Jordanien: Der unbekannte Gegner Österreichs
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Jordanien: Der unbekannte Gegner Österreichs

Bei der Auslosung zur Weltmeisterschaft freuten sich wohl viele Fans des heimischen Nationalteams, dass man mit Jordanien einen eher einfacheren Gegner bekam. Aber: Wer sind die Kicker aus dem Nahen Osten überhaupt?

Bei einer Straßenumfrage wird wohl kaum jemand auch nur einen Kicker aus Jordanien nennen können.

Das wäre bei anderen möglichen Gegnern Österreichs bei der Weltmeisterschaft aus Topf vier entweder ähnlich gewesen (Haiti, Kongo) oder komplett anders (Bosnien-Herzegowina, Tschechien).

Was weiß man auf die Schnelle? Auf der Landkarte findet man das Land wohl schnell, sogar ohne Suchmaschine. Man lernt auf Wikipedia schnell einige Dinge.

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Nur ein Spieler kickt in Europa

Etwa, dass die meisten Fußballklubs aus dem Nordwesten des Landes kommen, oder dass es eine Zehnerliga gibt. Deren Rekordmeister heißt Al-Faisaly. Zuletzt holte aber Al Hussein drei Mal die Liga. Der Verein stellt mit sechs Spielern auch die größte Abordnung an Spielern.

Im WM-Kader stehen ansonsten großteils Legionäre. In Europa spielt mit Stürmer Musa Al-Taamari (29, Stade Rennes) nur ein Spieler.

Trainer Jamel Sellami ist Marokkaner. Da Jordanien im Gegensatz zu vielen anderen Nationen wenige im Ausland geborene Spieler hat und die meisten Legionäre im arabischen beziehungsweise asiatischen Raum kicken, gilt: Im Endeffekt hilft Google nicht weiter.

Angreiferin kennt sich aus

Eine, die sich auskennt, ist Rapid-Spielerin Lana Khalaf. Die 20-jährige Stürmerin ist seit Tag eins Mitglied der SK Rapid Frauen und hat ihre Wurzeln in Jordanien.

Das Kicken lernte sie im Park mit ihrem Bruder, dann bei Hirschstetten, der Vienna und Altera Porta, aktuell hält sie bei 154 Toren in 228 Spielen.

Die Rapid-Spielerin bei ihrer Lieblingsbeschäftigung
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Die Rapid-Spielerin bei ihrer Lieblingsbeschäftigung

Familie Khalaf ist überhaupt sehr sportbegeistert. Ein Beispiel: "Ich bin mit meinen älteren Brüdern immer mit in den Park gegangen. Sie haben mich auch trainiert – in der Schule habe ich in der Schülerliga gespielt, das Finale war im Ernst-Happel-Stadion."

Und zuhause rennt der Fernseher sehr oft, die Eltern sind eben sportbegeistert. Dass die Tochter mehr Zeit fürs Fußballtraining als für die Bildung aufwendete, störte sie zunächst doch, aber: "Heute sind meine Eltern sehr stolz auf mich. Sie sind stolz darauf, dass ich meinen Weg gegangen bin und durchgehalten habe."

Ein Fußballland wie viele andere auch

Genauso stolz ist Jordanien auf seine Nationalmannschaft. Zwar ist ihr Heimatland kein klassisches Fußballland, aber: "Wenn in Jordanien über Sport gesprochen wird, dann geht es fast immer um Fußball."

Es gibt Derbys, Diskussionen, Emotionen – sprich: "Die Begeisterung der Fans unterscheidet sich meiner Meinung nach nicht wesentlich von jener in Europa."

Ihrer Ansicht nach hat sich der Fußball zuletzt stark entwickelt. Das Land nahm erst 1986 erstmals an einer Qualifikation für die Weltmeisterschaft teil. Seitdem entwickelt man sich immer weiter.

Es wurde sogar diskutiert, ob für die Spiele nicht alle freibekommen. Ich denke, dass viele an diesen Tagen später zur Arbeit gehen werden.

Lana Khalaf

2014 scheiterte Jordanien im interkontinentalen Playoff an Uruguay. Vier Jahre später gehörte man zu den stärksten Gruppenzweiten, verpasste die Endrunde aber erneut. Nach einer schwächeren Qualifikation für Katar 2022 gelang schließlich der große Durchbruch.

Am 5. Juni 2025 sicherte sich das Nationalteam schließlich mit einem 3:0 gegen Oman die erstmalige WM-Teilnahme.

Feiertag? Fast

Ein Jubeltag, auch für Familie Khalaf: "Ich selbst habe nicht jedes Spiel gesehen, aber beim entscheidenden Spiel haben alle zugeschaut. Wir waren ständig mit unseren Verwandten in Jordanien in Kontakt und nach dem Spiel sind alle ausgeflippt."

