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Fränky Schiemer: "Die Macht der Medien geht in eine extrem bedenkliche Richtung“

Im Februar wurde Fränky Schiemer überraschend zum neuen Manager der SV Ried ernannt. Den Abstieg aus der Bundesliga konnte aber auch der ehemalige Teamspieler nicht verhindern. Im 90minuten.at-Interview spricht Schiemer über den Druck des Gejagten, die neue Rieder Offensivstärke und Probleme mit Medien.

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Von Michael Graswald

 

Der Terminkalender von SV Ried-Manager Fränky Schiemer ist voll. „Die Vorweihnachtszeit ist für einen Manager eines Fußballklubs echt stressig“, lacht der 31-Jährige. Vor dem Interview mit 90minuten.at in seinem Büro im neuen Trainingszentrum der Innviertler hatte der langjährige Verteidiger von Red Bull Salzburg ein Meeting mit einem Spielerberater. Während des Interviews, das dafür zweimal unterbrochen wird, wird ein Weihnachtsspot für die Sponsoren gedreht, anschließend geht es weiter ins Stadtzentrum von Ried und am Abend auf die Sportler-Gala der „Oberösterreichischen Nachrichten“. Trotzdem ist Schiemer bestens gelaunt und absolviert die Termine routiniert. Überhaupt bekommt man schnell das Gefühl, dass er sich in seiner immer noch relativ neuen Funktion sichtlich wohl fühlt.

90minuten.at: Es ist das eingetreten, was die Experten annahmen - die SV Ried ist Tabellenführer. Wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Herbstrunde?

Fränky Schiemer: Ich finde es zunächst einmal schön, dass die Experten das so prognostiziert haben. Aber wenn man schaut, wie oft ein Absteiger in den letzten Jahren wirklich vorne dabei war, dann war das ganz selten der Fall. Das zeigt wie schwer es ist.

 

90minuten.at: Warum war man im ersten Saisonviertel noch so unkonstant?

Schiemer: Wir hatten auch im ersten Viertel schon gute Spiele dabei. Es war nicht so, dass das erste Viertel schlecht war, wir waren immer auf Tuchfühlung zur Tabellenspitze. Wiener Neustadt konnte sich damals ein wenig absetzen aber wir waren nie weit weg.

 

90minuten.at: Haben die Spieler einfach Zeit gebraucht um sich an die neue Liga zu gewöhnen?

Schiemer: Wir haben eigentlich Spieler aus der „Sky Go Erste Liga“ geholt. Das war mir wichtig, dass sie die Liga kennen und wissen was auf sie zukommt. Was man aber schon sagen kann ist, dass es für die meisten unserer Spieler ein komplett neues Gefühl war der große Favorit zu sein. Mit diesem Druck mussten die Spieler vielleicht noch lernen umzugehen.

 

90minuten.at: Was ist es für ein Gefühl der Gejagte zu sein?

Schiemer: Mir hat dieses Gefühl immer gefallen, ich kannte es aber als Spieler auch nicht anders. Wenn du es nicht gewohnt bist, kann das schon zu Problemen führen. Aber diese Phase haben wir überwunden.

 

90minuten.at: Zwischen Platz eins und Rang fünf liegen drei Punkte Differenz. Was sagt diese Tatsache über das Niveau der Liga aus?

Schiemer: Es zeigt, dass die Teams die oben stehen, richtig gut sind. Die spielen einfach den besseren Fußball - wenn ich nur an die Spiele gegen Hartberg und Wiener Neustadt denke, da wurde den Zuschauern wirklich etwas geboten.

 

90minuten.at: Weil Sie die Zuschauer angesprochen haben, wie stark ist das Zuschauerinteresse in Ried zurückgegangen?

Schiemer: Wir haben nur sechs Prozent Rückgang gehabt, das ist minimal. Da spielt natürlich noch ein anderer Faktor eine Rolle – die Anzahl der Auswärtsfans. Ohne das despektierlich zu meinen aber es ist halt ein Unterschied ob du den FAC oder Rapid zu Gast hast. Im Vergleich zum LASK letzte Saison haben wir um ca. 500 Leute mehr pro Spiel. Die Leute in Ried stehen glücklicherweise weiterhin zu 100 Prozent hinter dem Verein.

 

90minuten.at: Ist es für die SV Ried eigentlich in der „Sky Go Erste Liga“ einfacher Tore zu schießen als in der Bundesliga?

Schiemer: Sicher sind die Gegner in der Bundesliga stärker, aber momentan sind wir der Gejagte und jeder spielt mit 120 Prozent gegen uns. Wir sind natürlich mit unserem Offensivspiel sehr zufrieden, weil das auch der Ansatz ist, wie wir als SV Ried Fußball spielen wollen. Wir wollen den Zuschauern etwas bieten.

 

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