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Robert Sedlacek: "Das ist keine Lex Vienna"

Die Wiener Stadtligisten wollten eine Meisterschaftswertung bei Abbruch. Der Wiener Fußballverband interpretiert die Rechtslage anders. WFV-Präsident Robert Sedlacek nimmt dazu bei 90minuten.at Stellung.

+ + 90minuten.at Exklusiv - Das Interview führte Georg Sander + +

 

90minuten.at: Der Standpunkt der Stadliga-Vereine ist logisch, die Vienna möchte rauf, so lange diese in der Liga ist, wird es für alle anderen schwierig. Was waren die Beweggründe, auf die 15 Runden zu beharren?

Robert Sedlacek: Die seit Juli neuen Meisterschaftsbestimmungen beinhalten den Passus, dass eine Meisterschaft, die bis zur Hinrunde gespielt wurde, gewertet werden kann. Wir befürchten, dass eine Rückrunde nicht fertig gespielt werden kann. Dann hätte man einen Abbruch mit unter Umständen fehlenden Spielen. Wir wollen eine klipp und klar geregelte Meisterschaft. Das heißt, wir wollen eine klare Regelung, das wäre der Stand nach der Hinrunde. (Anm.: Tabellenführer Vienna hat 10 Spiele ausgetragen, die Verfolger elf, Mannswörth erst neun). Das soll für alle Klassen gelten, für den Nachwuchs, für die Frauen. Das ist keine Lex Vienna. Wir wollen nicht nach 15 plus 4 Runden aufhören und sagen: Wer jetzt führt, der hat ein Glück gehabt.

 

90minuten.at: Aber es würde vom Statut her gehen, dass der zuständige Verband das mehr oder weniger frei entscheiden kann, das entnimmt man § 13a, Absatz 1.

Sedlacek: Das hätten wir theoretisch machen können, wenn zumindest die Hinrunde komplett gespielt ist. Ist das nicht der Fall, kann man es nicht machen. Es steht eindeutig, dass der Landesverband das machen kann, wenn jeder einmal gegen den anderen gespielt haben muss. Wenn die Rückrunde abgebrochen wird, kann der Verband das handhaben, wie er will.

"Wenn keine 15 gespielt werden können, kann nicht gewertet werden. Aber die Deadline ist Ende Juni, bis dahin wird man die ausstehenden vier Runden austragen können." - WFV-Präsident Robert Sedlacek

90minuten.at: Absatz 1 könnte man anders sehen, in Absatz 2 heißt es, dass es so wie Sie sagen gewertet werden soll.

Sedlacek: Juristen schreiben soll und nicht muss. Wir meinen, dass wir eine Wertung nur vornehmen können, wenn alle die gleiche Anzahl an Spielen gegen dieselben Gegner absolviert haben, da kann man nur den Stand nach der Hinrunde heranziehen. Wenn man das weiterrechnet, wann wir wieder spielen können, kommt man wahrscheinlich drauf, dass man keine zwei Durchgänge durchführen können wird.

 

90minuten.at. Dieser Zug ist realistischerweise abgefahren. Das heißt: Das, was die Stadtligisten aufgrund von Absatz 1 wollen, sieht der Verband anders und zieht Absatz 2 heran und somit die Hinrunde.

Sedlacek: Das ist unsere Auffassung und ich glaube auch, dass das der ÖFB so sieht. Wenn keine 15 gespielt werden können, kann nicht gewertet werden. Aber die Deadline ist Ende Juni, bis dahin wird man die ausstehenden vier Runden austragen können.

 

90minuten.at. Theoretisch könnte man über den 30. Juni hinaus spielen. Warum macht man das nicht?

Sedlacek: Die Aussagen in diese Richtung sind eher negativ. Da laufen alle Verträge aus. Wir müssen bis Ende Juni fertig sein.

"Ich kann nicht sagen, was mit einem Berufsfußballer passiert, der nicht spielen darf. Ist das fair? Nein." - Sedlacek über die Ostliga

90minuten.at: Aber Sie verstehen die Situation – schließlich wird vermutlich kein anderer Verein aus der Stadtliga aufsteigen, so lange die Vienna dort ist.

Sedlacek: Ich verstehe das. Wir haben aber bewusst diese Bestimmungen bis zur untersten Klasse geregelt. Das war der Wunsch des Vorstandes. Es gibt aber auch Ligen, die fast fertig spielen können. Die Frauen-Landesliga etwa hat weniger Runden. In der 2. Klasse der Herren wurde man mit der Hinrunde fertig.

 

90minuten.at: Kommen wir noch zur Regionalliga Ost. Da gibt es drei Landesverbände, eine Kommission. Man ist versucht, eine Lösung für Trainings- und Spielbetrieb zu bekommen, weil man sich als Schnittstelle zwischen Amateur- und Profisport auffasst. Da geht es weniger um den Aufstieg, aber wie ist der Stand der Dinge hierbei?

Sedlacek: Da gibt es die verschiedensten Zugänge. Es beginnt grundsätzlich damit, dass wir nicht wissen, wann es losgeht. Da müssen wir abwarten, wann von der Regierung her Mannschaftstraining möglich ist. Weiters stellt sich die Frage, wie lange vorher trainiert werden muss. Das ist nicht überall gleich. In Wien haben wir uns auf vier Wochen geeinigt, sechs Wochen wären besser. Es wird immer schwieriger, vor allem, wenn man sich die Infektionszahlen ansieht. Wir werden in ein, zwei Wochen wieder beraten müssen, auch wenn wir es entschärfen wollen, indem wir für Wien sagen, was passieren kann und soll. Den Startschuss muss die Regierung geben.

 

90minuten.at: In der Ostliga gibt es ja auch Lizenzspieler.

Sedlacek: Manche nennen es Berufsverbot. Ich bin aber leider nur Sportfunktionär und kein Politiker, ich kann nicht sagen, was mit einem Berufsfußballer passiert, der nicht spielen darf. Ist das fair? Nein. Es sind aber eben außergewöhnliche Umstände und man muss diese akzeptieren, weil die Vorgaben von den zuständigen Ministern kommen. Daran müssen wir uns halten.

 

90minuten.at: Aber sie werden sich als Lobbyist des Sports für die Ostliga einsetzen?

Sedlacek: Wir haben jüngst eine abweisende Antwort vor ein paar Tagen gekommen. Es wurde vonseiten des ÖFB, der Sport Austria, des Klassenausschusses etwas versucht. Wir haben zusätzlich noch an die Regierungsverantwortlichen appeliert, aber derzeit gibt es keine wie auch immer geartete Erleichterung sieht. Es gibt regelmäßigen Schriftverkehr, man wird schauen, wie es in zwei, drei Wochen ist. Man kann derzeit nichts ändern, es ist einfach so.

 

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