Der Endspurt in der deutschen Bundesliga

Zum ersten Mal seit Jahren steht der deutsche Meister heuer nicht schon längst fest. Zwei Spieltage vor Schluss kann auch ein anderes Team als der FC Bayern den Titel holen – zumindest theoretisch.

Von Alexander Kords

 

Die Meisterfrage hat am Wochenende eine klare Tendenz erhalten: Während die Bayern ihre Pflichtaufgabe gegen den Tabellenletzten Hannover 96 mit 3:1 erledigt haben, ließ der Verfolger Borussia Dortmund Feder. Trotz einer 2:0-Führung bei Werder Bremen gab der BVB den Sieg noch aus der Hand und muss nach dem 2:2 wohl seine Meisterhoffnungen begraben. Bei noch zwei zu spielenden Partien haben die Dortmunder vier Punkte Rückstand und gegenüber den Münchnern die deutlich schlechtere Tordifferenz. Nur wenn Bayern seine verbleibenden Spiele bei RB Leipzig und gegen Eintracht Frankfurt verliert und der BVB gegen Fortuna Düsseldorf und bei Borussia Mönchengladbach gewinnt, gibt es am letzten Spieltag noch einen Wechsel an der Tabellenspitze. Andernfalls holt Bayern München die siebte Meisterschaft in Folge. Die Dortmunder wird’s ärgern, hatten sie doch im November noch neun Punkte Vorsprung vor dem FCB und träumten vom ersten Meistertitel seit 2012.

Der Kampf um Europa ist extrem spannend: Einzig München, Dortmund und Leipzig haben schon die Teilnahme an der Champions-League-Saison 2019/2020 sicher. Dahinter haben gleich fünf Teams die Chance auf den verbleibenden Platz in der Königsklasse. Zwischen Eintracht Frankfurt (54 Punkte), Bayer Leverkusen (54), Borussia Mönchengladbach (52), dem VfL Wolfsburg (52) und der TSG Hoffenheim (51) liegen dabei gerade einmal drei Zähler. Die beste Ausgangsposition hat Frankfurt am Wochenende aus der Hand gegeben, indem sie im direkten Duell in Leverkusen mit 1:6 unter die Räder kamen. Nun muss die Mannschaft von Adi Hütter befürchten, auf den achten Platz durchgereicht zu werden – und somit in der kommenden Spielzeit gar nicht international vertreten zu sein. Werder Bremen könnte noch Platz sieben erreichen und sich somit für die Europa League qualifizieren, allerdings müssten die Norddeutschen dafür fünf Punkte Rückstand aufholen.

Der Abstieg ist so gut wie entschieden: Der 1. FC Nürnberg und Hannover 96 haben angesichts von fünf bzw. sogar sechs Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz nur noch theoretische Chancen auf den Klassenerhalt. Den 16. Rang, der zum Duell gegen den Dritten der zweiten Bundesliga berechtigt, hat der VfB Stuttgart inne – und wird dies wohl auch bis zum Saisonende tun. Es sei denn, die Schwaben verlieren ihre Duelle gegen Wolfsburg und auf Schalke, während Nürnberg und/oder Hannover ihre verbleibenden Matches siegreich gestalten.

Der Aufstieg in die höchste Klasse ist zum Schneckenrennen verkommen. Am Wochenende haben die Teams, die in der zweiten Liga zwischen Platz 2 und 8 liegen, allesamt ihre Spiele verloren. Somit ist der Weg für die Rückkehr des 1. FC Köln in die Bundesliga bereitet. Die Domstädter spielen heute Abend bei Greuther Fürth und dürften schon mit einem Unentschieden uneinholbar sein. Dahinter liegen der SC Paderborn (54 Punkte), Union Berlin (53) und der Hamburger SV (53) im Clinch um den zweiten direkten Aufstiegsplatz. Auch der 1. FC Heidenheim hat mit 49 Zählern noch Chancen, der FC St. Pauli mit seinen 48 Punkten könnte noch auf den Relegationsplatz 3 schielen.