Foto: © GEPA Interviews / 2018 / Oktober

Manuel Ortlechner: "Das System Fußball schreit nach einer Demokratisierung"

Im Interview mit 90minuten.at spricht Manuel Ortlechner über seine neuen Aufgaben nach der aktiven Karriere, warum er an Playerhunter glaubt und wie seine weitere Karriereplanung aussieht.

Das Gespräch führte Michael Fiala

 

Schon mehr als ein Jahr ist es her, dass Manuel Ortlechner seine Fußball-Schuhe für einen Verein geschnürt hat. Zu seinem Highlight zählt sicherlich der Meistertitel 2013, als man unter Peter Stöger die Bullen in die Schranken weisen konnte, in der Saison darauf folgte die Qualfikation zur Champions League. Ortlechner war bereits während seiner aktiven Karriere sehr umtriebig, der Umstieg danach war für ihn fließend. Mittlerweile ist der 38-Jährige auch seit wenigen Wochen für Sky jeden Montag bei „Dein Verein“ im Einsatz. Neben seinem Projekt Violafit steckt der gebürtige Rieder derzeit aber auch viel Zeit und Energie in die neue Fußball-Plattform Playerhunter, die den Anspruch hat, das neue große soziale Netzwerk für Fußballer – egal ob Amateure oder Profis – auf der ganzen Welt zu werden. Wir treffen Manuel im neuen Co-Working-Space von Playerhunter. Der Ort lässt keinen Zweifel aufkommen, dass hier junge, engagierte Menschen an kreativen Ideen arbeiten. Doch welche Ideen & Ziele verfolgt Manuel Ortlechner überhaupt?

 

90minuten.at: Manuel, wie sieht deine jetzige Arbeitswelt nach dem Ende deiner aktiven Karriere aus? Einerseits bist du ja mit Sky viel in der Öffentlichkeit, da gibt es aber noch andere Engagements. Welche genau?

Manuel Ortlechner: Ich bin schon seit längerem selbständig. Die Arbeit für SKY nimmt eigentlich den ganzen Montag in Anspruch. Dienstag und Mittwoch stehen dann im Zeichen von Playerhunter, einem ganz speziellen und spannenden Projekt, in welches ich jetzt seit ca. einem Jahr involviert bin. Und nicht zu vergessen das Violafit-Bildungsprojekt, welches ich nach wie vor unterstütze. 

 

90minuten.at Kommen wir zu Playerhunter. Was machst du da genau?

Manuel Ortlechner: Unter dem fancy Titel Vice President Commercial D-A-CH bin ich für Kooperationen und natürlich auch als Brand Ambassador tätig. 

 

"Mit dem richtigen Personal steht und fällt alles. Da hilft auch ein nettes Konzept nichts. Deswegen würde mich eher eine Entscheiderrolle reizen. Mal schauen, ob da ein Verein mitspielt. Change Management ist ja ein nicht wirklich beliebtes Mitarbeiterthema…" - Manuel Ortlechner

90minuten.at Warum glaubst du, dass Playerhunter den Durchbruch schaffen wird?

Manuel Ortlechner: Weil das System Fußball nach einer Demokratisierung schreit. Playerhunter will den Spieler stärken und weniger abhängig von Personen machen. Viele Spieler glauben ja, es nur dann zu einem Verein zu schaffen, wenn sie der richtige „Berater“ dort unterbringen kann. Auf Playerhunter startet jeder von der gleichen Startlinie. Egal ob in Österreich, Brasilien oder Nigeria. Mache durch Postings auf dich aufmerksam, connecte dich mit anderen Spielern oder Vereinen und werde gesehen. Und da spreche ich jetzt nur von der Spielerseite.

 

90minuten.at: Und wie sieht es von der Vereinsseite aus?

Manuel Ortlechner:  Sieht man sich die andere Seite der Fußballmedaille an, sind Vereine ja permanent auf der Suche nach Spielern. In allen Ligen. Und auch hier macht man sich oft abhängig von Spieleragenten und vertraut ihnen oft blind. Natürlich großteils, weil weder finanzielle noch zeitliche Ressourcen für Scouting vorhanden sind. Das wollen wir ändern. An uns fließt keine Provision, sollten sich Spieler und Verein über Playerhunter finden. Und das Benützen der Plattform ist auch gratis. Wir sind ein Hilfetool für Vereine. Und auch für Spieler. Und obendrein für fast alle Stakeholder, die sich noch so im Fußball tummeln. Trainer können auf sich aufmerksam machen. Verbände informieren. Für Camps geworben werden. Firmen können bei uns eine spezielle Zielgruppe erreichen. Ohne Streuverluste. Und, und, und. Die Möglichkeiten sind mannigfaltig. Schaut man auf unseren Jobs/Opportunities Bereich sieht man Jobangebote unterschiedlichster Art. Großteils natürlich Vereine, die Spieler suchen (daher auch der Name playerhunter. Aber auch Zeugwarte, Platzwarte, Trainer oder Nachwuchstrainer wurden schon auf Playerhunter gesucht UND gefunden. Es gibt schon einige Success Stories.

