Hanappi-Egger: „Ich bin ein Role Model bei Rapid“ [Exklusiv-Interview]
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Hanappi-Egger: „Ich bin ein Role Model bei Rapid“ [Exklusiv-Interview]

WU-Rektorin Edeltraud Hanappi-Egger ist Mitglied des noch zu wählenden, neuen Rapid-Präsidiums. Im 90minuten.at-Interview spricht sie über ihre Rapid-Vergangenheit, Frauenfußball und wie Gender & Diversity in ganz Hütteldorf vorangetrieben werden soll.

Wie jede Organisation muss man sich mit den Themen Diversität und Inklusion auseinandersetzen, dazu kommen die Themen Nachhaltigkeit und der Frauenfußball.

Edeltraud Hanappi-Egger

Natürlich kann man das moralisch und ethisch argumentieren – das ist ein Wertesystem, das lebt man. Es hat aber auch massive wirtschaftliche Folgen. Da geht es um Glaubwürdigkeit, um das Adressieren von neuen Mitgliedergruppen, das gesellschaftliche Standing und um die jungen Leute.

Edeltraud Hanappi-Egger

Eine Kultur, die gut mit Diversität umgehen kann, muss man entwickeln. Das ist ein Stück weit harte Arbeit - was immer ich dazu beitragen kann, will ich beitragen.

Edeltraud Hanappi-Egger

++ 90minuten.at PLUS – ein Exklusiv-Interview von Michael Fiala ++

 

Es wirkt wie ein genialer Schachzug: Das neue, noch zu wählende Präsidium unter Alexander Wrabetz präsentierte vor einigen Tagen Edeltraud Hanappi-Egger als zukünftiges Mitglied des höchsten Gremiums von Rapid. Die 58-jährige WU-Rektorin soll neue Vizepräsidentin werden.

Ein klingender, geschichtsträchtiger Name, doch zählen sollen die Inhalte: Diversität, Gender, Governance & Co stehen auf ihrer Visitenkarte. Für 90minuten.at nimmt sich Hanappi-Egger noch am Tag direkt vor der ersten offiziellen Präsentation Zeit, und spricht über ihre Motivation, diese Aufgabe anzunehmen und erzählt, welche Themen sie umsetzen möchte. Schnell ist klar: Hanappi-Egger lässt sich nicht nur auf dem Papier in ein Präsidium wählen, sie will auch etwas bewegen. Offen ist noch, wie sie ihre Themen, die wohl nicht bei allen Stakeholdern von Rapid im ersten Moment auf Gegenliebe stoßen werden, konkret umsetzen möchte. Wir treffen Edeltraud Hanappi-Egger in der Geschäftsstelle des SK Rapid, in der seit einigen Tagen ein erfrischender, positiver Wind weht. Das Gespräch beginnt …

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90minuten.at: Frau Hanappi-Egger, Sie kommen mit einem klingenden Namen zu Rapid. Wie sah ihr Bezug zum Verein vor zwei, drei Wochen eigentlich noch aus?

Edeltraud Hanappi-Egger: Vorab danke für die Einladung zum Interview und eines möchte ich gleich vorweg klarstellen: Für uns als kandidierendes Präsidiumsteam und natürlich auch mich persönlich geht es jetzt einmal darum, von möglichst vielen Vereinsmitglieder bei der Wahl am 26. November das Vertrauen zu erhalten. Nun zu Ihrer Frage: Man könnte mich vielleicht als Rapid-Sympathisantin bezeichnen. Mein Vater war großer Fußballfan, ich bin also auch in meiner Schulzeit damit aufgewachsen. Einen Hans Krankl und das Wunder von Cordoba haben wir zum Beispiel als Schüler:innen ordentlich zelebriert. Nachdem ich nach Wien gekommen bin, habe ich an der TU dann Hardy Hanappi kennengelernt und später geheiratet, da wird man dann auch mit der Familiengeschichte positiv konfrontiert.

 

Waren Sie in den vergangenen Jahren auch das ein oder andere Mal im Stadion?

