Momentum um Montag: Nerviger Kick, genervter Foda, blaues Auge

ÖFB-Teamchef Franco Foda zeigte sich nach dem wenig rühmlichen 2:1-Sieg gegen Nordirland von einer kritischen Frage genervt. Er steckt im Dilemma, weil er aus seiner Haut nicht heraus kann.

Der Moment, als Franco Foda nach der Frage von ORF-Reporter Andi Felber einen süffisanten Lächler aufsetzt und sich von einer kritischen Frage genervt fühlt, ist unser Moment am Montag.

„Österreich blamiert sich - und gewinnt“ – mit dieser saftigen Headline bilanziert der Kurier das gestrige Spiel zwischen Österreich und Nord Irland. Im Gegensatz dazu war Andreas Felber vom ORF eigentlich noch diplomatisch, als er den Teamchef in seiner Eröffnungsfrage damit konfrontierte, einen glücklichen Sieg eingefahren zu haben bei einem Spiel, „das nicht schön anzusehen war“.

Foda begann schon am Ende der Frage zu schmunzeln. Es war aber schnell klar, dass er sich ärgerte. Und so sagte er: „Mittlerweile kann ich es nicht mehr hören, es ist einfach schwierig, wenn eine Mannschaft mit zehn Mann hinter dem Ball spielt, die Räume eng macht und aggressiv spielt. Da benötigt man Geduld und die haben wir auch gehabt.“

Foda sagte weiter: „Du musst immer wieder umdenken und neu planen. Für die Mannschaft ist auch nicht einfach, dass du pausenlos im Hotel bist, nicht nach draußen darfst, irgendwo isoliert bist.“

Und drittens meinte der Teamchef: „Wobei es auch schwierig ist, wenn du gegen eine Mannschaft spielst, die sehr tief steht und aggressiv ist. Wir wollten den Gegner früh attackieren. Sie haben dann mit langen Bällen versucht, unsere erste Pressinglinie zu überspielen. Deshalb sind wir auch nicht so gut in die Pressingsituationen reingekommen.“

 

Der Gegner war … Nordirland

Dazu muss man folgendes festhalten: Nordirland ist zu aller erst einmal eines und zwar vom Kader her bei weitem nicht auf Augenhöhe mit Österreich.

Doch kommen wir zu den konkreten Aussage von Franco Foda: Wir sind bei einem altbekannten Thema, denn der Punkteschnitt gibt dem Teamchef eigentlich Recht. Kein Teamchef vor Foda hat im Schnitt so viele Punkte geholt. Hier sei allerdings auch bemerkt, dass das ÖFB-Team gegen Mannschaften auf Augenhöhe in Pflichtspielen (Polen, Bosnien und auch Israel) weit weniger gut abgeschnitten hat. Doch es ist die vor allem die Art und Weise, wie Österreich in den vergangenen zwei, drei Jahren gespielt hat, die für Kritik sorgt.

Wenn Foda also nun meint, dass man eben Geduld habe müsse, so muss man sich schon fragen, ob er oder die tausenden Fans die ersten 74 Minuten des Spiels richtig (bzw. falsch) interpretiert haben. Wenn man in der 74. Minute das 0:1 kassiert, so kann man sich eigentlich kein Trainer der Welt nach dem Spiel hinstellen und behaupten, dass man mit Geduld das Spiel schon gewinnen werde.

 

Die Corona-Ausrede

Dass die Corona-Situation derzeit alles andere als einfach und auch zu hinterfragen ist, wie lange Profifußball unter diesen Bedingungen sinnvoll möglich ist – geschenkt. Klar ist auch, dass das „C“-Wort immer wieder als Begründung für was auch immer herhalten muss, egal ob es gerade passt oder nicht. Eines darf aber schon gefragt werden: Warum sollte gerade das ÖFB-Team derartige Probleme haben während andere (auch österreichische) Mannschaften wie der LASK oder WAC in internationalen Spielen die Leistungen abrufen?

 

Defensive Nordiren

Foda monierte also, dass Österreich nicht so gut in Pressingsituationen gekommen ist, weil der Gegner mit langen Bällen versucht hat, die erste Pressinglinie zu überspielen. Man könnte sagen: Das überrascht nicht wirklich. Dazu passte auch die Analyse von Marko Arnautovic, dessen Zuckerpass den Sieg Österreichs einleitete. Der China-Legionär meinte: „Es lag nicht an uns, sondern an den defensiven Iren.“

Diese Analysen sind eigentlich eine öffentliche Selbstaufgabe, denn es gibt dutzende Klubs und Teams, die Woche für Woche genau mit dieser Herausforderung zu kämpfen haben und dies spielerisch lösen können.

 

Foda steckt in seiner Haut fest

Man könnte das gestrige Spiel natürlich aber auch so sehen: Foda hat sieben, acht defensive Spieler gegen die Nordiren beginnen lassen. Insofern ist es wenig verwunderlich, dass die ersten 60, 65 Minuten auch das Spiel so aussah wie man es eben gesehen hat. Es war eine hausgemachte Situation, die deswegen zustande kommt, weil Foda in seiner Haut feststeckt. Er will Konter des Gegners keinen Platz bieten.

Was möglich ist, hat man dann mit den Wechseln in Kombination mit der Systemumstellung gesehen. Österreich agierte dann wesentlich besser, generierte gefährliche Aktionen.

 

Blaues Auge

Der gestrige Sieg hat jedenfalls wenig mit Geduld zu tun, sondern viel mehr mit einem blauen Auge, dass Foda verpasst bekommen hat. Der Punkteschnitt stimmt, Österreich steht vor einem Gruppensieg in der Nations League, unter anderem auch deswegen, weil Corona im Fall von Norwegen Österreich in die Hände gespielt hat. Das Potenzial der goldenen Spielergeneration wird so aber nicht ausgeschöpft.