 

90minuten.at: Was kann Playerhunter, woran andere soziale Netzwerke deiner Meinung nach scheitern?

Manuel Ortlechner: Die allseits bekannten sozialen Netzwerke funktionieren für den Fußball nicht wirklich. Auf Facebook tummeln sich fast keine 20-Jährigen mehr. Auf Instagram vielleicht die Teenager, aber keine Vereine/Vereinsverantwortliche. Youtube ist ein reines Videoportal. LinkedIN oder XING sprechen als Karriereplattformen nicht wirklich junge Kicker an. Und alle haben eines gemeinsam. Sie decken viele Bereiche ab oder eben auch nicht. Wir nur Fußball. WIR SIND FUSSBALL.Bei uns findet man keine Food Blogger, keine Fashion Blogger, keine Travel Blogger, usw. Und: wir haben als Wiener Start-Up bereits knapp 150.000 User auf der Plattform. Es wird angenommen. Und wir starten eigentlich ab jetzt erst so richtig durch! Wir wollen in den nächsten 12 Monaten auf eine siebenstellige Userzahl skallieren...

 

90minuten.at: Hast Du für dich einen Karriereplan? Derzeit arbeitest du an verschiedenen Projekten. Wäre es möglich, dass man dich später auch wieder mal bei einem Klub sieht. Wenn ja, in welcher Funktion?

Manuel Ortlechner: Ich hab keinen Karriereplan im klassischen Sinn. Ich befülle aber meinen Rucksack permant durch Aus- & Weiterbildungen, habe etwa vor kurzem ein 2-jähriges Führungskräftetraining bei Werner Zöchling abgeschlossen. Durch die Expertentätigkeit bei SKY lerne ich aber das Thema Medien auch einmal von der anderen Seite kennen. Mit Playerhunter sammle ich wichtige Erfahrung in der Start-Up und Corporate Welt und mit VIOLAFIT darf ich auf Vereinsebene die Wichtigkeit von Bildung „predigen" …

 

90minuten.at: … und die Arbeit bei einem Klub?

Manuel Ortlechner: Ob ich wieder bei einem Klub lande, hängt ganz klar vom Klubumfeld ab. Ich sehe mich als Idealist, habe auch immer sehr viel reflektiert. Es gab auch heuer im Sommer ein, zwei Möglichkeiten auf Klubebene in guten Positionen tätig zu werden. Das kam aber in meinem Fall und meinem Lebensplan etwas zu früh. Ich möchte die nächste Zeit noch nutzen um meinen Köcher mit weiteren Pfeilen zu füllen, um für später gut gerüstet zu sein. Sollte es jemand mit mir Ernst meinen, versteht er mich und wird sich beizeiten wieder melden.

 

90minuten.at: In welcher Funktion? Trainer, Sportdirektor, Manager?

Manuel Ortlechner: Funktion? Der Trainerjob hat schon was Reizvolles. Ich habe aber einen ganzheitlichen Plan, eine klare Philosophie, wie ich mir Vereinsarbeit vorstelle, um auch eine dementsprechende Vereinskultur zu leben. Der wichtigste Faktor zur Umsetzung sind aber immer noch die handelnden Personen. Mit dem richtigen Personal steht und fällt alles. Da hilft auch ein nettes Konzept nichts. Deswegen würde mich eher eine Entscheiderrolle reizen. Mal schauen, ob da ein Verein mitspielt. Change Management ist ja ein nicht wirklich beliebtes Mitarbeiterthema…

Danke für das Gespräch!

 

Über Playerhunter

Bei Playerhunter handelt es sich um ein österreichisches Start-up-Unternehmen mit Sitz in Wien. Bereits 150.000 Personen haben sich auf der kostenlosen Plattform im vergangenen Jahr registriert, Tendenz weiterhin steigend. 15% der User kommen aus Österreich, 20% aus Deutschland. Besonders stark vertreten ist Brasilien mit einem Anteil von 30%. Für 2021 peilt das StartUp eine Userzahl von 5 Millionen an. Prominente Unterstützer und Investoren des Projekts sind unter anderem Christian Fuchs, Michael Krammer und Andreas Ivanschitz. Zuletzt wurde mit dem Launch einer eigenen Werbe-Plattform von Playerhunter gestartet. Demnächst startet zudem das “Be Discovered”-Programm von Playerhunter, wo die talentiertesten User/Spieler die Chance haben, zu einem Probetraining bei einem Top Klub eingeladen zu werden. Prominente Partner wurden hierfür bereits in Österreich und UK gefunden. Diese werden in den nächsten Tagen präsentiert.

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