WSG-Keeper Salko Hamzic: "Sehe mich später in der Premier League"
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WSG-Keeper Salko Hamzic: "Sehe mich später in der Premier League"

Ein großes Salzburger Talent ist nach seinem Transfer im Sommer endlich in der Bundesliga angekommen. Wie sieht Salko Hamzic seinen bisherigen Weg und die eigene Zukunft?

Mit 16 Jahren war er erstmals zum ÖFB-Perspektivlehrgang eingeladen. Wenige Wochen später gab er sein Debüt in der 2. Liga. Mit 17 Jahren durfte er sich im Trainingslager von Red Bull Salzburg beweisen und saß wenig später schon als Backup auf der Champions-League-Bank. An Alexander Schlager und später Christian Zawieschitzky gab es allerdings kein Vorbeikommen.

Salko Hamzic hat für einen jungen Torwart schon viel erlebt. Mit dem Wechsel zur WSG Tirol gelang der nächste Entwicklungsschritt zur Nummer 1 bei einem Bundesligisten.

Die ersten Auftritte waren souverän. Kurz nach seinem 20. Geburtstag könnte jetzt das Debüt für ein A-Nationalteam folgen – stand jetzt allerdings nicht für das österreichische.

Im 90minuten-Interview spricht das Talent über diese Entscheidung, den Wechsel nach Wattens und eine mögliche Rückkehr nach Salzburg.

90minuten: Die WSG steht trotz einem anspruchsvollen Programm auf Platz fünf. Du hast gegen die Austria gerade das zweite Spiel ohne Gegentor in Folge gemacht. Wie zufrieden bist du bis jetzt?

Salko Hamzic: In den ersten drei Spielen hatte ich mehr zu tun (lacht). Ich denke schon, dass ich meine Sache ganz gut gemacht habe. Trotzdem bin ich natürlich glücklich, dass es jetzt weniger wurde. Großes Lob an meine Verteidigung, die von Spiel zu Spiel besser geworden ist. Die Kommunikation und das Zusammenspiel funktionieren inzwischen echt gut. Bis jetzt bin ich mega happy. Es war ein guter Start, genauso müssen wir jetzt weitermachen.

Es ist ein Gesamtpaket, bei dem man sich schnell so fühlt, als wäre man schon seit Jahren hier.

Über die schnelle Eingewöhnung bei der WSG Tirol

90minuten: Die WSG hat - wie im Vorjahr - einen sehr guten Saisonstart erwischt, obwohl sich im Kader viel verändert hat. Was machen der Trainer oder der Verein richtig, um schnell ein funktionierendes Team formen zu können?

Hamzic: Eine richtig konkrete Antwort habe ich dafür gar nicht. Man kommt hierher und fühlt sich direkt aufgenommen. Jeder hilft und ist sofort zur Stelle. Wo kann man essen gehen, wo gehen wir nach dem Training Kaffee trinken? Diesen Eindruck habe ich von jedem Spieler, der Geschäftsstelle, dem Trainerstab und eigentlich ganz Wattens. Auch die Umgebung ist sehr schön, mit vielen Bergen. Es ist ein Gesamtpaket, bei dem man sich schnell so fühlt, als wäre man schon seit Jahren hier. Erfolgreich sind wir bestimmt auch wegen unserer Teamchemie und dem Verständnis untereinander.

90minuten: Dein Liga-Debüt bei der WSG war gleichzeitig dein erster Einsatz in der Bundesliga. Nervosität hat man dir aber nicht angesehen. Hat es sich für dich anders angefühlt?

Hamzic: Eigentlich gar nicht. Vor dem Spiel war alles ein bisschen surreal. Ich habe mir nur gedacht: 'Geil, du spielst jetzt Bundesliga.' Ich habe die letzten zwei Jahre auf der Bank verbracht. Es waren über 54 Spiele, glaube ich. Eine echte Chance habe ich leider nie bekommen. Aus dem Training konnte ich aber viel mitnehmen. Vor dem Debüt bin ich im Spielertunnel gestanden, mit dem Einlaufkind hinausgegangen und habe es einfach genossen. Während des Spiels habe ich gar nicht mehr darüber nachgedacht und war voll im 'Flow'. Es hat ja auch alles ganz gut geklappt, würde ich sagen.

90minuten: Härtet die Rolle als Backup vielleicht auch einfach eine Spur ab?

Hamzic: Hundertprozentig. Ich war in jedem Bundesliga-Stadion, habe jeden Gegner gesehen. Ich kenne die Stimmung in den Stadien. Das härtet ab. Dass ich das schon im jungen Alter durchgemacht habe, kann mir später nur helfen. Für diese harte Zeit bin ich irgendwie auch dankbar. Manche erleben das erst mit 24 oder 25. 

