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Wilfried Schmaus: „Wir spielen in der Bedeutungslosigkeit des Zuschauerinteresses“

Die Frauen des SKN St. Pölten haben Neulengbach längst den Rang abgelaufen. Deren Präsident Wilfried Schmaus äußert sich im Interview mit 90minuten.at über den Frauenfußball in Österreich und warum ein starker Verein im Rücken nicht automatisch Erfolg garantiert. Von Stefan Berndl.

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90minuten.at: St. Pölten hat den Neulengbacherinnen in den letzten Jahren den Rang abgelaufen. Wie haben Sie die Entwicklung mitverfolgt.

Wilfried Schmaus: Wir sind von einem Landesliga-Verein zu einer der besten Mannschaften in Österreich geworden. Und das binnen zehn Jahren. Das hat sich stetig weiterentwickelt. Einerseits sportlich, aber auch infrastrukturell. Wir hatten vor zehn Jahren einen Masseur, jetzt haben wir zwei Physiotherapeuten. Die Entwicklung ist nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch rundherum zu sehen.

 

90minuten.at: Was war Ihrer Ansicht nach ausschlaggebend dafür?

Wilfried Schmaus: Wir haben versucht uns stetig weiterzuentwickeln. Das ist uns mit Glück gelungen. Wir hatten eigentlich nicht viele Stolpersteine auf dem Weg in diese Richtung. 

 

90minuten.at: Letztes Jahr wurde Spratzern endgültig in St. Pölten eingegliedert. Was waren die Gründe dafür?

Wilfried Schmaus: Wir mussten St. Pölten in den Namen bringen, weil Spratzern nicht gekannt wird. Wenn man nach Oberösterreich fährt, sagt einem Spratzern recht wenig. Und als wir das erste Mal in Richtung Champions League liebäugeln durften, da mussten wir einen Fußballplatz für das Spiel suchen, weil Spratzern nicht geeignet war. Da kam auch die Frage, wie wir den Spitzenfußball in St. Pölten in einen Verein inkludieren können. Die Ideen, die da geboren wurden, haben wir kontinuierlich umgesetzt.

"Vielleicht sind zehn Vereine derzeit zu viel, weil wir noch nicht so viel qualitativ gute Fußballerinnen haben." - Wilfried Schmaus über die ÖFB-Frauenliga

90minuten.at: Wie sehen Sie das Standing des Frauenfußballs in Österreich, in der Bundesliga?

Wilfried Schmaus: Ich glaube, dass das sehr individuell betrachtet werden muss. In manchen Bereichen wird das sehr wohl anerkannt. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das oft nicht nur Lippenbekenntnisse sind. Wenn etwa ÖFB-Präsident Leo Windtner auch den Frauenfußball fördern will. Wenn da nur das Nationalteam gemeint ist, wird es nie einen Unterbau geben. Auf dieses Fördermodell warte ich noch. Es fehlt aus meiner Sicht nach wie vor an den nötigen Strukturen. Da muss man auch vom Verband mehr unterstützend tun. 

 

90minuten.at: In welcher Hinsicht?

Wilfried Schmaus: Man sollte durchleuchten, wie man es schaffen kann, dass in der österreichischen Liga das Niveau ausgeglichener wird. Vielleicht sind zehn Vereine derzeit zu viel, weil wir noch nicht so viel qualitativ gute Fußballerinnen haben. Und damit das Risiko, dass die bestausgebildetsten die Flucht nach Deutschland versuchen. Heuer gehen wieder zwei, drei Spielerinnen nach Deutschland. Dort trainieren sie sieben, acht Mal in der Woche. In Österreich fallen sie nach dem Schulmodell auf deutlich weniger Trainings zurück. Das ist auch in der Entwicklung hemmend. Und in der Liga ist der Niveauunterschied einfach verhältnismäßig groß, wenn man die ersten zwei, drei Teams und die letzten zwei, drei Teams anschaut.

90minuten.at: Welche Rolle spielt der finanzielle Aspekt? Wie wichtig ist es, einen schlagkräftigen Sponsor im Rücken zu haben?

Wilfried Schmaus: Geld spielt überall eine Rolle und wir können es uns leisten, dass wir öfter trainieren und etwa einen Physiotherapeuten haben. Je mehr Geld man hat, je mehr kann man auch in die Infrastruktur investieren. Logischerweise will man auch den Spielerinnen ein Fahrgeld zahlen, bei sechs Trainingseinheiten in der Woche. Oder wir haben einige Wiener Spielerinnen, die einen Bus haben, mit dem sie fahren können. Aber den muss man auch erst kaufen. Da tun wir uns vielleicht ein wenig leichter, wenn man einen oder mehrere hat, die dich finanziell unterstützen.

"Wir spielen vor einem kleinen Publikum, in der Bedeutungslosigkeit des Zuschauerinteresses." - Wilfried Schmaus

90minuten.at: Wie schwer ist es generell, Sponsoren für den Frauenfußball zu finden?

Wilfried Schmaus: Unser Problem ist - und das sage ich nicht nur als St. Pölten - dass die Akzeptanz beim Sponsor verhältnismäßig gering ist. Die Medienwirksamkeit ist gleich null. Ich merke es, seitdem wir die drei Buchstaben SKN haben, haben wir auch mehr Präsenz. Mitbegleitend, weil wir auch den nötigen Erfolg haben. Aber wenn man nicht in die Medien kommt, ist man für einen Sponsor, der mehr als einen Matchball zahlen soll, vielleicht auch nicht interessant. Solange nach oben hin unsere Liga totgeschwiegen wird ist es für die Vereine natürlich schwierig, potente Sponsoren zu finden.

 

90minuten.at: Ist das nicht auch gewissermaßen ein Teufelskreis? Ist man nicht erfolgreich, findet man keine Sponsoren und kann damit auch nicht erfolgreicher werden.

Wilfried Schmaus: Unser Hauptsponsor ist Simacek. Der hat etwa auch Dominic Thiem gesponsert. Wir sind da in einem sehr regen Austausch. Im Grundsatz rechnet man irgendwann auf die Sekunden, Minuten, die wir in den Medien haben. Wie oft sieht man den Schriftzug. Das ist das einzige, das man dem Sponsor zurückgeben kann. Wir spielen vor einem kleinen Publikum, in der Bedeutungslosigkeit des Zuschauerinteresses. Wir haben – und das meine ich wieder allgemein - keine Medienpräsenz, sodass wir jede Woche eine Seite in der Kronen Zeitung haben. Solange die nötige Aufmerksamkeit nicht erhascht werden kann, tut man sich schwer.

 

>>> Seite 2 - Wilfried Schmaus: "Die Frauenmannschaft wird im Konzept des Vereins mitgedacht"

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