Ja, ich war immer wieder im Stadion. Aus Zeitmangel nicht regelmäßig, aber das ein oder andere Spiel habe ich mir schon angeschaut.

 

Wie kam der Kontakt zu Alexander Wrabetz zustande?

Steffen Hofmann und Alexander Wrabetz haben den Kontakt zu mir gesucht und mich zu einem Gespräch eingeladen - ich war ein bisschen überrascht. Wir haben uns dann getroffen und die beiden haben mich gefragt, ob ich mir vorstellen kann, ins Präsidium von Rapid einzuziehen, dort mitzuhelfen. Es war ein nettes Gespräch, vor allem der Steffen ist ja eine sehr beeindruckende Person. Dann schläft man die berühmte Nacht darüber, für mich ist es eine spannende und der Sport eine komplett neue Herausforderung – so ist es dann passiert.

Mit welchem Ansinnen und welchen Themen sind Steffen Hofmann und Alexander Wrabetz zu Ihnen gekommen? Es wird ja nicht nur Ihr Name ausschlaggebend gewesen sein…

In der Diskussion ging es darum, dass Rapid weiterentwickelt und zurück auf die Erfolgsspur gebracht werden soll. Wie jede Organisation muss man sich mit den Themen Diversität und Inklusion auseinandersetzen, dazu kommen die Themen Nachhaltigkeit und der Frauenfußball. Sie haben mir erklärt, dass sie hier Schwerpunkte setzen wollen.

 

Was hat sie letztendlich davon überzeugt, die Herausforderung anzunehmen?

Es ist eine unglaublich spannende Aufgabe für mich - man hat ja auch eine gewisse Ehrfurcht vor einem so großen Verein wie Rapid. Es hat für mich einfach gepasst. Es hat für mich gepasst, dass Rapid für Dinge steht, die mir selber sehr wichtig sind: Solidarität, Inklusion, Gemeinsamkeit, Chancengerechtigkeit und auch dafür, sich sozial zu engagieren. Ich bin auch mit meiner Fachexpertise gefordert, an der Umsetzung mitzuarbeiten. Auch die Personen, die jetzt mitmachen, passen für mich. Vor allem Steffen Hofmann ist schon eine ziemlich tolle Figur.

 

Sie sollen Rapid-Vizepräsidentin werden und wären damit die erste Frau, die dieses Amt bekleidet – war Ihnen das wichtig?

Vor allem ist es mir darum gegangen, im Präsidium dabei zu sein und dort meine Themen zu positionieren. Ich bin viel in Männerdomänen gewesen, war dort auch schon sehr oft die erste Frau. Darum ist mir das schon auch bewusst, dass man damit eine Vorbildfunktion hat – ich damit auch ein „Role Model“ bin. Das wird eine sehr spezielle Aufgabe sein, dazu stehe ich auch.

 

Wenn man darauf zurückblickt, wie verschiedene Präsidiumsmitglieder in der Vergangenheit ihre Funktion ausgelegt haben, gab es gar nicht so wenige, die kaum in Erscheinung getreten sind. Wie wollen Sie Ihre Rolle ausfüllen? Sie haben ja auch einen sehr fordernden Job als Brotberuf.

Wir sind als Team angetreten, das nehmen auch alle ernst. Wir haben uns intern überlegt, wie wir das möglichst effizient machen, haben Ausschüsse gebildet, in denen wir uns verstärkt einbringen werden. Am Anfang wird es intensiver werden, aber wenn die wichtigen Funktionen besetzt sind, wird alles in die professionellen Hände gelegt. Unsere Aufgabe ist es dann, als Aufsichtsgremium und Botschafterinnen und Botschafter aufzutreten, das wird dann sicher vereinbar sein.

 

Wollen Sie sich persönlich aktiv einbringen oder gehen Sie es eher abwartend an?

