, dass der Verein genug Geld hat", sagt er. Er selbst kickte in der zweiten Mannschaft des Klubs.

Hauptberufliche Angestellte bei Regionalligisten, dazu ein Haufen Kicker von weiter oben – das sind zumeist Indizien, dass ein Verein aufsteigen will.

"Diese Idee gibt es natürlich", stellt er klar, räumt aber auch ein: "Es muss wirtschaftlich passen. Aus den Workshops weiß ich, dass alleine die Lizenzierung im ersten Jahr knapp 30.000 Euro macht. Das sind knapp fünf Prozent unseres Jahresbudgets."

Seit Jahren gelten hierzulande ja ein paar Zahlen als Faustregel: In der Regionalliga Ost spielt man um 500.000 bis 700.000 Euro vorne mit. Um seriös 2. Liga zu spielen, müsste man noch eine halbe Million Euro mindestens drauflegen. Dazu kommen in Traiskirchen noch Investitionen in die Infrastruktur, die belaufen sich auf 150.000 Euro.

Wenn du einfach sportlich der Beste sein und aufsteigen willst, ist das mit einem Regionalliga-Budget von einer halben bis dreiviertel Million Euro nicht drin. Ich könnte es probieren, aber dann werde ich wahrscheinlich krachend wieder absteigen.

Wer soll das bezahlen?

Der FCM hatte mit Arkadia, TQS und Flyeralarm zwar namhafte Hauptsponsoren, Obmann Trost Sen. aber stellt den Verein breit und auf viele kleine Säulen auf. Der Vorteil: Der Klub verschwindet nicht, wenn es einen Mäzen oder ein großes Unternehmen nicht mehr freut. Den Nachteil umschreibt Trost so: "Wenn der große Geldgeber dann nicht mehr da ist, geht es rapide bergab."

Auf finanzielle Spielchen will und kann man sich ohnehin nicht einlassen. Mit der Stadtgemeinde ist die öffentliche Hand einer der Förderer, die ein sehr genaues Auge auf die Ausgaben hat.

Die Privatwirtschaft aus der finanzstarken Region im Süden Wiens ist am Klub noch nicht so interessiert. Das hat mehrere Gründe. "Wenn ich jetzt zu größeren Unternehmen hingehe und frage, heißt es oft: Es passt nicht rein, Fußball ist schwierig, da kann immer etwas passieren."

Marketingbudget oder einen wirtschaftlichen Geschäftsführer gibt es nicht – würde sich da jemand hauptamtlich darum kümmern, wäre das vielleicht anders. Zumindest klappte es in Wels .

Riesenbetrieb

Dabei würde sich schon angesichts der Größe des Vereins eine Werbetafel rechnen. Es gibt je zwei Männer- und Frauen-Kampfmannschaften, von der U7 bis zur U15 trainieren hier weit über 300 Kinder. Und die haben Eltern, Geschwister und so weiter. Man kann sich vorstellen, dass da ein durchschnittlicher Sportplatz schon an seine Grenzen stößt, vor allem wenn man bedenkt, dass die Trainings im Großen und Ganzen am Vorabend stattfinden.

Traiskirchen ist viel, aber ehrlicherweise auch nicht gerade der Nabel der Fußballwelt
Foto © GEPA
Traiskirchen ist viel, aber ehrlicherweise auch nicht gerade der Nabel der Fußballwelt

Es ist ja auch eine interessante Schwelle: Wenn ein Verein einstellig in der dritten Leistungsstufe ist, ist man schon sehr nahe am Profifußball. Gleichzeitig ist rundherum noch sehr viel Amateurstruktur vorhanden und das Ehrenamt ist mit Corona deutlich zurückgegangen. Das hat dann sportliche Auswirkungen, Massage und Physiotherapie sind nur auf Honorarbasis möglich – alles andere als professionell und irgendwie ein Kontrast zum Kader.

Immerhin helfen diese Vereine den ganzen Kickern, die die Akademien Jahr für Jahr in den Fußball spülen. Nicht jeder ist ein Supertalent, manche drehen eine Regionalliga-Runde, um es raufzuschaffen. Andere haben Freude an der Bewegung, aber nicht den Willen, österreichweit zu kicken.

Cup-Duell als große Chance?

Damit drängt sich die Frage auf: Ist organisches Wachstum mit einem Regionalliga-Budget von einer halben bis dreiviertel Million Euro überhaupt möglich, wenn man sportlich immer weiter nach oben will?

Trosts Antwort: "Eigentlich nicht. Wenn du einfach sportlich der Beste sein und aufsteigen willst, ist das mit einem Regionalliga-Budget von einer halben bis dreiviertel Million Euro nicht drin. Ich könnte es probieren, aber dann werde ich wahrscheinlich krachend wieder absteigen."

Dennoch will der Klub zeigen, was er kann. Endlich gibt es Losglück, sagt er noch. In den letzten zehn Jahren kamen aus der Bundesliga zwei Mal die WSG Tirol, ein Mal der SCR Altach. Ein Mal schaffte man es in die zweite Runde. Nach einem Sieg gegen Stripfing kamen die Wattener.

Allerdings: "Ich habe derzeit eine 70-Stunden-Woche für dieses Spiel." Es ist mehr Werbung, für Traiskirchen, für den Frauenfußball – es ist gewollt, dass die Fans der Einser der Männer verweilen. Finanziell kostet ein derartiges Spiel fast mehr, als man einnimmt. Die Kosten für mobile Tribünen und Sicherheit sind hoch.

Aber das zählt nicht. "Wir sind ein familiär geführter Verein, gut geführt, das Geld für die Spieler kommt pünktlich. Es ist immer alles offen und ehrlich."

Vielleicht ist das auch wichtiger, als ob man am Freitag in Vorarlberg oder im Burgenland kickt...


Kommentare