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So arbeitet Christoph Freund bei Red Bull Salzburg

Für die roten Bullen ist die Meisterschaft zu Ende. Der neue (und alte, alte, alte) Meister FC Red Bull Salzburg kann sich ab sofort mit den Planungen für die kommenden Aufgaben beschäftigen. 90Minuten.at checkt, wie sich die sportliche Leitung in der ablaufenden Saison geschlagen hat. Von Georg Sander

 Bei den Salzburgern werkt nun schon seit 1. Juli 2015 Christoph Freund als sportlicher Leiter und zeichnet für die Kaderplanung und die Entwicklung des Salzburger Standorts der Fußballabteilung von Red Bull verantwortlich. Christoph Freund, der es als Aktiver bis in die zweite Leistungsstufe schaffte, gilt als ruhiger, bedachter Typ; außerhalb des Vereins wird er gern als Statthalter von Ralf Rangnick angesehen – was angesichts der vielen Wechsel nach Leipzig nicht ganz von der Hand zu weisen ist (und wohl auch die UEFA interessiert). Die Saison 2016/17 war aber sicherlich nicht leicht für den sportlichen Leiter.

 

Das Jahr des Christoph Freund

Ganz entgegen öffentlicher Aussagen wurde im Sommer das Geldbörserl geöffnet. Die Champions League sollte gar nicht so wichtig sein? Weit gefehlt, zumindest, was die Neuzugänge betraf. Der Schweizer Torschützenkönig Munas Dabbur, der beste Mittelfeldspieler der zweiten deutschen Bundesliga Marc Rzatkowski, ein Linksverteidiger vom vermeintlichen direkten Konkurrenten, Stefan Stangl; dazu noch mit Fredrik Gulbrandsen (23) und Flügelflitzer Wanderson (21) aus der Primera Division Spieler, die nicht unbedingt in die Riege junger Talente passen.

Die Champions League wurde jedoch wieder verpasst und als Reaktion auf weitere Abgänge im Defensivbereich holte Freund mit Josip Radosevic (Napoli) und Andre Wisdom (Liverpool/Leihe) noch mehr nicht mehr ganz so junge Spieler. Im Winter musste Salzburg dann noch Dayot Upamecano und Jonatan Soriano abgeben, ohne neue Kicker zu holen.

 

Sechs Stammspieler abgegeben

Insgesamt gingen wieder sechs Stammspieler der Saison 2016/17, vier davon zu Leipzig. Einer, Bernardo, brachte das Fass fast zum Überlaufen, da er mehr oder weniger einfach nach Leipzig beordert wurde - auch das könnte die UEFA interessieren. Und wurden im Sommer noch relativ große Namen verpflichtet, verlegte man sich im Winter aufs Einbauen der sehr erfolgreichen Nachwuchskicker. Das soll so bleiben. Eine genaue Übersicht bieten wie immer die Kollegen von transfermarkt.at.

 

Wer innerhalb eines Jahres so viele Spieler holt und wieder abgibt, der muss damit rechnen, dass der Kader im Mai nicht mehr so viel wert ist wie noch im September oder gar vor einem Jahr. Transfermarkt.at weist für den Mai 2016 einen Wert der Bullenelf von 43,65 Millionen Euro aus. Natürlich sind diese Werte nur virtuelle Werte, sie sind aber ein stetiger Indikator, wie einzelne Spieler oder das ganze Team performt haben.Im September 2016 stieg dieser Wert trotz namhafter Abgänge noch einmal auf 45,55 Millionen Euro an, um nun im Mai auf 36,35 Millionen Euro zu fallen.

Mitverantwortlich sind hierbei die Winterabgänge Upamecano, Dabbur und Soriano. Im Mai 2012, also noch vor der kompletten Umpolung des Vereins durch Ralf Rangnick, betrug der Kaderwert 30,68 Millionen Euro. Im Sommer 2014 soll der Marktwert übrigens an die 70 Millionen Euro betragen haben. Was sich jedenfalls zeigt: Die Bullen haben an bekannten und teuren Namen kräftig abgebaut. Fraglich ist nun aber, wie wertvoll Kicker sind, die sich diese Saison in den Vordergrund gespielt haben. Insgesamt aber verringerte sich der Wert des Kaders im letzten Jahr. Das ist statistisch zwar gut erklärbar, lässt aber natürlich auch kritische Fragen an der Arbeit von Freund zu.

 

Josip Radosevic hat keine Zukunft, Marc Rzatkowski hat sich noch nicht durchsetzen können.

Tops und Flops des letzten Jahres

Betrachtet man nun nur die Neuzugänge von Sommer und Winter, dann muss Christoph Freund ein schlechtes Zeugnis ausgestellt werden. Erst an 14. Stelle rangiert gemessen an den Einsatzzeiten in allen Bewerben der erste Neuzugang, Munas Dabbur. Nur auf die Bundesliga bezogen kommt an die 13. Stelle Andre Wisdom. Freunds weitere Sommerneuzugänge Rzatkowski, Gulbrandsen (der verliehen wurde) und Stangl liegen in der Einsatzstatistik der Bundesliga sogar hinter Martin Hinteregger (!), der bekanntlich im Sommer abwanderte.

Als richtige Verstärkung entpuppten sich bislang lediglich Wanderson (den Trainer Garcia forcierte) und Andre Wisdom, der für die Bullen aber wohl unfinanzierbar ist, zumindest für eine fixe Verpflichtung. Was diese Saison zeigte: Wer in einem gewissen Alter kommt, muss innerhalb von sechs Monaten eine echte Verstärkung sein. Und das stimmt wohl. Bedenkt man, dass Dabbur als Schweizer Torschützenkönig kam, sind zwei Ligatore in 15 Spielen einfach zu wenig für einen Stürmer.

 

Das 90minuten.at-Fazit zur sportlichen Leitung

Geht man davon aus, dass das Salzburger Konzept eigentlich vorsieht, junge Spieler zu entwickeln, verfolgt man dieses Ziel in Salzburg ganz gut. Das passt auch zur Liga. Mit Konrad Laimer (wird mit Leipzig in Verbindung gebracht), Valon Berisha (Destination Premier League) oder Tino Lazaro (verhandelt mit diversen Vereinen) stehen schon die nächsten Abgänge ante portas. Auch Wanderson wird schwer zu halten sein. Abgänge dieser Spieler würden dank langfristiger Verträge dem Verein einiges an Geld bringen. Aber gerade Laimer und Lazaro zeigen den Weg: Eigenbau. Gemessen an echten Neuzugängen von anderen Vereinen muss Christoph Freund und der sportlichen Leitung jedoch ein eher schlechtes Zeugnis für das abgelaufene Jahr ausgestellt werden.

 

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