Ich nehmen keine Papierfunktionen an, für mich ist klar, dass ich das aktiv angehe. Ich werde mich schwerpunktmäßig mit der Weiterentwicklung einer zeitgerechten Governance-Struktur beschäftigen. Über allem steht der sportliche Erfolg. Unser Verständnis ist, dass wir im Rahmen unserer Möglichkeiten die Rahmenbedingungen schaffen, um sportlich wieder erfolgreich zu sein.

 

Ein Thema, dass Sie angesprochen haben, ist der Frauenfußball. Den Beschluss, bei Rapid ein Team aufzubauen, gab es erst vor wenigen Wochen. Offensichtlich hat man sich damit in Hütteldorf lange schwergetan…

Aber jetzt ist es entschieden, das ist schön und vor allem ein starkes Zeichen, wenn ein Antrag derart viel Unterstützung unter den Mitgliedern erhält. Das ist ein starker Ausdruck, dass man es ernst meint. Unser Präsidium steht hundertprozentig dahinter. Ich bin keine Fußball-Expertin, deswegen werden wir mit Expert:innen zusammenarbeiten und ein Konzept entwickeln.

 

Ist das ein Thema, dass Sie aktiv vorantreiben werden? Ist das Ihr Thema?

Es ist mein Thema, weil es mir wichtig ist. Es ist aber auch ein Thema, dass in die Sportgruppe gehört, weil es um den Sport geht.

Sie sind die erste Rektorin der WU und haben das Thema Diversität schon angesprochen. Der Fußball im Allgemeinen und Rapid im Speziellen sind klar männerdominierte Domänen – was wollen Sie hier bewegen?

Der Umgang mit Diversität und Vielfalt ist etwas, dem sich alle Organisationen stellen müssen. Bei Rapid ist schon viel da: wir haben es im Leitbild verankert, es gibt ein klares Bekenntnis zu Vielfalt und Weltoffenheit …

 

Hier muss ich reingrätschen: Das Leitbild ist aber auch oft ein geduldiges Papier …

Aber es gibt auch viele Initiativen, die gesetzt werden. Eine Kultur, die gut mit Diversität umgehen kann, muss man entwickeln. Das ist ein Stück weit harte Arbeit - was immer ich dazu beitragen kann, will ich beitragen.

 

Wir wissen, dass in Fangruppen Diversität nicht immer gelebt wird. Es gibt Schmäh-Chöre, homophobe Chöre, diskriminierende Banner und so weiter. Würden Sie auch in diesen Bereichen ansetzen und mit den Gruppen diskutieren?

Das habe ich gemeint: Diversitätskultur muss man entwickeln. Das passiert in jeder Organisation im Gespräch mit „Stakeholdern“, da werden verschiedene Themen identifiziert an denen gearbeitet wird. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass wir bei Rapid bei Null anfangen. Es ist im Leitbild verankert, in den Statuten gibt es klare Aussagen dazu, dass das Präsidium im Falle von vereinsschädigendem Verhalten Instrumente hat, um das zu sanktionieren. Gegebenenfalls wird man sich das auch anschauen. Ich denke aber schon, dass es wichtig ist, gemeinsam und jeweils sehr spezifische Strategien zu entwickeln.

 

Es gibt Teile der Fankultur, die sagen: ‚Das gehört dazu‘. Muss man das akzeptieren?

Meine Großmutter hat immer gesagt: ‚Durchs Reden kommen die Leut‘ zam’. Da muss man immer die Kommunikation suchen und sich die Fälle anschauen. Das wäre nicht sachgemäß, aus der Ferne Analysen abzugeben. Ich kenne „die Fanszene“ im Detail nicht, „die Fanszene“ ist vielleicht auch ein verallgemeinernder Begriff. Ich treffe viele verschiedene Leute, die alle sagen, sie sind Rapid-Fans.

 

Es gibt einige sehr laute, die eher gehört werden als jemand, der auf der Familientribüne sitzt...

Mit denen wird man sich austauschen und schauen, was ihnen wichtig ist - was geht, oder vielleicht nicht geht.

