Die letzten 32 Jahre hat der First Vienna FC 1894 im Unterbau der größten heimischen Fußballbühne verbracht. 17 Spielzeiten in der ADMIRAL 2. Liga, 13 in der Regionalliga, zwei in der viertklassigen Wiener Stadtliga.
Wer – wie Neo-Cheftrainer Patrick Enengl – im Jänner 1994 geboren wurde, kann die erfolgreicheren Epochen der Vereinsgeschichte nur aus Erzählungen kennen. Als in dieser Hinsicht ungebildet will er sich aber nicht abstempeln lassen: "Als Trainer interessiert man sich natürlich auch für die Tradition und stellt Recherchen an. Das ist auch nicht erst in den letzten zwei Jahren passiert. Die Wucht des Vereins hätte ich auch als Elfjähriger schon einschätzen können."
Es deckt sich damit, wie ich als Person ticke. Sonst wäre ich auch nicht der Richtige gewesen.
Auch mit den gesellschaftspolitischen Werten, die der Verein stärker als andere nach außen transportiert, kann er sich identifizieren. "Sonst wäre ich auch nicht der Richtige gewesen. Es deckt sich damit, wie ich als Person ticke."
Bei Auswärtsspielen habe er auf der Hohen Warte den speziellen Flair aufgesaugt, den Stadion und Fangemeinde ausstrahlen.
Trainer kommt von der Konkurrenz
Enengl hat sich in den letzten Jahren einen Namen beim SKU Amstetten gemacht. Nach einer Seuchensaison ging es stetig bergauf.
Erst einige schlechte Ergebnisse in Serie beförderten die Niederösterreicher in der abgelaufenen Spielzeit ab März vom ersten auf den sechsten Tabellenrang - einen Platz vor der Vienna.
Streng genommen gehörte Amstetten unter Enengl sogar zu den größten Vienna-Angstgegnern: Der letzte Sieg gelang im November 2024. Länger dauert die Durststrecke nur gegen die Admira und Young Violets.
Von einem Trainer wie Peter Stöger kann man auch in einem Meeting viel lernen. Wir hatten ein gutes Gespräch.
Weil Amstetten in der aktuellen Verfassung nicht aufsteigen kann, musste der nächste Schritt anderswo passieren. Anfragen gab es, im letzten Jahr auch mehrere persönliche Gespräche.
Im vergangenen Sommer stand der 32-Jährige auch als möglicher Co-Trainer beim SK Rapid im Gespräch: "Im Fußball darf man Anfragen nicht einfach abblocken. Von einem Trainer wie Peter Stöger kann man auch in einem einstündigen Meeting sehr viel lernen. Wir hatten ein gutes Gespräch." Den Job übernahm letztlich Thomas Sageder.
Andere Dimensionen bei der Vienna
Für einen neuen Arbeitgeber gab es drei Bedingungen zu erfüllen. Enengl wollte einen kompetenten Sportdirektor, einen gefestigten Verein und die Chance, etwas zu bewirken. Eigenschaften, die sich derzeit auch Amstetten zuschreiben lassen. Welche Unterschiede sind als Trainer zwischen zwei Zweitligisten spürbar - das Budget, der Mitarbeiterstab, die Qualität im Nachwuchs?
Der größte Unterschied ist, dass die Vienna ein riesiger Verein ist und sich zu den größten in ganz Österreich zählen darf.
Enengl meint: "Der größte Unterschied ist, dass die Vienna ein riesiger Verein ist und sich zu den größten in ganz Österreich zählen darf. Wenn wir am Campus trainieren, habe ich des Öfteren mitbekommen, dass es dort Zuschauer gibt. Auch auf der Straße bekommt man mehr Aufmerksamkeit."
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Es sei ihm bewusst gewesen, was er in Amstetten aufbauen konnte. Deswegen habe die endgültige Entscheidung Zeit gebraucht. Ich bin kein Trainer, der von heute auf morgen alles verändert, sondern einer, der eine gewisse Zeit braucht. Von der Vienna war ich schnell tausendprozentig überzeugt, weil sich die handelnden Personen extrem um mich bemüht haben."
Problemdiagnose braucht Zeit
Beim Dienstantritt in Amstetten im September 2023 lag der Verein nach sieben Runden ohne Sieg im Tabellenkeller. Auch Enengl konnte erst Monate später den ersten "Dreier" einfahren. "Ich würde das nicht noch einmal machen, nachdem ich es einmal erlebt habe. Es war ein großes Learning", sagt er heute über die Erfahrung.
