Foto: © GEPA Reportage

So tickt der neue Austria-Trainer Thomas Letsch

Der 49-Jährige soll bei der Wiener Austria retten, was noch irgendwie zu retten ist. Die Austria spricht mit anderen Trainern, ein starker Erfolgslauf kann aber Letsch' Ära in Wien X länger als zwölf Spiele dauern lassen.

Von Georg Sander

 

Bereits am Sonntag, wenige Stunden nachdem Thorsten Fink beurlaubt wurde, sollen die ersten Gespräche mit Thomas Letsch stattgefunden haben. Letsch musste noch seinen laufenden Vertrag bei Erzgebirge Aue lösen, am Montag vermeldete Sky dann, dass das Engagement als Interimstrainer bis Saisonende perfekt wäre, die Austria bestätigte am Dienstag-Vormittag. Was ihn bei der Austria erwartet, ist bekannt: Ein beinahe schon aussichtsloser Kampf um das Aufholen von zwölf Punkten auf den sicheren Europa-League-Platz oder auch nicht einfache neun Punkte, falls der Cupsieger bereits über die Liga für Europa qualifiziert ist. Aber wer ist Thomas Letsch?

 

Nie Profifußballer

Thomas Letsch war, wie etwa auch Altach-Coach Klaus Schmidt, nie Profifußballer. Seine ersten Meriten verdiente er sich als Spielertrainer von Oberesslingen, 2001 heuerte er als Coach bei der zweiten Mannschaft der Stuttgarter Kickers an. Über Heilbronn, Ulm und Sonnenhof-Großaspach kam er 2012 mit Ralf Rangnick in die Welt von Red Bull, wurde Nachwuchs- und später Roger Schmidts Co-Trainer. 2015 übernahm er den FC Liefering, coachte zwei Spiele lang im Spätherbst Red Bull Salzburg und verblieb bis Sommer 2017 bei Red Bull. Die Bullen setzten lieber auf Marco Rose und Letsch ging für knapp zwei Monate zu Erzgebirge Aue. Nach zwei Liganiederlagen und einer im Cup musste er nach drei Spielen schon wieder gehen. Danach war Letsch im Herbst noch als Sturm-Coach im Gespräch, das Rennen machte bekanntlich Heiko Vogel.

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Spielerentwickler

Der Fußballlehrer, der die UEFA-Pro-Lizenz besitzt, wurde „schweren Herzens“ aus Salzburg ziehen gelassen. Mit den Lieferingern wurde er 15/16 Vierter, 16/17 gar Zweiter. Er trainierte in dieser Zeit Kicker wie Dayot Upamecano, Diade Samassekou, Xaver Schlager, Hannes Wolf oder Amadou Haidara und sie waren Stammspieler, wurden besser und gingen entweder schon oder sind nun fixer Bestandteil der ersten Bullenelf. Er arbeitete auch mit anderen Kickern wie Duje Caleta-Car oder Konrad Laimer. Mit jungen Spielern kann er also sehr gut arbeiten und das auch relativ schnell. Upamecano wurde innerhalb weniger Monate fit gemacht für die erste Elf. Das könnte angesichts von guten jungen Kickern wir Prokop schon helfen, wenn Letsch schnell die richtigen Worte findet. Mit erfahrenen Spielern hingegen hat Letsch bisher weniger zu tun gehabt, was bei der Austria sicher auch ein Kriterium sein wird. Nach dem fehlgeschlagenen Zeidler-Experiment aber richtete er die Salzburger auf und holte vier Punkte aus zwei Spielen. In Aue dürfte es mit erfahrenen Spielern aber schwieriger gewesen sein.

 

Taktische Ansätze

Natürlich kennt und versteht Letsch nach fünf Jahren bei Salzburg das Pressing und wird es vermutlich umsetzen können. Die Austria spielte bislang eher auf Ballbesitz. Doch auch hier hat der Fußballlehrer Lösungen parat. Fraglich ist, wie schnell seine Ideen umgesetzt werden können. Die Veilchen hatten unter Fink Probleme in der Raumaufteilung in der Defensive, die Arbeit nach hinten ließ zu wünschen übrig. Inwiefern sich dieses laxe Verhalten am Platz sowie vom Verein selbst angesprochene disziplinäre Probleme abseits des Platzes mit Letsch' doch lehrerhafter Art im Umgang mit den Spielern vereinbaren lässt, wird sich noch weisen. 

 

Nicht viel zu verlieren

Die Austria kann derzeit am Trainersektor kaum etwas falsch machen, die Lage im Kampf um den Europacup ist nach fußballerischem Ermessen fast schon aussichtslos. Letsch muss sofort liefern, wenn er die Chance auf ein weiteres Engagement will. Denn die Austria redet auch mit anderen Trainern. Klappt es nicht, kann man gleich einen anderen Coach mit einem neuen Stadion und mehr Gestaltungsraum als bisher ködern. Wichtig ist immer auch der langfristige Blick: Eine durchgängige Philosophie vom Nachwuchs bis zur ersten Mannschaft konnte bei der Austria bisher nicht beobachtet werden. Da wäre Letsch der richtige Mann, sofern Wohlfahrt hier endlich in die Gänge kommt. Letsch hat aufgrund der mangelnden strategischen Ausrichtung der Austria daher sicherlich auch die Chance auf einen längeren Vertrag, selbst wenn die Europa-League-Quali nicht mehr geschafft wird, sofern die Ergebnisse halbwegs stimmen. 

 

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