Im Salzburger Torwarttrio mit Zawieschitzky und Schlager hatte Hamzic das Nachsehen
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Im Salzburger Torwarttrio mit Zawieschitzky und Schlager hatte Hamzic das Nachsehen

90minuten: Den Schritt zur WSG hast du schon während der WM gemacht, davor aber auch noch in Salzburg mittrainiert. Trainer Danny Röhl war erst wenige Tage da. Wann ist dieser Transfer-Prozess angelaufen?

Hamzic: Mit Salzburg war klar kommuniziert, dass ich Spielzeit brauche und deswegen für einen Wechsel offen wäre. Darüber waren wir uns auch sehr schnell einig. In Salzburg wäre es einfach nicht möglich gewesen. Ich bin dankbar dafür, dass wir gemeinsam eine Lösung gefunden haben, die für die WSG problemlos umsetzbar war. Das war sehr zuvorkommend von Salzburg. Ich hatte mehrere Angebote vorliegen und habe mit mehreren Vereinen gesprochen.

Die WSG hat mich am meisten angelacht. Über den Verein habe ich nur Gutes gehört, mein Berater Florian Mader hat früher für sie gespielt. Außerdem bin ich nur eineinhalb Stunden von Zuhause entfernt. Ein zusätzlicher, wichtiger Punkt war, dass ich die Liga kenne, jetzt aber auch zum Spielen komme. 'Köcki' (Anm.: WSG-Sportchef Stefan Köck) hat mich angerufen, Torwarttrainer Ferdinand Oswald hat mich angerufen – sie haben mir erklärt, wie sie mit mir planen. Man quatscht über die Zukunft, über Ziele und Pläne.

90minuten: Auch andere Vereine in Österreich haben in diesem Sommer neue Torhüter gesucht, ich denke an Hartberg und den GAK. Wie groß war das Interesse?

Hamzic: Gar nicht so groß, manche Situationen wurden ja auch schon früh geregelt. Die WSG war auf jeden Fall am meisten interessiert. Auch aus dem Ausland gab es nicht enorm viele Anfragen, ich hätte aber Optionen gehabt. 

90minuten: Du hast dich früh für einen Wechsel nach Tirol entschieden. Alex Schlager hat sich wenig später für einen Wechsel nach Bremen entschieden. Gab es wirklich gar keine Aussichten auf Spielzeit? 

Hamzic: Mir wurde vom Verein erklärt, dass sie Christian Zawieschitzky eine Spur vor mir sehen und mit ihm als Nummer eins in die Saison gehen wollen. Ich habe das akzeptiert. Chris ist ein super Torhüter, wir sind sehr gute Freunde. Damit war klar, dass ich mir etwas Neues suchen muss, um einen nächsten Step zu machen.

Um ehrlich zu sein: Ich glaube, dass es wirklich nur im Auge des Betrachters liegt.

Über Unterschiede zwischen ihm und Christian Zawieschitzky

90minuten: Hat man dir gesagt, in welchen Bereichen dich der Verein hinter Christian Zawieschitzky sieht?

Hamzic: Um ehrlich zu sein: Ich glaube, dass es wirklich nur im Auge des Betrachters liegt. Ich habe von vielen Seiten gehört, dass sie mich vorne sehen. Andere sehen es umgekehrt. Wir haben uns gegenseitig Dinge voneinander abgeschaut. Ich denke, dass wir beide sehr gute und talentierte Torhüter sind. Wir sind beide jung und haben dieselbe Schule durchgemacht. Am Ende hängt es an der Meinung von Trainern und der Vereinsführung. Spezielle Fähigkeiten, in denen wir uns groß unterscheiden, könnte ich nicht nennen.

90minuten: Man hat bei Red Bull gesehen, dass man als Torhüter schnell in einer Situation steckenbleiben kann. Die meisten Spieler sprechen ungern über Karrierepläne. Musst du dir auf deiner Position vielleicht mehr Gedanken machen und vorausschauend planen? 

Hamzic: Natürlich sucht man immer einen Verein, bei dem man die Nummer eins sein kann. Deswegen bin ich jetzt bei der WSG, ich habe diesen nächsten Step gebraucht. Ich wusste, dass ich spielen will. Was in Zukunft passiert, werden wir sehen. Derzeit wollen wir hier und jetzt Spiele gewinnen. Was danach passiert, werden wir sehen.

90minuten: Ich wollte vor allem darauf hinaus, dass man es als Torhüter besonders schwer hat, sich im Training aufzudrängen. Auf anderen Positionen bekommt man leichter die eine oder andere Minute ab, um wirklich etwas zeigen zu können.

Hamzic: Das stimmt. Alex Schlager hat in den letzten Jahren super gespielt. Dann ist es natürlich schwer, irgendwie hineinzurutschen. Man muss einfach sehr viel Vertrauen vom Verein bekommen. Wenn das nicht gegeben ist, ist es blöd.