Wie bringt man eine angeschlagene Mannschaft zurück in die Spur? Damals forderte der Trainer "radikale Veränderungen", die in der Winterpause schrittweise umgesetzt wurden.
"Es geht mir um Werte, einen inhaltlichen Rahmen in unserer Spielweise und individuelle Spielerentwicklung. Das sind die drei wichtigsten Punkte. Zusätzlich braucht es im Verein Ruhe und eine klare Linie, wofür man stehen will. Dem muss sich jeder Einzelne unterordnen." So lautet eine Andeutung des Erfolgsgeheimnisses. Interna möchte Enengl aber nicht verraten.
"Nach zwei oder drei Wochen habe ich schon relativ genau gewusst, an was es im Detail krankt. Von außen lässt sich das eigentlich nicht beurteilen - auch nicht über Daten oder mit einem guten Auge", meint Enengl.
Es kann dauern
Ein Wort, das der junge Trainer im Interview immer wieder erwähnt, ist "Teamgefüge". Eine gute Abstimmung innerhalb der Mannschaft soll künftig eine Stärke der Döblinger sein. Dass Entwicklungsprozesse auch nach Saisonstart weiterlaufen, ist angesichts vieler neuer Gesichter unvermeidlich. Auch der Trainer hatte kurz vor Saisonstart noch keine eigene Wohnung.
Wie viel Geduld erwartet Enengl sich vom Verein? "Ich habe einen Zweijahresvertrag unterschrieben. In der Anfangszeit wollen wir uns in der vorderen Tabellenregion etablieren. Wenn wir uns dort festsetzen, wäre es lässig. Wenn Leistung und Entwicklung passen, kommt der Rest von selbst."
Wir wollen zielorientiert und geradlinig arbeiten. Wenn das gelingt, können wir auf der Hohen Warte sehr viele Fans mitnehmen.
Bedarf für Veränderung hat er jedenfalls erkannt, nennt aber auch hier vorerst keine Details. "Ich bin als Trainer geholt worden, weil sich etwas verändern muss. Sonst wäre ich gar nicht hier. Wir wollen im nächsten Jahr für etwas stehen. Wir wollen zielorientiert und geradlinig arbeiten. Wenn uns das gelingt, wissen wir, dass wir auf der Hohen Warte sehr viele Fans mitnehmen können."
Mit einem dominanten 4:0-Sieg im ersten Ligaspiel gegen Sturm Graz II ist der Grundstein dafür gelegt. Glänzen konnte bisher an erster Stelle Neuzugang Maximilian Fillafer mit drei Toren in zwei Partien.
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Spannende Neuzugänge
Stürmer Youssouf Soukouna kam in den ersten beiden Pflichtspielen von der Bank, hat aber bereits eine Vorlage verbucht. Der 26-Jährige wurde von Sportdirektor Didi Elsneg aus Frankreichs dritter Liga verpflichtet. "Das ist vor allem über Datenscouting gelaufen. Didi hat ihn schon länger gekannt und ihn auch einmal vor Ort gesehen", berichtet Enengl.
Zu den spannendsten Neuen im Kader zählt auch Tobias Anselm. "Es hat schon einige Überzeugungsarbeit gebraucht, weil mehrere Vereine an ihm dran waren. Ich kenne ihn noch aus unserer gemeinsamen LASK-Zeit. Tobi ist ein sehr feiner Typ. Gleichzeitig muss man wissen, dass er das eine oder andere Verletzungsproblem hatte. Es ist wichtig, dass wir ihn Stufe für Stufe heranführen und weiterbringen."
Geduld ist auch bei In-gyom Jung gefragt. Der Südkoreaner war zuletzt für die zweite Mannschaft von Schalke 04 aktiv, wartet aber wohl noch bis Ende August auf seine Rot-Weiß-Rot-Card.
"Stand jetzt wird das unser letzter Neuzugang sein. Er bringt richtig viel Dynamik mit und ist ein Eins-gegen-Eins-Spieler, den wir auf der Acht, Zehn oder Halbposition variabel einsetzen können."
Die Mitfavoritenrolle in der Liga werde man bei der Vienna jedenfalls annehmen, sagt er. Aufgestellt wird deshalb strikt nach Leistungsprinzip.
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Daniel Sauer