Sofort wurden Public Viewings organisiert und "es wurde sogar diskutiert, ob für die Spiele nicht alle freibekommen. Ich denke, dass viele an diesen Tagen später zur Arbeit gehen werden."

Forderungen nach einem Feiertag kennt man hierzulande – mit einem Augenzwinkern forderte Marko Arnautović ja auch einen für Österreich.

Die größte Stärke des Teams liegt in der Organisation. Ohne zu aggressiv zu pressen setzt man auf Umschaltspiel und hofft auf die Fähigkeiten von Rechtsaußen Musa Al-Taamari.

Lana Khalaf

Vor Ort in den USA wird sich ebenfalls viel tun: In den Vereinigten Staaten leben ungefähr so viele Jordanier wie Österreicher. Ihr Vater hat sich übrigens vorgenommen, nach Jordanien zu fliegen und sich in der alten Heimat das Spiel anzusehen.

Einen tiefen Block mag Österreich nicht

Fußballerisch ist ein Team zu erwarten, das auf einen tiefen Block, oftmals eine Dreier- beziehungsweise Fünferkette, setzt.

Das liegt dem marokkanischen Trainer Jamel Sellami im Blut, galt er doch als kompromissloser Sechser. Er ist mittlerweile auch jordanischer Staatsbürger – das verfügte König Abdullah II. nach dem Finaleinzug beim FIFA-Arab-Cup.

Es liegt aber auch am Verletzungsteufel. Toptorjäger Yazan Al-Naimat (27, Al-Arabi SC) erlitt im Dezember beim Arab Cup einen Kreuzbandriss, Ibrahim Sabra (18, Lok Zagreb) ist ebenfalls kurzfristig ausgefallen. Ihr Ausfall schwächt die Mannschaft erheblich, und "man wird ihre Abwesenheit bei der WM deutlich spüren".

"Die größte Stärke des Teams liegt in der Organisation. Ohne zu aggressiv zu pressen setzt man auf Umschaltspiel und hofft auf die Fähigkeiten von Rechtsaußen Musa Al-Taamari", analysiert sie. Keine leichte Aufgabe also für das rot-weiß-rote Nationalteam, das genau diese Spielweise nicht mag.

Arabisches Duell, dann kommt der Superstar

Allerdings ist Österreich für sie der Favorit. Die zweite Partie wird gegen Algerien gespielt. Viele Beobachter sehen diese Begegnung als Schlüsselspiel im Kampf um den Aufstieg. Sie meint, das sei sogar "irgendwie ein arabisches Derby".

In der arabischen Welt unterstützt man sich dann schon. Dass Marokko 2022 bis ins Halbfinale kam, ließ die Herzen höher schlagen: "Ich habe das Gefühl, dass die arabische Gemeinschaft zusammenhält. Die Erfolge anderer arabischer Länder bedeuten mir viel."

Der Trainer der Jordanier, Jamal Sellami. Seine Vergangenheit als kompormissloser Sechser sieht man ihm noch heute an
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Der Trainer der Jordanier, Jamal Sellami. Seine Vergangenheit als kompormissloser Sechser sieht man ihm noch heute an

Dass die jordanische Fußballnationalmannschaft neben Österreich auch noch auf den amtierenden Fußballweltmeister trifft, ist "ein absolutes Highlight. Gegen Lionel Messi zu spielen, ist für alle etwas Besonderes. Natürlich ist Argentinien aber viel stärker".

Chancenlos sei man aber nicht. "Saudi-Arabiens Sieg gegen Argentinien hat gezeigt, dass Überraschungen möglich sind", spielt sie auf den Auftakt der WM 2022 an, als die südamerikanischen Star-Kicker 1:2 gegen die Saudis verloren. Diese sind aktuell übrigens mit Platz 61 nur zwei Plätze vor Jordanien in der FIFA-Weltrangliste.

Fazit: Träumen ist erlaubt

In Jordanien träumt man gar von einem Aufstieg. Das ist übrigens gar nicht so unwahrscheinlich. Gelingt den Jordaniern im Spiel gegen Österreich oder Algerien ein Dreier, ist man mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter, wie eine Erhebung von Football meets Data ergibt.

Mit drei Punkten und einem Torverhältnis von minus zwei ins Sechzehntelfinale zu kommen, ist zu 69,4 Prozent wahrscheinlich.

Träumen ist also erlaubt – vor allem, wenn das Herz für mehrere Länder schlägt, wie es eben bei Lana Khalaf der Fall ist: "Ich freue mich sowohl für Jordanien als auch für Österreich. Gleichzeitig fühle ich mich meinem Heimatland sehr verbunden. Ich empfinde diese doppelte Verbundenheit nicht als Widerspruch. Für mich soll am Ende einfach die bessere Mannschaft gewinnen."

Ein schöner Schlusssatz der Angreiferin, gerade in Zeiten wie heutzutage.

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