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Momentum am Montag: Österreich verfodert fast

Himmelhochjauchzend, tu Tode betrübt – als ob der heimische Fußballfan nicht ohnehin nur diese beiden Gefühlslagen kennen würde, lieferte das Ländermatch gegen Nordirland exakt das. Schuld daran: Trainer Franco Foda.

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Der letztlich knappe Auswärtssieg in Belfast gegen Nordirland ist unser Momentum am Montag.

„Fußball ist ein Scheiß-Spiel“, wusste schon Ex-Rapid-Meistertrainer Ernst Dokupil nach einem Aufstieg im UEFA-Cup gegen 1860 München im November 1997. Ähnliches wird wohl Franco Foda durch den Kopf gegangen sein, als er nach dem Sieg in Nordirland vor die Pressevertreter trat. Dabei muss man zunächst festhalten: Dass Österreich auswärts gewinnt, ist in den letzten Jahren eher erst in Mode gekommen. Von 2010 bis 2019 gelangen den Herren Siege in Aserbaidschan (2011), gegen die Färöer (2013), Tschechien, Moldawien (beide 2014), Liechtenstein, Russland, Schweden, Montenegro, Georgien (2016), wieder Moldawien (2016), Luxemburg (2018), Nordirland, Nordmazedonien und Slowenien (2019). Das sind 14 Siege bei insgesamt 32 Duellen in der Fremde – ohne der Euro 2016 und hierzulande hat man ja in der Vergangenheit schon öfters desaströse Auftritte in der Fremde erlebt.

 

Immer diese Gegner

„Wir wollten uns nach der Pause nicht zurückfallen lassen, sondern weiter vorne Druck ausüben, aber der Gegner hat dann mehr mit langen Bällen operiert“, musste Franco Foda dann nach dem Spiel zu Protokoll geben. Am Ende hätte Boyce ja die Passivität noch bestraft, so lautet es: Gut ist es gegangen, nichts ist geschehen. Als die zweite Halbzeit startete, meldeten sich schon die ersten Unkenrufer in den sozialen Medien: Klassischer Foda. Vorsprung verwalten, kontern, so der Tenor. Erste Halbzeit himmelhochjauchzend, zweite zu Tode betrübt. Doch es ist logisch, dass ein Gegner, der in der ersten Halbzeit mit viel Glück nur mit einem Tor zum Pausentee in die Kabine marschierte, reagiert. Allerdings: Österreichs Teamkicker haben eine tadellose erste Halbzeit aufs Belfaster Geläuf gezaubert. Hätte man dem Gegner, der sich mindestens eine, wenn nicht zwei Klassen schwächer präsentierte, vor dem Pausenpfiff drei Trümmer eingeschenkt, hätten sich auch die biederen Nordiren nicht aufregen dürfen.

 

"Bei all der invidiuellen Klasse, die mittlerweile das Nationalteamdress trägt ist es eigentlich ein Hohn, dass es noch einmal so knapp wurde. "

Und die Reaktion? Das stört

Dass ein Gegner nach einer gebrauchten ersten Halbzeit mit Verve aus der Kabine kommt und taktisch umstellt, ist eine geschenkte Alternative. Dass Österreich – und hier darf sich Foda nicht aus der Verantwortung nehmen – darauf kaum reagierte, ist zu kritisieren. Dann passiert das, was er sagt: „Bei der Chance der Nordiren am Schluss waren wir nicht wach genug und hätten fast noch den Ausgleich bekommen.“ Bei all der invidiuellen Klasse, die mittlerweile das Nationalteamdress trägt, ist es eigentlich ein Hohn, dass es noch einmal so knapp wurde. Und diese passiven kennt man in der Foda-Ära nur allzu gut. Aber wo war der Impuls? Lange Bälle passieren immer wieder, wenn die Kampfstäkre im Mittelfeld mit Baumgartlinger, Ilsanker und Schlager in Halbzeit eins reichte, dann hätte man eben umstellen müssen. Und vielleicht nicht nur zwei Mal positionsgetreu (Trimmel für Ranftl, Grbić für Gregoritsch) wechseln können.

 

Null Drang von der Bank

Auf der Bank wäre noch der eine oder andere gesessen, dem nach vorne hin wiederum die eine oder andere Genialität einfällt, wie ein Lochpass von Grillitsch, ein Dribbling von Schaub, ein Sturmlauf von Onisiwo oder was auch immer Schöpf und Holzhauser in genialien Momenten einfällt. Denn eine Drangphase der Gegner gab es nicht, dann braucht es auch keinen Druck in der Mitte. Kurz und gut: Selbst wenn es nicht die taktische Vorgabe war, auf Verwalten umzustellen, hätte es dank fünf Wechseln genug Raum für offensive Veränderungen gegeben. Das hat Franco Foda nicht gemacht.

So muss man eben attestieren: Dieses Spiel wurde mangels Impuls von der Bank beinahe verfodert. Und das, ungeachtet seiner Person, unterscheidet halt Österreich noch von Topteams: Das sichere Nachhausespielen. Das Personal wäre ja da...

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