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Jubel, Trubel, Rangnickeit? [Momentum am Montag]

Nach vier Punkten aus drei Spielen und entsprechend starken Auftritten ist Österreich wieder einmal Welteuropachampionsleague-Sieger. Es gilt aber, wachsam zu bleiben.

+ + 90minuten.at Exklusiv – Von Georg Sander + +

 

Die Spieler und Trainer Ralf Rangnick zeigten sich nach einem 1:1 gegen den amtierenden Weltmeister Frankreich unzufrieden – unser Momentum am Montag.

Spät, aber doch erzielte Kylian Mbappe das 1:1 im lochlosen Ernst Happel-Stadion. Fast hätte es zur Sensation nach der Sensation, dem 3:0 in Kroatien, gereicht. Dazwischen konnten die Dänen an die Wand gespielt werden, lediglich die Tore fehlten und man verlor. Das kann am Montagabend korrigiert werden. Es ist zwar natürlich die Art und Weise, wie die ÖFB-Herren derzeit kicken, die Erleichterung und Zungenschnalzen auslösen, aber auch wenn Ralf Rangnick schon vor sechs Monaten übernommen hätte, wären vier Punkte zur Halbzeit der Nations League 2022 in dieser Gruppe vor allem eines gewesen: Eine Überraschung.

 

Auf die Bremse treten

Während sich ein Teil der Journaille schon ehrfürchtig vor dem Deutschen auf den Boden legt, ist der vor allem um eines bemüht: Mit dem auf der Bremse stehen. Wie viel davon tatsächliche Wut nach einem 1:1 von Österreich gegen Frankreich war, wie viel bewusst eingesetzte PR, das kann nur er selbst beantworten. Jedenfalls tut es gut, wenn der Teamchef trotz achtbarer Erfolge nach Fehlern sucht, sie erklärt und unzufrieden ist. Schlimmer wäre es, würde er in den Jubelchor rund um ihn und die Elf einstimmen. Die „normalen“ Fans, klickt man sich durch Foren, Soziale Medien oder hört genau hin, scheinen da sogar noch mehr auf der Hut zu sein als so mancher aus der berichtenden Branche.

 

Wachsam bleiben

Dabei ist mit dem Rangnick-Coup bis hierhin alles aufgegangen, was man dem ÖFB vorwarf und nie für möglich hielt. Der Deutsche kam zunächst einmal und lässt so spielen, wie es sich viele erträumten. Und das Beste: Es reicht zu echten Erfolgen. Allerdings sind diese auch leichter einzufahren, wenn es gegen Gegner wie Kroatien, Dänemark oder Frankreich geht. Die Erwartungshaltung ist unterhalb des Nullpunktes, alles darüber ist schon ein Erfolg, Haltungsnoten gibt es im Fußball nicht. Und auch die Vita von Rangnick sollte man im Hinterkopf behalten. Nicht nur einmal krachte es zwischen ihm und anderen Vereinsverantwortlichen. Und wer seine Vita betrachtet, findet viel Aufbauarbeit, wenig Erfolge im Sinne von gewonnenen Trophäen.

 

Nicht blenden lassen

Egal, wie das letzte Spiel ausgeht: Ralf Rangnick hat die Stimmung in Österreich zu 180 Grad gedreht. Gut, nicht weiter verwunderlich, gibt es in Bezug auf das Herrennationalteam hierzulande ohnehin nur „himmelhochjauchzend“ oder „zutodebetrübt“. Zwischentöne scheint es nicht zu geben, sie müssen aber da sein. Es ist – auch unter Foda – nicht alles schlecht gewesen, aber im Vergleich mit Rangnick sieht man jetzt schon, was vielleicht früher möglich gewesen wäre. Eine kritische Öffentlichkeit, die sich von Zwischenschritten blenden lässt und sich dann wieder ins Tal der Tränen begibt, hilft auch nichts. Und (Selbst-)Kritik aller Akteure muss stattfinden. Das passt bei Rangnick gegenwärtig.

Es soll aber auch weiterhin so bleiben – bei Fans, Spielern, dem Trainerteam und vor allem auch in den Medien.

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