Der Endspurt in der spanischen Primera División

Statt eines Zwei- oder gar Dreikampfs um den Titel ist die Entscheidung in der spanischen Primera División heuer recht früh gefallen. Dennoch bleibt es spannend: Schafft ein Außenseiter den Einzug in die Champions League? Und welches Team muss die beiden schon feststehenden Absteiger in die Zweitklassigkeit begleiten?

Von Alexander Kords

 

Die Meisterfrage ist in Spanien überraschend schnell geklärt worden. Schon drei Spieltage vor Schluss sicherte sich der FC Barcelona den Titel und damit seine achte Meisterschaft in den vergangenen zehn Jahren. Nicht nur konnten sich die Katalanen in der zu Ende gehenden Saison auf ihre eigenen Stärken verlassen – allen voran auf ihren Ausnahmespieler Lionel Messi –, sie profitierten auf dem Weg zum Titel auch von der ungewohnten Schwäche des Dauerkontrahenten Real Madrid. Der wird bei sechs Punkten Rückstand und noch zwei zu spielenden Partien aller Voraussicht nach hinter dem Stadtrivalen Atlético Madrid auf dem dritten Tabellenplatz einlaufen.

Der Kampf um Europa könnte eine handfeste Überraschung mit sich bringen. Hinter Barcelona und den beiden Großclubs aus Madrid, die für die kommende Saison bereits mit der Champions League planen können, liegt nämlich derzeit der FC Getafe auf dem vierten Rang. Der kleine madrilenische Vorstadtverein befand sich vor zwei Spielzeiten noch in der Segunda División und hat nun die Chance, erstmals in der europäischen Königsklasse anzutreten. Einen Vorsprung von drei Punkten vor dem FC Valencia und dem FC Sevilla gilt es in den verbleibenden zwei Partien zu verteidigen. Dabei muss Getafe noch beim feststehenden Meister FC Barcelona und gegen den abstiegsbedrohten FC Villareal antreten. Sollten die Vorstädter ihre derzeitige Platzierung behalten, bleibt für Valencia und Sevilla nur die Europa League – es sein denn, einer der Clubs wird noch von Athletic Bilbao überholt. Die Basken lauern mit einem Rückstand von fünf Punkten auf dem siebten Platz.

Der Abstieg ist für zwei spanische Teams schon beschlossene Sache: Die beiden Aufsteiger SD Huesca und Rayo Vallecano können das rettende Ufer nicht mehr erreichen und kehren direkt wieder in die Segunda División zurück. Wer sie dahin begleiten wird, ist allerdings noch offen – und überaus spannend. Denn gleich fünf Teams sind noch der Bedrohung ausgesetzt, in die Zweitklassigkeit abzustürzen. Derzeit nimmt der FC Girona (37 Punkte) den Abstiegsplatz ein, in Schlagdistanz sind aber noch Real Valladolid (38), der FC Villareal (40), UD Levante (40) und Celta Vigo (40). Sollte Valladolid absteigen, hätte es übrigens keiner der drei Aufsteiger geschafft, die Liga zu halten.

Der Aufstieg in die höchste Klasse erfordert noch ein wenig Geduld. Weil in der Segunda División nämlich 22 Teams vertreten sind, absolviert die Liga 42 Spieltage – und am Wochenende war erst der 37. dran. Es spricht jedoch vieles dafür, dass CA Osasuna den Aufstieg schaffen wird. Der Club aus Pamplona führt das Tableau momentan mit sechs Punkten Vorsprung an. Dahinter tobt ein Mehrkampf um den zweiten sicheren Aufstiegsplatz sowie um die Teilnahme an den Play-offs. In der Pole Position befindet sich der FC Grenada (68 Punkte), dahinter belegen Albacete Balompié (65), RCD Mallorca (64), der FC Cádiz (61) und Deportivo La Coruña (60) die vier Play-off-Plätze. Nach der regulären Saison treffen der Dritte und der Sechste sowie der Vierte und der Fünfte der Tabelle aufeinander. Die beiden Sieger spielen dann aus, wer ab Sommer in der Primera División vertreten sein wird. Bemerkenswert wäre, wenn dies RCD Mallorca gelingen würde, weil der Inselclub erst im Sommer 2018 aus der dritten in die zweite Liga aufgestiegen ist.