Momentum am Montag: Die Nebensache Fußball steht auf tönernen Beinen
Seit heute, Montag, stehen weite Teile des öffentlichen Lebens still. Wann der Ball wieder in Fußballstadien rollt, scheint komplett offen. Die Krise zeigt einige Dinge auf.
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Die vergangene Woche verkündete Aussetzung des Spiel- und Trainingsbetriebs im Fußball ist unser Momentum am Montag.
Die Ereignisse überschlagen sich derzeit. In der letzten Woche wurden vonseiten der Bundesregierung in Zusammenhang mit dem Corona-Virus täglich neue Maßnahmen zur Einschränkung des öffentlichen Lebens verkündet. Und der Fußball? Hechelte hinterher. Der Spielbetrieb wird für zwei Runden ausgesetzt, die Klubs machten Testmatches untereinander aus, mittlerweile hat die Regierung auch Trainings untersagt. Kurz: Der Fußball steht, niemand weiß, wie lange. Im heimischen Fußball ist man sich recht einig, TSV Hartberg-Trainer Markus Schopp formuliert es im 90minuten.at-Interview so: "Wir reden von Fußball, das ist eine nette Nebensache. Die interessiert viele Leute, aber es ist trotzdem nur Fußball." (>> Markus Schopp: "Das macht einen hilf- und ratlos")
Weitreichende Konsequenzen
Im gesamten Veranstaltungsbereich, also auch im Fußball, geht es derzeit um Existenzen. Wirtschaftliche Folgen von den Niederungen des Profibetriebs in der 2. Liga bis hin zur Champions League sind kaum abschätzbar – was, wenn nun nicht nur wochenlang, sondern monatelang nicht gespielt wird? Ja, es ist davon auszugehen, dass der Ball irgendwann wieder rollen wird – dazwischen könnte es bei einigen Beteiligten zu finanziellen Crashs kommen. Nicht nur bei Klubs, sondern auch bei Dienstleistern und Angestellten, deren Unternehmen (zum Großteil) vom Fußball leben. Schließlich besteht ein Verein nicht nur aus Profis und Trainern, sondern aus viel mehr.
Unbedacht?
Abgesehen von schlichtweg dummen Aussagen wie von BVB-Boss Hans-Joachim Watzke („Wir sollten es auch nicht übertreiben. Die Gesundheitsgefahr für eine Profi-Mannschaft würde ich als nicht so gravierend einstufen.“) sollte sich das Fußballgeschäft durchaus hinterfragen, wie tönern das Fundament ist, auf dem er steht. Denn: Es geht hierbei um Monate. Dass die Möglichkeit besteht, dass außergewöhnliche Ereignisse den Betrieb durcheinander wirbeln, und sei es 'höhere Gewalt', ist aber stets gegeben. Alleine in den letzten 20 Jahren gab es mit der Vogelgrippe (2004), der Schweinegrippe (2009) oder dem ersten Corona-Virus Mers (2012) mehrere Krankheitserreger, die einen ähnlichen Verlauf hätten nehmen können wie die derzeitige Krankheit Covid-19. In einer globalisierten Welt ist das eine Möglichkeit, die nun einmal gegeben ist.
Steht der Fußball auf zu tönernen Beinen?
Insofern muss die riesige Unterhaltungsmaschinerie Learnings aus der noch unübersichtlichen Lage ziehen. Das betrifft vor allem den Fußball, der sich in den letzten Jahren mit Fantastereien finanzieller Natur stets untereinander überbot. 40 Millionen hier, 20 Millionen da. Da braucht man gar nicht erst mit Neymar anfangen. Das funktioniert aber nur in einer Blase stetig voller Stadien, mit hoch dotierten Fernseh- und Werbeverträgen. Die Blase ist geplatzt. Die Verbände scheiterten bislang daran, mehr Vernunft einkehren zu lassen.
Vielleicht ist diese unerwartete Pause ein Fingerzeig vor allem für die Großen und ganz Großen, was sie mit ihren Handlungen auslösen. Denn auch die kleinen Klubs sitzen mit ihnen im Boot.