Wenn alles gut läuft, sehe ich mich in Zukunft in der Premier League.

Über das große Karriereziel

90minuten: Normalerweise beantworten Spieler Fragen in diese Richtung ungern - gibt es Ziele, auf die du hinarbeitest?

Hamzic: Wenn alles gut läuft, sehe ich mich in Zukunft in der Premier League. Das ist ein sehr, sehr großes Ziel. Ich will jeden dritten Tag Fußball spielen, mich selbst ans Limit bringen. Mit der Youth League und Liefering hatte ich schon einmal englische Wochen. Es ist einfach das höchste Niveau mit den besten Bedingungen. 

90minuten: Du warst viele Jahre bei Red Bull. Habt ihr euch eine Tür für eine mögliche Rückkehr offen gelassen? Es soll eine Rückkaufoption geben.

Hamzic: Wir haben nicht näher darüber gesprochen. Ich bin ein Salzburger Torhüter, sie haben mich ausgebildet. Sie vertrauen darauf, dass ich mich entwickle. Ob sie die Kaufoption ziehen, liegt nicht in meiner Hand. Ich kann nur kontrollieren, wie ich spiele. 

90minuten: Mit guten Leistungen in der Bundesliga wirst du nicht nur in Salzburg, sondern auch beim Nationalteam auf dich aufmerksam machen. Du hast dich 2023 für den ÖFB entschieden. Wie gut kannst du dich an den Prozess erinnern?

Hamzic: Ganz gut! Der ÖFB ist auf mich zugekommen, hat Gespräche mit mir geführt und mir gesagt, dass ich Potenzial habe. Sie haben mich gefragt, ob ich es mir vorstellen könnte, für Österreich zu spielen. Es wurde dann in die Wege geleitet, dass ich die österreichische Staatsbürgerschaft bekomme. 

Hamzic im U19-Nationalteam mit u.a.: Jannik Schuster, Valentin Zabransky, Christopher Olivier, Philip Verhounig, Nikolas Wurmbrand, Marc Striednig
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Hamzic im U19-Nationalteam mit u.a.: Jannik Schuster, Valentin Zabransky, Christopher Olivier, Philip Verhounig, Nikolas Wurmbrand, Marc Striednig

90minuten: Du warst damals ja auch beim Perspektivlehrgang dabei, noch bevor du die Staatsbürgerschaft in Händen gehalten hast. Hattest du in letzter Zeit wieder Kontakt mit Ralf Rangnick?

Hamzic: Es war eine sehr coole Erfahrung, mit anderen Jahrgängen zu trainieren. Es war ein Zeichen der Wertschätzung vom ÖFB und hatte sicher Einfluss auf meine damalige Entscheidung. Mit Ralf Rangnick hatte ich in letzter Zeit aber keinen Kontakt.

90minuten: Du könntest neben Österreich auch für Bosnien spielen. Hast du dich mit dieser Option irgendwann ernsthaft beschäftigt?

Hamzic: Ich habe in den letzten Wochen auch mit dem bosnischen Nationalteam kommuniziert. Wir haben über die Zukunft gesprochen. Ehrlicherweise hat mich das schon sehr überzeugt. Ich möchte nicht, dass es als Entscheidung gegen den ÖFB verstanden wird. Grundsätzlich habe ich Bosnien aber gesagt, dass ich gerne dabei wäre, wenn sie mich einladen. Es hat sich damals komplett richtig angefühlt, mich für Österreich zu entscheiden. Genauso fühlt sich aber auch diese Entscheidung jetzt richtig an.

90minuten: Das werden viele ÖFB-Fans natürlich nicht gerne hören. Wenn Spieler sich in den letzten Jahren für ein anderes Nationalteam entschieden haben, war das meistens mit viel Kritik verbunden - teilweise auch deutlich unter der Gürtellinie. Fühlst du dich darauf vorbereitet? Hast du eine Antwort für diese Kritik?

Hamzic: Mir ist bewusst, dass etwas auf mich zukommen kann. Das gehört zu diesem Schritt dazu. Ich denke aber, dass es wichtig ist, solche Entscheidungen klar auszusprechen. Für mich war die Frage, wo meine Perspektive besser ist, was ich in einem Nationalteam erreichen kann und wo ich mich für die Zukunft besser aufgehoben fühle. Es war, wie gesagt, keine Entscheidung gegen den ÖFB, sondern für Bosnien, wo ich meine Wurzeln habe. Hinter meinen Beweggründen stehe ich. Ich schätze die Arbeit sehr, die dort geleistet wird. Für die Wertschätzung, die ich in den letzten Jahren bekommen habe, bin ich dankbar. Die gemeinsame Zeit werde ich gut in Erinnerung behalten.

90minuten: Vielen Dank für das Gespräch!

VIDEO: WSG-Stadion - der Status quo

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