 

Sie haben auch die Themen Nachhaltigkeit angesprochen - „environmental social governance“ und „sustainable develompent goals“. Sind das auch Themen, bei dem Rapid in der Öffentlichkeit vielleicht noch sichtbarer werden muss. Steffen Hofmann hat sich beispielsweise in den vergangenen Jahren für motion4kids eingesetzt?

Mehr geht immer. Wir haben uns an der WU sehr intensiv damit beschäftigt, wie man „Green Events“ organisiert. Was braucht es dazu, welche Kriterien gibt es, damit man als solches zertifiziert wird. Da geht es jetzt darum, sich ein Bild zu machen – wir stehen ja erst zur Wahl. Wir wissen schon, dass Diversität und Nachhaltigkeit sehr wichtig sind für Organisationen. Natürlich kann man das moralisch und ethisch argumentieren – das ist ein Wertesystem, das lebt man. Es hat aber auch massive wirtschaftliche Folgen. Da geht es um Glaubwürdigkeit, um das Adressieren von neuen Mitgliedergruppen, das gesellschaftliche Standing und um die jungen Leute.

 

Sie haben sicherlich mitbekommen, dass das aktuelle Präsidium vor einigen Wochen stark unter Druck geraten ist. Das hat letztendlich dazu geführt, dass Martin Bruckner nicht mehr antritt. Ist in Ihre Entscheidung eingeflossen, dass man sich mit der Wahl auch diesem Druck aussetzt?

Dass es eine herausfordernde Aufgabe ist, ist uns allen klar. Wir schauen nach vorne, es gibt unglaublich positive Energie – zumindest in meiner Wahrnehmung. Es gibt viel Kraft und die gilt es jetzt zu bündeln und zur Weiterentwicklung von Rapid einzusetzen. Ich bin an sich ein zuversichtlicher Mensch und glaube, dass das gelingt.

 

Sie gelten als Bekannte von Andreas Treichl. Werden Sie ein Bindeglied zwischen dem Präsidium und Andreas Treichl sein? Meine Recherchen haben ergeben, dass er immer wieder knapp am Sprung war, im Präsidium dabei zu sein – jetzt soll er beratend zur Seite stehen.

Ich kenne Andreas Treichl aus dem Arbeitskontext. Über die Zusammenarbeit mit der WU, außerdem sind wir gemeinsam im Uni-Rat der Central European University. Ich schätze ihn sehr und zu unserem Glück ist er auch ein Rapid-Fan. Er hat sich freundlicherweise bereiterklärt, sich auch als Botschafter zur Verfügung zu stellen. Das heißt: Ja, wir werden gerne mit ihm über Dinge diskutieren und seinen Rat einholen. Das ist sehr wertvoll.

Sehen Sie sich da speziell als Bindeglied?

Ich kenne ehrlicherweise die Beziehung der anderen Präsidiumsmitglieder zu Andreas Treichl nicht. Ich tausche mich generell gerne mit ihm aus. Wenn das Präsidium das will, kann ich das gerne übernehmen.

 

Weil es gerade beim ÖFB ein großes Thema ist: Das Thema Compliance; wie muss man damit umgehen, wenn man zum Beispiel eine Funktion im Rapid-Präsidium übernimmt?

Zum einen muss man als Organisation sehr genau überlegen: Was sind die Compliance-Regeln, wo könnte es Probleme geben. Das führt zurück zum Thema Glaubwürdigkeit, da muss man sehr strikt trennen. Im Zweifelsfall muss man Dinge offenlegen und manche sind gar nicht vereinbar. Punktum. Das werden wir uns in der Governance-Gruppe anschauen.

 

Wenn wir uns in zwei, drei Jahren wieder treffen und über eine Bilanz sprechen – was würden sie gerne erzählen können?

Ich würde natürlich gerne erzählen können, dass Rapid viele sportliche Erfolge vorweisen kann. Dass es nach wie vor eine positive Stimmung und ein tolles Frauenfußballteam gibt und dass wir als Präsidium nach wie vor gerne miteinander zusammenarbeiten.

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